Start-up digitalisiert Gesundheitsförderung
Dr. Magnus Kobel hat die Gesundheitsapp YAS entwickelt, die über Gamification und Prämien zu einem gesünderen Lebensstil motiviert. Individualisierte Versionen für Versicherer und Unternehmen unterstützen deren Präventionsprogramme.

Start-up digitalisiert Gesundheitsförderung

Die Magnum Est Digital Health GmbH bringt das Präventionsangebot von Krankenkassen, Versicherungen und das betriebliche Gesundheitsmanagement der Unternehmen mit ihrer App YAS auf einen aktuellen Stand. Versicherte und Mitarbeiter können die Vorteile von Bonusprogrammen damit einfach und sicher nutzen.

Viele Menschen nutzen heute bereits Fitnesstracker in Smartphones, Armbändern und Uhren. Bonusprogramme der Krankenkassen hinken bisher hinterher, denn sie arbeiten noch immer mit Kursen und Stempelheften. Viele Berufstätige haben aber weder die Möglichkeit noch Lust, ihr Sportprogramm in Kursen zu festgelegten Zeiten zu absolvieren. Ähnlich sieht es bei den Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagements aus. Die Wirkung von Gesundheitstagen verpufft nur allzu schnell. Damit macht YAS Schluss. Über die App zählt jetzt auch die private morgendliche Joggingrunde oder der Spaziergang. Dazu braucht man keinen speziellen Tracker, sondern kann den Schrittzähler im Smartphone und fast alle gängigen Geräte wie Fitbit oder Garmin verwenden. Für Versicherer und Unternehmen ist dies eine gute Möglichkeit, Mitglieder beziehungsweise Mitarbeiter zu binden und durch ein niederschwelliges Angebot zu mehr und regelmäßiger Prävention und Gesundheitsförderung beizutragen.

Full Service für B2B-Kunden

Das Start-up übernimmt für seine Geschäftskunden alle mit den digitalen Bonusprogrammen zusammenhängenden Aufgaben. Das beginnt bereits bei der Gestaltung der App für die B2B-Kunden. „Wir übernehmen den Look und Feel der Versicherung oder des Unternehmens. Außerdem können wir individuelle Inhalte wie den Betriebssport oder einen Gesundheitstag integrieren. Der Versicherer kann auf ‚seiner‘ App auf andere Versicherungsangebote hinweisen“, erklärt Gründer Dr. Magnus Kobel das Konzept. „Wir entwickeln für unsere Kunden darüber hinaus – wenn gewünscht – Team-Challenges und andere Formate wie Läufe für einen guten Zweck, und bespielen die App auch mit anderen Themen, zum Beispiel Achtsamkeit, Ernährung und Vorsorge.“ Die Vergabe der Prämien übernimmt das Start-up ebenfalls. Der Kunde kann sich über ein aggregiertes Reporting freuen, selbstverständlich anonym. „Am wichtigsten ist uns, dass das Angebot niederschwellig ist, sodass jeder mitmachen kann“, betont Kobel. Die Unternehmen müssen lediglich die Prämien bereitstellen und ihren Mitgliedern und Mitarbeitern einen Zugangscode für die App geben.

Fitness bleibt Privatsache

Großen Wert legen Kobel und seine Mitarbeiter auf den Datenschutz und die Datensicherheit. Deshalb haben sie intensive DSGVO-Schulungen mitgemacht, die Server stehen in Deutschland. „Wir geben keine Daten über die Fitness der Nutzer an die Versicherungen oder die Unternehmen weiter. Das verhindert schon die Gesetzgebung. Unsere Kunden müssen lediglich wissen, dass ein Versicherter oder ein Mitarbeiter eine Prämie erhält, aber nicht, womit er sie sich verdient hat und wie die Prämie aussieht“, sagt Kobel und fügt hinzu: „Fitness-Daten gelten nicht als hochsensibel. Wir verfügen nicht über mehr Daten als zum Beispiel Apple Health, doch wir tun alles, um größtmögliche Sicherheit zu garantieren.“ Die Health-App YAS löst die Sicherheits-Krux von Gesundheitsdaten, damit Unternehmen und Krankenkassen die Chancen der Digitalisierung im Präventionsmanagement nutzen können.

B2C als Entwicklungsfeld 

Die App ist für alle Nutzer und unabhängig von Unternehmen oder Versicherungen für Android und iOS verfügbar und bis dato einzigartig in Deutschland. Die App motiviert über Gamification und geldwerte Vorteile dazu, gesünder zu leben und durch ein Plus an Bewegung Erkrankungen vorzubeugen. Auch in der frei zugänglichen Version werden jeder einzelne Schritt und jede sportliche Aktivität täglich über die Verknüpfung mit dem Fitnessarmband, der Smartphone-eigenen Health-App oder anderen Sport-Apps in Fitnesspunkte umgewandelt. Diese lassen sich gegen Prämien von Sportartikelherstellern, Health-Start-ups oder Fitness- und Wellnessangebote eintauschen. Regelmäßig wechselnde Challenges sorgen für zusätzlichen Ansporn und Extrapunkte, ohne zu überfordern. Dazu gibt es wissenswerte Tipps für einen gesunden Lebensstil über den eigenen Blog. „Prävention und Gesundheitsförderung sollen zum Lifestyle werden“, sagt der Gründer, der diese Erkenntnis auch in die Namenswahl hat einfließen lassen. „Wir wollen lebensbejahend und positiv erscheinen und die Nutzer dazu ermutigen, durch Fitness an Lebensqualität zu gewinnen.“

Die App nutzt das Start-up als Test- und Entwicklungsfeld für das B2B-Angebot. Hier können neue Ideen getestet werden, verschiedene Zielgruppen und ihre Erwartungen beobachtet sowie identifiziert werden, wo die verschiedenen Nutzergruppen innerhalb des digitalen Netzwerks am besten angesprochen werden können.

„Jetzt musst du springen“

Die Unternehmensgründung 2016 war für den heute 46-Jährigen nach zehn Jahren in der Versicherungsbranche und sieben Jahren als Berater ein logischer Schritt. „Die Versicherungskonzerne suchen nach digitalen Geschäftsmodellen. In anderen Ländern wie USA oder Südafrika ist man da schon viel weiter“, beschreibt Kobel die Situation. „Der Zeitpunkt schien mir richtig für eine Unternehmensgründung. Ich dachte mir: ‚Jetzt musst du springen‘.“ Der Erfolg gibt dem Gründer Recht. Mittlerweile zählt das Start-up unter anderen die „mhplus Betriebskrankenkasse“, die Versicherungskammer Bayern und einen Autohersteller zu seinen Kunden. Unter den über 20 Mitarbeitern finden sich IT-Spezialisten ebenso wie Sportler. Weltweit wird nach Talenten gesucht. „Wir sind ein internationales Team. Unsere Mitarbeiter kommen unter anderem aus Marokko, Nepal, Pakistan und der Türkei. HR ist für uns von strategischer Bedeutung“, betont der Geschäftsführer.

15 Business Angels haben in das von der EU geförderte Start-up investiert. Der Lead-Investor ist die Deutsche Rück. Der Anspruch ist hoch: „Wir wollen Markführer für digitale Gesundheitsservices werden.“ Kobel sieht die Entwicklung in der Versicherungsbranche positiv: „Die Branche verändert sich. Es tut sich etwas, auch wenn es noch Tausende von Bremsern gibt. Die Angst, die Kundenschnittstelle zu den Versicherten an neue Player wie Amazon zu verlieren, ist hoch. Es geht jetzt darum, positive Kundenerlebnisse zu schaffen und sich als Gesundheitsdienstleister zu positionieren.“ (-ap)

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