Start-ups: Inbound Recruiting sichert den Nachwuchs
Das Start-up charly.education setzt auf Inbound Recruiting und vernetzt Unternehmen sowohl mit Studenten als auch mit passiv und aktiv suchenden Bewerbern. (Alle Fotos: charly.education)

Start-ups: Inbound Recruiting sichert den Nachwuchs

Der Arbeitsmarkt hat sich verändert. Gut ausgebildete Bewerber können sich ihren Arbeitgeber heute aussuchen. Dadurch finden sich die Unternehmen in einer ungewohnten Rolle wieder, denn sie müssen sich potenziellen Bewerbern möglichst attraktiv präsentieren.

Nur 15 Prozent der Arbeitnehmer sind aktiv auf Jobsuche. Die restlichen 85 Prozent bleiben passiv und können auch nicht mit traditionellen Mitteln wie Stellenanzeigen erreicht werden. Was also tun? Das Start-up charly.education, das in der Digitalbranche bislang als „PlusPeter“  bekannt war, sieht  die Lösung in Inbound Recruiting. Durch diesen Ansatz vernetzen sich Unternehmen sowohl mit Studenten als auch mit passiv und aktiv suchenden Bewerbern, deren professionellen Netzwerken und überzeugen Kandidaten über den gesamten Bewerbungsprozess hinweg.

Seit Mitte Mai tritt Pluspeter als charly.education auf - dazu gibt es ein Youtube-Video. Die Namensänderung erfolgte parallel zum Start der gleichnamigen neuen digitalen Lernplattform des Unternehmens. Mit der Umbenennung möchte das Start-up dem kürzlich verstorbenen Mitgründer Karl „Charly” Bagusat gedenken, der die Entwicklung der neuen Lernplattform maßgeblich mitgestaltet hat.

Brücke zwischen on- und offline

Die Idee zu dem Start-up entstand während des Studiums von Cecil von Croÿ und Karl Bagusat in den USA. „An amerikanischen Universitäten lernen die Studenten deutlich praxisorientierter. Der Kontakt zu Unternehmen und das Werben für Einstiegsprogramme finden viel verständlicher statt. Gleichzeitig sprechen Arbeitgeber, Cafés oder Lieferservices die Zielgruppe direkt an“, beschreibt von Croÿ, der Nachholbedarf bei deutschen Hochschulen sieht. „Wenn es ums Lernen geht, haben Studenten immer noch sehr gern Papier in der Hand. Steht die Klausurenphase an, häufen sich außerdem die Schlangen vor den Copyshops. Das kann Zeit und Nerven rauben und ist zudem teuer“, erklärt von Croÿ. Im April 2016 folgte die Gründung von Pluspeter. Die Geschäftsidee fußte auf einem einfachen Prinzip: Das Start-up druckt kostenlos Semesterunterlagen. Die Studenten hinterlegen ihre Daten und die gebundene Printversion wird direkt zu ihnen nach Hause geliefert. Finanziert wird das Angebot von Unternehmen, die sich in den Lernskripten als Sponsoren in Form von Job-Anzeigen oder Informationen und Werbung platzieren.

Mit einem crossmedialen Ansatz schlägt das Berliner Start-up, das neben den eigenen auch externe Produkte wie die Social App Jodel vermarktet, die Brücke zwischen off- und online. „Kampagnen werden gezielt auf die sozialen Netzwerke der Studenten ausgeweitet. Anhand der Profile sind wir in der Lage, die Anzeigen auf das gewünschte jeweilige Online-Format anzupassen. Damit schaffen wir es, auch in der virtuellen Welt, Werbedauer und -wert um ein Vielfaches zu erhöhen und die Nutzungs- und Sehgewohnheiten der Zielgruppe auf allen Kanälen voll auszuschöpfen“, betont von Croÿ.

Mittlerweile haben schon mehr als 250.000 Studenten ihre Lernunterlagen über das Start-up drucken lassen. Mehr als zehn Prozent bewarben sich auf ausgeschriebene Stellen. Darüber hinaus aktivierten sie mehr als 50.000 Rabatte und Gutscheine durch App Scans, die direkt auf Unternehmenswebseiten verlinken. Damit hat sich das Start-up nach eigenen Angaben als größter Studentenvermarkter in der DACH-Region etabliert.

Candidate Journey muss begeistern

Mit der 2017 gestarteten Jobbörse Charly Jobs (ehemals „JobPeter“) eröffnen sich für Studenten und Unternehmen neue Möglichkeiten: Hier können sich Unternehmen als attraktive Arbeitgebermarke positionieren und die Bewerbung von Top-Talenten fördern. Die Messbarkeit crossmedialer Kampagnen schlage sich unter anderem in hohen Conversionsraten nieder. „Streuverluste werden dadurch vermieden, dass die Zielgruppe nach Alter, Geschlecht, Hochschule, Studiengang und Semester gezielt gefiltert und angesprochen werden kann“, erklärt von Croÿ.

Die Gründung der Agentur Aschenputtel im vergangenen Jahr war  die logische Weiterentwicklung der Expertise des jungen Unternehmens in punkto Advertising und Targeting. Die Unternehmen können Unterstützung brauchen, denn der Arbeitsmarkt ist umkämpft wie nie zuvor. Punkten können nur Unternehmen, die sich attraktiv präsentieren. Laut Statista würden 69 Prozent aller Jobsuchenden keinen Job in einem Unternehmen mit schlechter Reputation annehmen. 70 Prozent beginnen ihre Suche über Suchmaschinen und zwei von drei Bewerbern schauen sich im Vorfeld auf ihren Social-Media-Kanälen um. „Aschenputtel verbindet spannende Designs mit datengetriebenem Marketing. Mit der Inbound-Recruiting-Philosophie bringen wir bewährte Methoden aus dem Brand Marketing ins Personalmarketing und Recruiting“, sagt von Croÿ. „Dabei verbinden wir Technologie und Kreativität.“ Die junge  Agentur begleitet ihre Kunden von der Entwicklung von Employer-Branding-Strategien über Content-Planung und Reputationsmanagement, Mediaplanung und SEO bis hin zu Branding und CI, Anzeigenkampagnen sowie dem Entwurf von Karriereseiten und Bewerbungsformularen. Unternehmen wie Cewe, Hochtief und Foodora haben den Wert einer ausgeklügelten Digitalstrategie bereits erkannt. Talent Acquisition Manager Cathrin Lindacher von „CORE.SE“ freut sich über 60 Prozent mehr qualifizierte Bewerbungen. „Erfahrungen zeigen, dass für eine Bewerbung zwischen fünf und zehn Touchpoints nötig sind“, betont der Gründer und ergänzt: „Letztlich geht es darum, die Candidate Journey über alle Kontaktpunkte und Medien hinweg bis zum Abschluss der Bewerbung für den Kandidaten interessant zu machen und ihn für das Unternehmen zu begeistern.“

Das Start-up sieht sich mit charly.education für die Zukunft gut aufgestellt, denn die Zielgruppe der Studierenden kann durch die Lernplattform noch besser targetiert werden. „Wir haben bereits jetzt mehr Daten zu den Studierenden als jede Jobplattform in Deutschland. Sucht eine Firma beispielsweise einen Wirtschaftsingenieur im fünften Semester mit Italienisch- und Spanisch-Kenntnissen, finden wir ihn auf jeden Fall“, sagt von Croÿ stolz.

Fotostrecke

© 2019 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de