Playbrush: Revolution im Badezimmer
Mit der innovativen Lösung des Start-ups Playbrush lernen Kinder spielend richtiges Zähneputzen. Via App können sich die Eltern über den Putzfortschritt informieren.

Playbrush: Revolution im Badezimmer

Die meisten Eltern wissen, dass Zähneputzen ein Ritual ist, das ihre Kinder selten begeistert. Das Start-up Playbrush ist auf dem besten Weg, das zu ändern. Mit App und Spielen hält der Spaß am Zähneputzen Einzug in die Badezimmer.

Wie viele andere Kinder putzte auch das Patenkind von Paul Varga nur ungern die Zähne. Der Patenonkel hatte die Idee, ein iPad aufs Waschbecken zu stellen und dem kleinen Louis während des Zähneputzens Youtube-Videos vorzuspielen. Der Kleine war zwar begeistert, konzentrierte sich jedoch so sehr auf die Videos, dass er darüber vergaß, die Zahnbürste zu bewegen. Doch Onkel Paul ließ sich nicht entmutigen. Seine Lösung: eine Zahnbürste mit Bluetooth-Aufsatz, der Handzahnbürsten zu Game Controllern macht und Kindern so spielerisch das richtige Zähneputzen vermittelt.

Spielend Zähneputzen

2015 gründete Varga zusammen mit Matthäus Ittner und Tolulope Ogunsina Playbrush mit Sitz in Wien und London. Ziel des Start-ups ist es, Kinder auf spielerische Weise an die tägliche Mundhygiene heranzuführen. Schon im Gründungsjahr heimste das junge Unternehmen den begehrten Gamification World Award in der Kategorie „Best Technological Innovative Contribution“ ein. 2016 folgte der Health Media Award. Mittlerweile ist Playbrush in 25 Ländern erhältlich, seit September 2018 gibt es auch eine elektrische Variante der Zahnbürste, die „Playbrush Smart Sonic“ und eine App.

Die Playbrush-App bietet zwölf spannende Spiele, einen Zahnputz-Coach zum Erlernen der von Ärzten empfohlenen KAI-Technik sowie detaillierte Putzstatistiken. Der in die Smart Sonic und den Handzahnbürstenaufsatz Smart integrierte Bluetooth-Chip überträgt die Putzbewegungen der Kinder in die App. Während Kinder mit den eigenen Putzbewegungen Flugzeuge fliegen, Bilder malen oder Monster besiegen, setzt die App Anreize, alle Zahnseiten lange genug gleichermaßen gut zu putzen, Audiofeedback sowie Auswertungen zum Putzfortschritt für Eltern inklusive. Außer der Zahnbürste braucht man lediglich ein Smartphone oder Tablet mit Bluetooth und der Spaß kann losgehen.

Mission Zahngesundheit

Für Kinder von drei bis fünf Jahren empfiehlt das Team die Handzahnbürste, für die Sechs- bis Elfjährigen die elektrische Zahnbürste. Dabei ist es Varga und seinen Mitstreitern wichtig, ihre Produkte in einem für alle Eltern erschwinglichen Rahmen anzubieten. So kostet das Einstiegsset der Smart Sonic einen niedrigen zweistelligen Betrag inklusive drei Spiele. Weitere Spiele können im Rahmen von Abonnements erworben werden. „Zahngesundheit darf kein Luxus sein“, betont Varga. „Karies ist nach Erkältungen die zweitgrößte Volkskrankheit, bringt viel Leid mit sich und kostet am Ende unglaublich viel Geld.“

Von Anfang an haben die Erfinder auf die intensive Zusammenarbeit mit Familien, Zahnärzten in Großbritannien und Österreich, Forschern und Zahnbürstenherstellern gesetzt, darunter das University College London, das Eastman Dental Hospital. Eine wissenschaftliche Studie von 2017 belegt, dass Kinder mit Playbrush nicht nur lieber putzen, sondern auch doppelt so lange. „Wir wollen, dass Kinder richtig, besser und lieber Zähne putzen“, so Varga. „Unser Ziel ist es, den Status der Mundhygiene zu verbessern und die Prävention zu erhöhen. In jedem Badezimmer in Europa soll eine Playbrush stehen.“ Bei bisher 175.000 verkauften Bürsten bleibt noch viel Potenzial, zumal auch die Erwachsenen ihre Zähne nicht immer richtig putzen und sie zusätzlich durch eine schlechte Ernährung mit zu viel Zucker belasten. Die Universität Witten/Herdecke hat in einer Studie festgestellt, dass lediglich 32 Prozent der Befragten ihre Zähne richtig putzen.

Dabei bleiben

Mittlerweile sieht sich das Start-up auch dem einen oder anderen Konkurrenzprodukt ausgesetzt, doch das kann Varga nicht schrecken: „Der Wettbewerb hinkt uns weit hinterher. Seine Lösungen sind nicht so interaktiv wie unsere und er bietet weniger Auswahl. Als die Ersten im Markt konnten wir bereits viel Software-Know-how sammeln und einen Kundenstamm aufbauen. Das ist auch das Kapital, das wir in die Partnerschaften mit Zahnbürstenherstellern einbringen.“ Mit Unilever gibt es einen Co-Branding Deal und Handelspartner wie Tchibo oder Rewe zeigen sich ebenfalls interessiert.  Seit August 2018 zählt auch die österreichische Versicherung Uniqua zu den Partnern. Playbrush-Abos werden mit einer Zahnunfall-Versicherung ausgestattet, die im Falle eines Zahnunfalls bis zu 80 Prozent der Behandlungskosten erstattet. „Ein Sturz mit dem Fahrrad oder der Türrahmen, der im Weg steht: Wenn Kinder spielen, geht es mitunter wild zu. Gerade die jungen Zähne nehmen leicht Schaden und das Richten wird häufig teurer als gedacht“, begründet Varga die Kooperation.

„Wir haben einige Finanzinvestoren und ein paar Jahre Zeit, um das Unternehmen aufzubauen“, sagt der 31-Jährige mit Blick auf die Zukunft. „Ich kann mir vorstellen, für eine lange Zeit dabei zu bleiben. Wir arbeiten bereits an weiteren Projekten und denken über neue Partnerschaften nach, die uns auf dem Weg zu mehr Zahngesundheit voranbringen.“ (Andrea Przyklenk)

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