Kinder fit für die digitale Zukunft machen
Anna Iarotska und Yuri Levin haben 2015 Robo Wunderkind gegründet. (Alle Fotos: Robo Wunderkind)

Kinder fit für die digitale Zukunft machen

Der kleine Roboter aus roten, grünen, gelben und blauen Steinen saust durch’s Kinderzimmer, wechelt die Richtung, blinkt mit den Lichtern und spielt ein Lied. Geschickt weicht er jedem Hindernis aus und stoppt schließlich vor den Füßen des sechsjährigen Leo. Der schnappt den kleinen Roboter, baut ihn auseinander, setzt ihn neu zusammen und wischt auf seinem Tablet herum. „Jetzt kann er andere Sachen machen“, sagt Leo stolz als das kleine Gefährt wieder losfährt.

Geeignet für Kindergarten und Schule

Leos Spielzeug ist ein Produkt des Wiener Start-ups Robo Wunderkind. Damit erfahren schon die Jüngsten Technologie spielerisch und intuitiv. Mittlerweile wurden 6.000 Modulsets in 15 Ländern verkauft und im deutschsprachigen Raum setzen mehr als 50 Schulen und Kindergärten das Spielzeug ein, um Kinder ab fünf Jahren für die Themen Robotik und Programmierung zu interessieren, weltweit sind es schon 200. „Das Feedback ist sehr positiv“, sagt Mitgründerin Anna Iarotska. „Robo Wunderkind zielt auf das früheste kognitive Bewusstseinsfenster der Kinder ab und macht Spaß.“ Damit auch die Lehrkräfte Freude daran haben, haben Iarotska und ihr 15-köpfiges Team in Wien, Chicago und Shenzhen zusammen mit Pädagogen 70 Stunden Lerneinheiten für verschiedene Fächer und ein Handbuch entwickelt, das eine Integration in den Lehrplan erleichtern und Besonderheiten der psychologischen Entwicklung von Kindern berücksichtigen soll. Den Digitalpakt sieht Iarotska als Chance, dass ihr Produkt auch in Deutschland in weitere Klassenzimmer einzieht: „Mit dem Go zum Digitalpakt können Schulen nun umsetzen, was in den vergangenen Jahren eher von privaten Bildungseinrichtungen forciert wurde, nämlich Kindern frühzeitig Freude an Technik zu vermitteln, die sie aktiv gestalten und nicht passiv konsumieren. Der Erfolg von morgen hängt von den richtigen Lernwerkzeugen ab“, betont sie. Die robotisierte Welt sowie künstliche Intelligenz würden den Alltag kommender Generationen bestimmen. „An Schulen auf der ganzen Welt wird Programmieren als Pflichtfach eingeführt. Hier ist Robo Wunderkind der perfekte Partner“, so die 35-Jährige stolz.

Mit Lego kompatibel

Die bunten Roboter-Module erinnern an Bauklötze, lassen immer wieder neue Kombinationen in Formen und Funktionen zu, regen Vorstellungskraft, Kreativität und Tatendrang der Kinder immer wieder aufs Neue an. Die dazugehörigen Apps ermöglichen die Steuerung und Programmierung der Räder, Lampen, Lautsprecher und Kameras, mit denen der Roboter ausgerüstet werden kann. Programmieren wird so intuitiv und einfach, dass selbst die Jüngsten einfach loslegen und probieren. „Robo Live“ ist eine Art Fernsteuerung, über „Robo Code“, eine visuelle Programmieroberfläche, können die Kinder intuitiv, ohne Wörter, programmieren. Ein Bonus des Produkts, das in verschiedenen Sets erhältlich ist: Die Module sind mit Lego-Bausteinen kompatibel, sodass sich noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten ergeben. „Robo Wunderkind lässt viel Platz für Phantasie und soll Kindern im Spiel begegnen“, sagt Iarotska. Mitgründer Yuri Levin fügt hinzu: „Eltern halten es zunehmend für wichtig, dass ihr Nachwuchs für die digitale Zukunft gewappnet ist. Sie entscheiden sich deshalb bewusst für technisches Spielzeug, mit dem die Kids alle wesentlichen Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts ausüben können.“

Auszeichnungen und Geld

Das Spielzeug überzeugte mittlerweile Juroren und Investoren gleichermaßen. Seit seiner Gründung konnte das Start-up bereits acht Preise einheimsen, der erste übrigens von einem deutschen Mittelständler, der „Festo award – Robot of the Year 2014“. 2018 gab es den „Born Global Champion Award“. Zwei Venture Capital Fonds, eine Reihe von Business Angels aus der Schweiz und Österreich sowie ein Family Office sind mit einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro an dem Start-up beteiligt. Für 2019 rechnen die Gründer mit einem kräftigen Umsatzplus.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte 2015, im Gründungsjahr des Start-ups, als der erste Prototyp bei einer Kickstarter-Kampagne 246.000 Dollar einsammelte. Iarotska, die in der Finanzwelt in Wien tätig war, danach in London ihren Master in International Development Management machte, arbeitete sowohl in London als auch später in Wien in der Start-up-Szene. Auf dem Pioneers Festival in Wien lernte sie ihre Mitgründer kennen. Gemeinsam kamen sie auf die Idee, einen Roboter zu entwickeln, den jedes Kind bauen und programmieren können sollte. Nach ausgiebigen Gesprächen mit Eltern und einer sorgfältigen Marktrecherche ging das Team für vier Monate ins chinesische Shenzen, das „Silicon Valley of Hardware“, und entwickelte dort erste Prototypen. Den Wettbewerb sieht die Gründerin gelassen: „Wir waren sehr früh dran und es gibt viel für ältere Kinder, aber für die Fünf- bis Zwölfjährigen gibt es wenig, vielleicht fünf Produkte weltweit.“

Aktuell arbeite das Team an der Weiterentwicklung des Produkts, entwickle weitere Module und Funktionen wie einen LED Screen, die Möglichkeit, ein eigenes Animationsprogramm zu entwickeln oder die eigene Musik abzuspielen. „Die Ideen dafür bekommen wir von den Kindern“, sagt Iarotska. „Wir wollen Technologie möglichst früh Kindern zugänglich machen und Technologie weiter in die Bildung integrieren.“ (Andrea Przyklenk)

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