Die Hüter der Quellen
Blick in die Produktion von Ensinger. Foto: Ensinger-Mineral-Heilquellen GmbH

Die Hüter der Quellen

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der DNA der Ensinger-Mineral-Heilquellen GmbH fest verankert. News-Redakteur Hendrik Fuchs sprach darüber mit Thomas Fritz, geschäftsführender Gesellschafter des schwäbischen Familienunternehmens.

Was bedeutet für Sie der Begriff Nachhaltigkeit?

Thomas Fritz: Wir sind nicht nur ein Familienunternehmen, das sich dem Thema Nachhaltigkeit im besonderen Maße verpflichtet fühlt, sondern sind zudem in einer Branche tätig, die sehr naturnah ist. Mineralwasser ist dabei viel mehr als nur die Basis unseres Geschäftsmodells, es ist die Grundlage von allem. Daher müssen wir diesen Naturschatz mit Augenmaß pflegen, damit er auch noch nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Das ist seit unserer Gründung einer unserer unumstößlichen Grundsätze. Nachhaltigkeit bedeutet für uns darüber hinaus, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das sehen wir nicht als Widerspruch, denn am Ende muss sich nachhaltiges Agieren für ein Unternehmen auch rechnen, möchte es wachsen und sich entwickeln.

Ihr Motto heißt „Wir leben den Nachhaltigkeitsgedanken durch aktives Handeln“. Wie sieht dieses Handeln bei Ensinger konkret aus?

Die große Kunst ist es, diesen Grundsatz auf gezielte Aktionen herunterzubrechen und alle Ebenen des Unternehmens zu durchdringen. So werden wir dank zahlreicher Maßnahmen in den vergangenen Jahren bis 2020 komplett CO2-neutral unterwegs sein. Momentan sind wir hier bei einer Quote von annähernd 90 Prozent. Zu den Maßnahmen zählen der Einsatz von Strom aus regenerativen Quellen und Ökogas sowie der Einsatz von Elektro-Staplern in Produktion und Logistik. Unser Solarpark auf dem Dach der Produktionshallen produziert 20 Prozent des Strombedarfs, LED-Technik und ein intelligentes Beleuchtungskonzept sorgen für Durchblick. Zudem können Firmenfahrzeuge an der unternehmenseigenen Tankstelle C.A.R.E-Diesel tanken, ein Recyclingprodukt aus Speiseölabfällen. Ein besonderes Anliegen ist neben dem Schutz unseres Quelleneinzugsgebiets die Förderungen und der Erhalt heimischer Streuobstwiesen als wichtiger Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen. Daher kommen alle Äpfel für unsere Apfelschorlen von heimischen Streuobstwiesen. Speziell in der Region Vaihingen/Enz unterhalten wir ein so genanntes Aufpreisvermarktungsmodell, bei dem den Erzeugern Preise gezahlt werden, die weit über dem Durchschnitt liegen. Im Gegenzug verpflichten sich die Erzeuger zum Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemittel und führen Baumpflegemaßnahmen und Nachpflanzungen durch.

Im März dieses Jahres hat Ihr Unternehmen zusammen mit Bioland einen mit 100.000 Euro dotierten Umweltpreis für Landwirte ausgelobt. Was ist die Intention des Preises?

Ein aktiver Grundwasser- beziehungsweise Mineralwasserschutz ist naturgemäß unser zentrales Herzensanliegen. Wir möchten alles dafür tun, um von Menschen verursachte Einträge wie Hormone, Nitrate oder Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln zu verhindern. Mit dem Preisgeld unterstützen wir Landwirte in Vaihingen/Enz und Umgebung. Wir helfen dabei, ihre Betriebe auf Ökolandbau, der sich durch Gewässerschutz und Artenvielfalt auszeichnet, umzustellen. Gleichzeitig soll das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken, denn es muss sich schleunigst etwas ändern. Inzwischen sind rund 30 Prozent unseres Grundwassers in Deutschland so hoch mit Nitrat belastet, dass man „sauberes“ Wasser beimischen muss, um es für den Verzehr freigeben zu können. Daher sind solche Aktionen wie die unsere ein wichtiges Signal.

Sie haben erst kürzlich ein Bio-Mineralwasser auf den Markt gebracht…

Richtig. Dahinter verbirgt sich aber weit mehr, als nur besonders strenge Grenzwerte. Es geht um ein umfassendes, transparentes und überprüfbares Unternehmenskonzept, das den Ökolandbau fördert und sich hohen sozialen Standards für Mitarbeiter verpflichtet sieht. Die Kriterien hierfür wurden von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser festgelegt und werden entsprechend zertifiziert.

Neben Glasflaschen nutzen Sie teilweise auch PET-Flaschen. Wie lässt sich das mit Ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit in Einklang bringen?

Wir sind absolute Glas-Fans, denn Glas ist für Getränke nach wie vor die beste Verpackung. Aber der Markt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in eine andere Richtung entwickelt und es kam zum Siegeszug der PET-Flaschen. Doch PET ist nicht gleich PET. Für 19 Cent, der durchschnittliche Preis für eine Kunststoff-Flasche im Discounter, ist natürlich kein besonders hochwertiges Produkt zu erwarten. Wir gehen hier einen anderen Weg. Unsere PET-Flaschen sind ausschließlich in einer sehr guten Qualität gefertigt, mit einem Acetaldehyd-Blocker versehen und lassen sich im Rahmen des Petcycle-Systems mit einer Quote von 98 Prozent recyceln. Die Kästen erreichen sogar eine Quote von 99,1 Prozent. Die Verschmutzung der Meere mit Plastik ist uns natürlich auch ein Dorn im Auge, hat aber mit deutschen PET-Flaschen rein gar nichts zu tun, den dank unseres Pfandsystems in Deutschland landet so gut wie keine PET-Pfandflasche in der Umwelt. Im Gegenteil: Das deutsche Pfandsystem ist weltweit vorbildlich. Unsere Aufgabe ist es, in beiden Gebindesystemen – PET und Glas – den Verbrauchern das jeweils beste anzubieten. Die Entscheidung trifft dann der Kunde. Aber wir freuen uns sehr über die Renaissance von Glas-Mehrwegflaschen.

In Ihrem Nachhaltigkeitsbericht haben Sie sich dem Wohlbefinden Ihrer Belegschaft im besonderen Maße verpflichtet…

Wir stehen einerseits in einem sehr harten Wettbewerb und sind auf gesunde Mitarbeiter angewiesen, die auch den teils sehr hohen Belastungen standhalten können. Andererseits ist unsere Unternehmenskultur von humanen Werten geprägt, zu denen zum Beispiel ein verantwortlicher Umgang miteinander gehört. Um dieses Miteinander und die Gesundheit zu fördern, tun wir sehr viel. Das reicht von Betriebsausflügen und Gesundheitstagen, geht über Präventionskurse, Gesundheitspässe, Massagen am Arbeitsplatz und einem Lauftreff bis hin zu Gewinn-Beteiligungsmodellen und günstigen Konditionen für das Leasen von Dienstfahrrädern und Pedelecs. Natürlich gehören auch Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung dazu.

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