Schluss mit Fast Food: Start-up YFood bietet leckeren Ersatz
Noël Bollmann und Benjamin Kremer (v.l.) haben 2017 „YFood“ gegründet. Im November 2018 gewannen sie Frank Thelen in „Die Höhle der Löwen“ als Investor. Anfang Juni 2019 investierten VC-Gesellschaften mehr als vier Millionen Euro. Das Unternehmen sieht sich im deutschsprachigen Raum als führender Anbieter von Ready-to-drink-Mahlzeiten. (Alle Fotos: YFood Labs GmbH)

Schluss mit Fast Food: Start-up YFood bietet leckeren Ersatz

Die Gründer des Münchner Start-ups YFood haben den eigenen Fast-Food-Konsum zum Anlass genommen, eine gesündere Alternative zu entwickeln. Mittlerweile verkaufen sie die Mahlzeit in Getränkeform bereits in 26 Ländern Europas und sogar im Einzelhandel.

Benjamin Kremer und Noël Bollmann arbeiteten beide in der Finanzindustrie. „Das war stressig. Wir waren oft bis spätabends im Büro und irgendwann lockte der Snackautomat oder ein Fast-Food-Restaurant auf dem Heimweg“, erzählt Kremer. „Nach einigen Monaten begann unsere Gesundheit zu leiden und wir beschlossen damals, dass es so nicht weitergehen konnte. Wir wollten uns nicht damit abfinden, dass schnelles Essen immer ungesund sein muss.“ Ein weiterer Anstoß war, dass Bollmann während des Studiums Kommilitonen kennenlernte, die sich von Trinkmahlzeiten in Pulverform ernährten und sagten, dass sie sich mit den Shakes viel wohler fühlten als zuvor.

Experten an Bord geholt

Die Gründer stellten verschiedene Überlegungen an und konkretisierten die ersten Anforderungen an ihr Produkt: Es sollte ein fertiges Getränk sein, ausgewogen, vollwertig, gesund, und es sollte gut schmecken. Ziemlich schnell wurde klar, dass das Projekt ihre gesamte Zeit beanspruchen würde. Kremer und Bollmann kündigten ihre Jobs und widmeten sich YFood, wie sie ihr Getränk nannten, in Vollzeit. Bald stellten die beiden fest, dass sie es alleine nicht schaffen würden. Deshalb holten sie sich renommierte Lebensmitteltechnologen dazu. Die Entwicklung eines Prototyps mit einem perfekten Nährwertprofil nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen dauerte fast ein halbes Jahr. Über das Netzwerk der Lebensmitteltechnologen fanden sie schließlich auch einen kompetenten Hersteller in Österreich, der die Serienproduktion des Getränks bewerkstelligen konnte. „Am 1. August 2017 war es dann endlich soweit: Unsere erste Charge YFood ging in Produktion. Das Gefühl, unsere ersten eigenen Flaschen in den Händen zu halten, nach all der Energie, die wir in das Projekt gesteckt hatten und den Rückschlagen, die wir auf dem Weg hinnehmen mussten, war überwältigend“, schwärmen Kremer und Bollmann.

Eine Mahlzeit in der Flasche

Das Getränk in den auffälligen 500-Milliliter-Flaschen in den Geschmacksrichtungen Smooth Vanilla, Alpine Chocolate, Fresh Berry und Cold Brew Coffee wurde ein Erfolg. Mittlerweile gibt es auch 330-Milliliter-Flaschen für den kleinen Hunger zwischendurch. Verkauft wird bisher online in 26 europäische Länder. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die flüssige Mahlzeit auch an rund 6.000 Verkaufsstellen im Einzelhandel angeboten, zum Beispiel bei Rewe, Kaufland, Edeka, Rossmann, Müller, Tegut und Globus. Ein Pluspunkt: Das Getränk muss nicht gekühlt werden, sondern ist dank eines ausgeklügelten Herstellungsprozesses ohne Konservierungsstoffe auch ungekühlt bis zu neun Monate haltbar. „Die 500-Milliliter-Flasche enthält eine volle ausgewogene Mahlzeit, die alles enthält, was der Körper benötigt: reichlich Proteine, 26 Vitamine und Mineralstoffe, essentielle Omega-Fettsäuren und wichtige Ballaststoffe“, sagt Kremer und betont: „Wir wollen nicht jede Mahlzeit ersetzen, sondern eine Alternative zum ungesunden Fast Food schaffen.“

Das junge Unternehmen hat große Pläne. Zum einen sollen neue Geschmacksrichtungen entwickelt sowie neue Varianten wie Riegel und Pulver zum Selbstmischen die bestehenden Zielgruppen begeistern und neue Zielgruppen erschließen. „Manche Leute möchten nicht aufs Kauen verzichten und auch ins Flugzeug kann man einen Drink nicht mitnehmen. Die kostengünstigere Pulvervariante ermöglicht uns die Ansprache weniger kaufstarker Kunden wie Studenten“, erklärt Kremer.

Vom Start-up zum kleinen Mittelstand

„Am Hauptsitz in München haben wir mittlerweile 35 Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren. Wir erzielen voraussichtlich einen Jahresumsatz von zehn bis 15 Millionen Euro“, sagt Kremer stolz. „Damit sind wir eigentlich kein Start-up mehr, sondern entwickeln uns bereits zum kleinen Mittelstand.“ Das bringe neue Herausforderungen mit sich: „Wir müssen uns professionalisieren, Prozesse und Strukturen finden und dürfen dabei nicht an Geschwindigkeit verlieren oder uns selbst blockieren“, sagt der Gründer. „Sorge macht uns auch der leergefegte Arbeitsmarkt in der Region München. Wir haben deshalb HR um vier Leute aufgestockt und beschäftigen Headhunter.“ Alles was nicht zum Kerngeschäft gehört, wird ausgelagert, beispielsweise der Logistikbereich. Anfangs arbeitete das Unternehmen mit einer Shop-Lösung, die sich bald als zu klein erwies. „Wir brauchten eine Software-Lösung, mit der wir unsere Prozesse effizient abbilden können, vom Wareneingang bis zum Warenausgang und der Abrechnung, und einen Partner mit dem nötigen logistischen Hintergrund und einer entsprechenden Kapazität. Hinzu kam, dass wir ein System brauchten, dass auch den Einzelhandel abdecken kann“, erzählt Kremer. „Ich selbst musste ebenfalls lernen, Aufgaben abzugeben.“ Strategie, Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb bleiben im Unternehmen.

„Natürlich möchten wir weiter internationalisieren. 2019 haben wir den Schritt in die USA gewagt und mithilfe der Förderung durch das German-Accelerator-Programm der deutschen Bundesregierung ein Büro in New York eröffnet.“ Das, so Kremer, sei ein wichtiger Schritt. „Man hat die Möglichkeit als Start-up vom großen Netzwerk des German Accelerator massiv profitieren zu können. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Innovations- und Förderbereitschaft für junge Gründer in Deutschland gibt. Die USA kann hier glaube ich ein gutes Vorbild sein, was die Finanzierung und Förderung von Start-ups betrifft.“

Und was rät Kremer anderen Start-ups? Am wichtigsten sei es, sich nicht von seinem Vorhaben abbringen zu lassen: „Wenn man ein Business startet, ist man hauptsächlich von Neinsagern und Bedenkenträgern umgeben. Sie sprechen ständig darüber, weshalb etwas nicht geht. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen“, sagt der Gründer. „Ansonsten empfehle ich, einfach anzufangen. Zu Beginn ändert sich so viel. Will man alle Eventualitäten bedenken und absichern, wird es nie etwas.“ -ap

Fotostrecke

© 2019 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de