Unternehmensgründung mit Hund und Katz‘
Rosemarie Amos-Ziegler gründete die Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) 1991. Ehemann Klaus Ziegler kümmert sich um die IT und sorgt dafür, dass technisch alles reibungslos läuft.

Unternehmensgründung mit Hund und Katz‘

Die meisten alten Menschen möchten möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, doch manchmal geht es nicht mehr. Wegen körperlicher Gebrechen oder Demenz sind sie auf Hilfe angewiesen. Ins Alten- oder Pflegeheim zieht niemand gerne. Das war auch schon so als die gelernte Krankenschwester Rosemarie Amos-Ziegler 1991 die Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) in der Kettemerstraße in Filderstadt-Bernhausen in Stuttgart gründete.

Mittlerweile hat sich daraus ein erfolgreiches Familienunternehmen mit 250 Mitarbeitern aus 46 Nationen entwickelt, darunter 51 Auszubildende. Die WGfS betreibt drei Häuser mit 148 Bewohnern, einen ambulanten Pflegedienst mit rund 100 Kunden und hat sich auf Demenzkranke spezialisiert.

Im hohen Alter gut leben

Vor der Unternehmensgründung arbeitete Amos-Ziegler in Teilzeit in einem Krankenhaus und war als ambulante Krankenschwester geringfügig beschäftigt. Als sie von einem Ehepaar geragt wurde, ob sie es nicht umfassender betreuen könnte, sagte sie zu und hängte ihren Job an den Nagel. Bald kamen mehr Anfragen und damit auch die ersten Mitarbeiter in Teilzeit. Als Amos-Ziegler die Chance hatte, ein Haus in der Nähe ihres eigenen zu kaufen, gründete sie 1991 die WGfS. „Die Menschen wollten nicht ins Alten- oder Pflegeheim. Die meisten waren auch noch nicht sehr pflegebedürftig“, erzählt sie.

Im Rückblick, so Amos-Ziegler sei sie ziemlich blauäugig an die Unternehmensgründung herangegangen. „Ich hatte davor nie ein Altenheim gesehen und Geld hatte ich auch keins. Also ging ich zur Bank, um das Haus in der Kettemerstraße kaufen zu können. Offensichtlich war der Bankbeamte von meiner Begeisterung beeindruckt und hat mir den Kredit gegeben.“

Sechs ältere Menschen, Hund und Katzen bezogen das Haus. „In unserer Wohngemeinschaft trugen alle das bei, was in einer Großfamilie an Aufgaben zu erledigen ist“, erzählt Amos-Ziegler. „Ich liebe meinen Beruf und in der WGfS konnte ich von Anfang meine eigenen Ideen zu guter Pflege umsetzen. Mir geht es darum, etwas für unsere Bewohner zu tun, dafür zu sorgen, dass sie am Ende ihres Lebens ein gutes Leben haben.“

Enges Korsett behindert

Eine ständige Herausforderung sind für die 59-Jährige die engen Regularien, denen ihre Branche unterliegt und die sie nicht immer sinnvoll findet: „Ich frage mich manchmal, wo diejenigen, die die Gesetze machen, hingeschaut haben, ob sie überhaupt eine Ahnung von dem haben, wozu sie Gesetze erlassen.“ Als Beispiel nennt sie die neuen Bestimmungen für Demenzstationen: „Mit Rücksicht auf die Intimsphäre der Bewohner soll es nur noch Einzelzimmer geben. Ganz abgesehen davon, dass uns das vor bauliche Probleme stellt, machen wir die Erfahrung, dass die Menschen nicht alleine sein wollen. Manche Dinge muss man ausprobieren und von Fall zu Fall entscheiden, was am besten funktioniert. Ich behandle die Menschen so wie ich selbst behandelt werden möchte.“

Durch die ausufernden Dokumentationspflichten würden die Mitarbeiter daran gehindert, sich vollständig ihrer eigentlichen Aufgaben zu widmen, beklagt die Unternehmerin. Nur dank der EDV und schlanker Prozesse halte sich der Aufwand einigermaßen in Grenzen. Das sei gut für die Mitarbeiter und die Bewohner, denn schließlich gehe es um Menschen und nicht um Formulare.

Professionelle Mitarbeiter-Entwicklung

Wer sich mit Amos-Ziegler unterhält, merkt schnell, dass es ihr immer um Menschen geht – um die Bewohner der Häuser und um die Mitarbeiter. „Ich selbst bin wissbegierig und bilde mich ständig weiter, nicht nur fachlich, sondern auch im Hinblick auf Unternehmens- und Mitarbeiterführung“, sagt sie. „Das möchte ich auch unseren Mitarbeitern ermöglichen. Es  erfüllt mich mit großer Freude, Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu unterstützen, zu sehen, wie sie sich entwickeln und wachsen.“ Dafür tut sie einiges. Das Mitarbeiter-Entwicklungsprogramm ist professionell angelegt. Das Unternehmen wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Deichmann-Förderpreis für Integration in der Kategorie „Berufliche Förderung durch Unternehmen“ und dem Deutschen Bildungspreis 2016 für sein vorbildliches Bildungs- und Talentmanagement. Außerdem erhalten die Mitarbeiter nicht nur Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie großzügige Zuzahlungen zur Altersvorsorge, sondern können sich auch über flexible Arbeitszeiten und ein professionelles Gesundheitsprogramm freuen. Als Anerkennung für gute Noten dürfen die Auszubildenden eine Zeitlang eines der unternehmenseigenen Cabrios fahren. Kein Wunder, dass es bei der WGfS keinen Mangel an Bewerbungen gibt.

1999 hat die Unternehmerin Klaus Ziegler geheiratet. „Mein Mann und ich ergänzen uns hervorragend“, sagt sie. „Ich bin eher die Macherin und Ideengeberin und kümmere mich um das Personal. Er kümmert sich um die Finanzen und IT und sorgt dafür, dass technisch alles reibungslos läuft. Zudem ist er mir ein sehr guter Sparringspartner. Solange es uns beiden Spaß macht, machen wir weiter.“ (-ap)

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Tipp: In der April-Ausgabe der News finden Sie noch mehr Berichte über Unternehmensgründungen.

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