Mit Nachhaltigkeit Vorbild für die Automobilindustrie
Die Beoplast-Geschäftsführer Susanne Schmees-Besgen und Patrick Poschen freuen sich über den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019, Kategorie KMU. (Alle Fotos: Beoplast)

Mit Nachhaltigkeit Vorbild für die Automobilindustrie

Das Familienunternehmen Beoplast wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019 in der Kategorie KMU ausgezeichnet. Der Hersteller von Kunststoffbauteilen ist der erste CO2-freie Produktionsbetrieb in der Automobilindustrie, doch das ist nur ein Aspekt, in dem sich Nachhaltigkeit manifestiert.

Nachhaltigkeit hat viele Aktionsfelder

Das beginnt bei den bretonischen Zwergschafen Herr von Carlowitz und Mr. Musk, die die Rasenmäher ersetzt haben, als Biotonne fungierenden Schweinchen und Bienenstöcken, geht über das Gartenbauprojekt für Flüchtlinge in Langenfeld, die Nutzung von Sonnenenergie bis hin zu Energieeffizienz, Recycling und E-Mobility. Darüber hinaus wirkt das Unternehmen als Industriepartner an Forschungsprojekten mit bio-basierten Kunststoffen mit, die es auch selbst einsetzt. Ein großer Teil der Mitarbeiter bewegt sich bereits umweltfreundlich zum Arbeitsplatz, unter anderem mit E-Bikes, deren Anschaffung von der Firma gefördert wird. Auch das hat bei der Verleihung des Preises eine Rolle gespielt. Die Jury befand: „Die Beschäftigten werden auch privat zu nachhaltigem Konsum, beispielsweise zur Grünstrom-Nutzung, durch Information und finanzielle Anreize animiert.“ Und weiter: „Das Unternehmen legt zudem großen Wert auf einen guten Umgang mit seinen Beschäftigten: Bio-Obst, Sportförderung, Schulungen zur Nachhaltigkeit sowie flexible Arbeitszeitmodelle sind nur einige Beispiele hierfür.“ Beliebt ist auch der „Fitnessschreibtisch“, ein höhenverstellbarer Schreibtisch mit PC und Laufband, von dem aus man sich auf den eigenen Rechner einloggen kann. Arbeiten und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun, heißt hier die Devise. Geschäftsführer Patrick Poschen betont: „Als Unternehmen hat man einen viel größeren Hebel, CO2 einzusparen, nachhaltig zu agieren und das mit geringen Mitteln. Die Umstellung auf Grünstrom oder der Umbau der Heizungsanlage auf Kompressorabwärme sind nur zwei Beispiele, die wenig gekostet haben, aber sehr zur Nachhaltigkeit beitragen.“

Fünf Säulen der Nachhaltigkeit

„Jede geschäftliche Aktivität muss den ökonomischen Anforderungen genügen, denn nur so ist der langfristige Erfolg unseres Unternehmens gewährleistet“, sagt Poschen. „Die gleiche Bedeutung messen wir aber auch den ökologischen Aspekten zu. Es ist uns gelungen, Ökonomie und Ökologie in einen Gleichklang zu bringen.“ Die fünf wichtigsten Säulen der Nachhaltigkeit bei Beoplast sind in diesem Gleichklang:

  • Klimaneutralität, das bedeutet CO2 gleich Null. Dieses Ziel hat das Unternehmen bereits 2014 erreicht (TÜV DIN ISO 14364-3)
  • Ressourceneffizienz, zertifiziert nach TÜV DIN ISO 50001, 14001.
  • Das Unternehmen ist Kompetenzzentrum für biobasierte Werkstoffe. „Wir verfügen durch unsere lange Erfahrung im Umgang mit biobasierten Werkstoffen über sehr fundierte Kenntnisse und beobachten den Markt sehr genau“, sagt Poschen.
  • Local Selling und Local Sourcing. Seit über zehn Jahren ist zum Beispiel die Werkstatt für Behinderte ein bevorzugter Partner des Unternehmens.
  • Einbeziehung von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten in die CO2-Bemühungen.

„Nachhaltigkeit ist eine Aufgabe, die von der Unternehmensführung getrieben werden muss“, sagt Poschen. „Der Firmengründer Theo Besgen hat das Thema bereits 2013 aufgegriffen und auf allen Ebenen konsequent vorangetrieben.“ Bereits seit Juli 2014 arbeitet das Familienunternehmen zu 100 Prozent mit Ökostrom.

Die zusammenfassende Begründung der Jury für die Preisverleihung stellt die Vorreiterrolle des Unternehmens heraus: „Beoplast setzt als regionales KMU wegweisende Nachhaltigkeitsstandards in der Automobilbranche und setzt zusätzlich immer wieder Impulse bei Auftraggebern, sich auch selbst zukunftsfähig auszurichten. Mit seiner klimaneutralen Produktion beweist das Unternehmen, dass diese technisch machbar und wirtschaftlich erfolgreich ist. Die Jury würdigt das Familienunternehmen als einen auf allen Ebenen nachhaltigen Industriebetrieb und Wegbereiter für einen zukunftsfähigen Kunststoff mit der Wahl zu Deutschlands nachhaltigstem KMU.“

Kurz vorgestellt

Die „BeoPlast Besgen GmbH“ wurde 1990 von Theo Besgen, Susanne Schmees-Besgen, Dieter und Sigrid Schmees in Langenfeld gegründet. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern und jährlich zwei Auszubildenden einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro. Die Produkte des Familienunternehmens werden in über 25 Länder geliefert, vornehmlich innerhalb Deutschlands sowie ins europäische Ausland, aber auch nach Asien, Süd- und Nordamerika. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent. Seit 2014 arbeitet das Unternehmen emissionsfrei und bietet seinen Kunden zunehmend Alternativen mit Kunststoffen auf Bio-Basis. Susanne Schmees-Besgen und Patrick Poschen haben nach dem plötzlichen Tod von Geschäftsführer Theo Besgen Mitte 2018 die Geschäftsführung übernommen.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Seit 2008 würdigt Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in so unterschiedlichen Kategorien wie Wirtschaft, Forschung, Architektur und Kommunen. Mit dem Preis fördert die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. gemeinsam mit der Bundesregierung und weiteren Partnern mutige Akteure und Ideen mit Vorbildfunktion. Kreativen Ideen und Spitzenleistungen verschafft der Preis die Aufmerksamkeit, die sie verdienen – und die sie für ihren weiteren Erfolg benötigen. Er würdigt Vorreiter, prämiert die Besten, dokumentiert Fortschritte und zeigt so, was mit Engagement, Kreativität und Weitsicht alles möglich ist. Der Next Economy Award macht Existenzgründern Mut, die ihre Vision einer nachhaltigeren Zukunft mit ihren Geschäftsmodellen Realität werden lassen wollen. Er rückt nachhaltige Innovationen „Made in Germany“ in den Fokus, verschafft Start-ups Rückenwind und bietet so Anreize für Investitionen. Unternehmen können sich in verschiedenen Kategorien bewerben. Über die Finalisten und Sieger der Wettbewerbe entscheidet eine unabhängige Expertenjury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

www.nachhaltigkeitspreis.de

 

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