Schreiner Group: Robustheit ist oberstes Ziel
Das Familienunternehmen Schreiner produziert an seinem Standort in China bisher Produkte für die Automobil- und elektronische Industrie, möchte aber in Zukunft auch Firmen aus dem Pharma-Bereich von dort aus beliefern. Alle Fotos: Schreiner Group

Schreiner Group: Robustheit ist oberstes Ziel

Die Schreiner Group mit Hauptsitz in Oberschleißheim entwickelt und produziert innovative Funktionsetiketten. Trotz Handelsstreit und Brexit sieht sich das Familienunternehmen bestens für die Zukunft gerüstet.

„In unserem täglichen Tun verfolgen wir zwei verschiedene Strategien: Da ist zunächst unsere langfristige Ausrichtung. Deren Ziel ist es, dass wir als robustes Unternehmen so aufgestellt sind, dass wir selbst bei größeren Schwierigkeiten nicht gleich unter die Räder kommen. Zusätzlich gibt es unser schnelles operatives Eingreifen, wenn sich manche Dinge anders entwickeln sollten als erwartet“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Roland Schreiner, der das bayerische Familienunternehmen bereits in dritter Generation leitet. Robust aufgestellt zu sein, heißt für den Unternehmer nicht nur eine große Bandbreite an Produkten für unterschiedliche Branchen und Kunden aufweisen zu können. Dazu gehört auch, einem hohen Qualitätsgedanken gerecht zu werden sowie eigene Produktionsstätten etwa in China und in den USA sein Eigen zu nennen.

Die beste Lösung finden

Geht es um das Erarbeiten einer Strategie bei konkreten Herausforderungen wie dem Brexit oder dem Handelsstreit, ist es dem Unternehmer ein großes Anliegen, Lieferanten und Kunden möglichst frühzeitig mit einzubinden. Kommunikation sei hier das A und O. „Über all dem stehen die Fragen, wie wir gemeinsam mit den Ereignissen umgehen sollen und wie wir für alle Beteiligten die beste Lösung finden können. Im Fall des Brexits ist es zum Beispiel unser Ziel, die Warenflüsse im Vorfeld so abzusichern, dass die Auswirkungen möglichst gering ausfallen“, erzählt Schreiner. Lieferanten wurden etwa Pufferläger, vorzeitige Lieferungen oder Direktimporte aus den USA empfohlen, während Kunden vorgezogene Bestellungen und das Anlegen eines Sicherheitsbestands ans Herz gelegt wurde. Die Folgen eines Brexits ohne Abkommen werden laut Schreiner dennoch sehr weitreichende Folgen haben: „Großbritannien wird letztlich wie ein Drittstaat behandelt werden, was für lange Transportzeiten sorgen und die Produkte durch die Zölle verteuern wird. Es kann zudem sein, dass Produkte ihre Zulassung verlieren, mit bisher kaum abzuschätzenden Folgen. Man denke etwa an die Reach-Verordnung.“

Erfolgreich im Land der Mitte etabliert

Seit 2011 betreibt die Schreiner Group in China eine Tochtergesellschaft, seit 2016 eine eigene Produktion in der Nähe von Shanghai. In China konzentriert sich die Gruppe derzeit auf die Automobil- und elektronische Industrie, produziert dort sehr erfolgreich ausschließlich für den chinesischen Markt. Als sich der Handelskonflikt mit den USA weiter verschärfte, es sogar zur Abwertung des Yuan kam, galt es für Schreiner, mögliche Risiken für den Standort im Land der Mitte abzuwägen. „Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen China und den USA spüren wir bislang noch wenig, da wir direkt im Land produzieren und dort auch unsere Waren beziehen, also von Importen unabhängig sind.“ Auch dass die chinesischen Exporte durch die Währungsabwertung günstiger werden, spiele für das Familienunternehmen eine untergeordnete Rolle, da man mit seinen Hightech-Funktionsteilen in den Kernmärkten Europa und USA selten auf chinesische Wettbewerber treffen würde. Dennoch beschäftigt sich das Unternehmen mit den aktuellen Ereignissen, denn ein Handelsstreit zwischen diesen beiden Großmächten habe natürlich Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. „Wenn diese betroffen ist, dann sind auch Kunden, etwa aus dem Bereich Automotive betroffen und letztlich deren Zulieferer – wie Schreiner selbst“, sagt der Unternehmer.

Auf dem Weg der kleinen Schritte

Bei seinem Blick in die Zukunft zeigt er sich trotzdem zuversichtlich, laufen die Geschäfte doch bisher blendend: Obwohl der chinesischen Automotive-Markt dramatisch einbrach, konnte die Gruppe im vergangenen Jahr ihren Umsatz dort signifikant steigern und Marktanteile hinzugewinnen. Schreiner erwartet hier auch für 2019 zweistellige Wachstumsraten und will weiter expandieren „Wir planen, unser Werk in der Nähe von Shanghai sukzessive weiter auszubauen. Damit folgen wir nicht dem Trend von Großunternehmen wie Apple und Nintendo, die ihre Produktion in China zumindest teilweise in andere Länder verlagern wollen.“ Sukzessive heißt für Schreiner, wie bisher den Weg der kleinen Schritte zu beschreiten: „Wir haben in China sehr beschaulich angefangen, haben auch jetzt nur 25 Mitarbeiter vor Ort und produzieren in gemieteten Räumlichkeiten. Das hat es uns ermöglicht, solide zu wirtschaften, bereits nach drei Jahren schwarze Zahlen zu schreiben und gleichzeitig die identisch hohe Qualität zu liefern, wie wir es von Deutschland aus können. Das macht uns robust und schützt uns vor so mancher Unwegsamkeit.“

Zum Schluss fasst Schreiner zusammen: „Jeder Unternehmer braucht eine langfristige Strategie. Das ist eine Hausaufgabe, die gemacht werden muss, denn eines ist sicher: Die nächste Rezession oder der nächste Konflikt kommt bestimmt und darauf muss man vorbereitet sein, will man sein Unternehmen nicht gefährden.“ -hf

 

Das Unternehmen

Die Schreiner Group GmbH & Co. KG ist ein international tätiges deutsches Familienunternehmen der druck- und folienverarbeitenden Industrie. Das Unternehmen bietet maßgeschneiderte Produkte, Lösungen und Services für die pharmazeutische Industrie und Medizintechnik, Logistik, Maschinenbau, Telekommunikations-, Elektronik- und Automobilindustrie. Banken und Behörden gehören ebenfalls zum Kundenstamm der Schreiner Group. Das Produktportfolio umfasst innovative Spezialetiketten, darunter selbstklebende Funktionsteile, RFID-Etiketten, gedruckte Elektronik und Sicherheitslösungen für den Produkt- und Dokumentenschutz. Die Gruppe beschäftigt weltweit mehr als 1.100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 180 Millionen Euro.

www.schreiner-group.com

 

Fotostrecke

© 2019 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de