Missverständnisse ausräumen: Mentoring-Programm für den Nachwuchs
Das Team von ROCK YOUR COMPANY!: Tanja Schweizer, Julia Nahlovsky, Friederike Horlacher und Jasper Schlump (v.l.). (Foto: Julia Windischbauer)

Missverständnisse ausräumen: Mentoring-Programm für den Nachwuchs

Junge Menschen werden am Anfang ihres Berufslebens mit zahlreichen Erwartungen und Herausforderungen konfrontiert. Das Münchner Start-up „ROCK YOUR COMPANY!“ hat ein Mentoring-Programm entwickelt, das Abbruchquoten und Fluktuationsraten senkt und für Zufriedenheit im Unternehmen sorgt.

„Junge Menschen fühlen sich in der Ausbildung und beim Einstieg ins Berufsleben oft missverstanden, überfordert und nicht ausreichend unterstützt“, sagt Friederike Horlacher, bei dem Start-up zuständig für Marketing und Kommunikation. „Das führt dazu, dass es bei Auszubildenden zu einer hohen Abbruchquote kommt – jedes vierte Ausbildungsverhältnis wird heute vorzeitig gelöst – und dass gerade die Fluktuation bei jungen Mitarbeitern und Nachwuchs-Führungskräften hoch ist.“  Mit seinem Inhouse-Mentoring-Programm möchte das Team von RYC dafür sorgen, dass junge Menschen „ihren Berufsalltag erfolgreich und zufrieden bewältigen“.

Brücken bauen

„Wir verstehen uns als Brückenbauer, die die Missverständnisse ausräumen, mit denen sich in den Unternehmen die Generationen begegnen“, sagt Horlacher. „Wir fokussieren uns darauf, den jungen Menschen die Entwicklung ihrer Potenziale zu ermöglichen. Es geht nicht nur darum, sie fit für den Job zu machen, sondern sie persönlich weiterzubringen. Darüber hinaus deckt unser Programm ein breites Themenspektrum ab und lässt viel Raum für individuelle Aspekte, die die Teilnehmenden einbringen können.“

Der Erfolg spricht für sich: „Bei der AccorHotels Group konnten wir die Abbruchquote in der von uns betreuten Gruppe auf null Prozent im ersten Lehrjahr drücken. Unsere Wiederbuchungsquote in 2018 liegt bei 100 Prozent. Unser Kunde Züblin zum Beispiel startet 2019 mit dem vierten Programm“, freut sich Horlacher. „Junge Bauingenieure übernehmen dort als angehende Bauleiter schnell Führungsaufgaben. Das überfordert viele von ihnen. Mit erfahrenen Mitarbeitern, die von uns zu Mentoren qualifiziert werden, kann ihnen die notwendige Unterstützung geboten werden.“ Katja Ittershagen, Leitung YPC, Ed. Züblin AG Direktion Mitte, sagt: „Das Programm hat uns direkt überzeugt. Sowohl der Aufbau als auch die Inhalte des Inhouse-Mentoring ergänzen unser bisheriges Einführungsprogramm für neue Mitarbeiter perfekt. Außerdem ist das Team rund um RYC bestens organisiert und hat das Thema Mentoring für uns effektiv und wirkungsvoll umgesetzt.“

Entwicklung für alle

Mentoring auf Augenhöhe sei ein wirkungsvolles Personalentwicklungsinstrument, mit dem unterschiedliche Zielgruppen in ihren personalen und kommunikativen Kompetenzen gefördert werden können, ist Horlacher überzeugt. Erfahrene Mitarbeiter werden in eintägigen Seminaren durch ausgebildete Trainer von RYC für das Programm qualifiziert. Die Mentees durchlaufen ein separates Seminar. „Die Mentees müssen ebenso wie die Mentoren ihre Aufgabe verstehen“, sagt Horlacher. „Sie sollen begreifen, dass es sich nicht um eine disziplinarische Maßnahme handelt, sondern ihnen Raum zur persönlichen Weiterentwicklung geboten wird.“ Danach findet ein gemeinsamer Matching- und Kick-off-Trainingstag statt, bei dem sich Mentoren und Mentees kennenlernen und sich in Paaren zusammenfinden. Im Anschluss startet der Mentoring-Prozess. „Mentor und Mentee treffen sich alle zwei Wochen für etwa eineinhalb Stunden über sechs Monate und besprechen die individuellen Themen und Ziele, die dem Mentee am Herzen liegen. Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, was er braucht, um sich zurechtzufinden und Freude an seiner Arbeit zu erfahren.“ In begleitenden Trainings werden die jungen Teilnehmer des Programms weitergebildet. Dabei geht es um drei Themenfelder: Entwicklung und Motivation (Ziele, Stärken, Motivation, Auftreten), Interaktion und Kommunikation (Umfeld, Selbstvertrauen, Team), Herausforderung und Wachstum (Erfolg, Stress, Konflikte). Die Mentoren können sich innerhalb von angeleiteten Supervisionen austauschen.

Nachhaltiges Geschäftsmodell

2009 riefen Studenten der Zeppelin-Universität nach einem Gespräch mit dem damaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück über junge Menschen und den Arbeitsmarkt ein Mentoring-Programm ins Leben, um Schüler aus sozial, familiär oder wirtschaftlich benachteiligten Familien dabei zu unterstützen, ihr individuelles Potenzial zu entfalten. Elisabeth Hahnke, Stefan Schabernak und Christina Veldhoen professionalisierten die Initiative mit der Gründung des Sozialunternehmens „ROCK YOUR LIFE! gGmbH“.

Aus dem Sozialunternehmen heraus gründeten Lukas Hauser und Jan Boskamp RYC, deren Gewinne größtenteils wieder Rock Your Life zugutekommen. Aktuell sucht das Start-up nach Investoren, um das Geschäftsmodell zu skalieren. „Wir wollen weg von der Finanzierung über Stiftungen und andere Organisationen. Demnächst werden wir eine GmbH gründen und versuchen, ein Modell zu entwickeln, bei dem Rock Your Life als Gesellschafterin mit im Boot sein kann“, fasst Horlacher die Zukunftspläne zusammen. „Außerdem möchten wir neue Dienstleistungsprogramme für unsere Kunden entwickeln. Als Teil einer gemeinnützigen GmbH dürfen wir aktuell noch keine Beratung anbieten.“

Modell für KMU

Stolz ist das junge Unternehmen auf den Mentoring Hub München. „Über den Hub können kleine und mittelständische Unternehmen, die jedes Jahr nur wenige junge Menschen ausbilden, an unserem Mentoring-Programm teilnehmen“, erklärt Horlacher. „Dafür bringen wir bis zu 15 Auszubildende und Berufseinsteiger mit 15 erfahrenen Mitarbeitern aus bis zu 15 unterschiedlichen Unternehmen zusammen. Jeder junge Mitarbeiter bekommt einen erfahrenen Mitarbeiter aus seinem Unternehmen zur Seite gestellt.“ Demnächst sollen Hubs in weiteren Regionen folgen.

Horlacher ist überzeugt, dass sich die Investition in die Weiterentwicklung der jungen Mitarbeiter lohnt: „Das Mentoren-Programm fördert die Motivation und Bindung der Mitarbeiter, entlastet die Personalabteilung, fördert den abteilungsübergreifenden Austausch und die Weitergabe der Firmenkultur. Neben den Mentees profitieren auch die Mentoren. Sie fühlen sich wertgeschätzt, nehmen durch die Arbeit mit jungen Menschen neue Perspektiven ein und entwickeln sich durch die Supervision ebenfalls weiter.“ (-ap)

www.rockyourcompany.de

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