Start-up Rydies möchte Städte lebenswerter machen
Andreas Nelskamp ist Gründer und Geschäftsführer der Rydies GmbH. Der Fahrrad-Enthusiast möchte die Mobilität auf zwei Rädern voranbringen.

Start-up Rydies möchte Städte lebenswerter machen

Immer mehr Menschen in den Städten nutzen Fahrräder und E-Bikes, um dem täglichen Verkehrschaos zu entgehen und die Umwelt zu schonen. Die digitale Vernetzung aller Angebote für urbane Fahrradmobilität erleichtert ihnen das Leben.

Viele von uns kennen es: Man hat sich ein E-Bike gekauft, aber weiß nicht, wo man das teure Stück während des Stadtbummels sicher unterbringen und gleichzeitig laden kann. Will man wissen, wo man ein Fahrrad mieten kann, braucht man in vielen Städten mehrere Apps, um das beste Angebot herauszufinden. Hat man Pech, ist kein Fahrrad mehr verfügbar, wenn man die Station erreicht. Damit möchte das 2017 gegründete Start-up Rydies Schluss machen. Das junge Unternehmen aus München digitalisiert und vernetzt Information und Angebote rund um Fahrräder und E-Bikes und integriert diese in die Websites und Apps von Drittanbietern. Der Nutzer erfährt so, wo private Fahrräder und E-Bikes sicher und günstig in der Stadt geparkt und geladen werden können, wo es Bikesharing und Fahrradvermietungen gibt. Sogar Routenvorschläge lassen sich integrieren. Ziel ist es, die Mobilität mit dem eigenen oder geliehenen Fahrrad auf Websites und in Apps, die die Konsumenten ohnehin nutzen, überall auffindbar und buchbar zu machen.

Vernetzte Mobilitätsangebote

Noch ist es nicht so weit, aber in verschiedenen Städten gibt es bereits entsprechende Ansätze. In Hannover zum Beispiel können Fahrradfahrer online einen Platz in einem der beiden bewachten und kostenpflichtigen Fahrradparkhäuser am Hauptbahnhof im Voraus buchen. Auch in München und Essen gibt es schon  ein vernetztes Angebot. Mit dem größten Bikesharing-Anbieter „nextbike“ konnte das Start-up einen wichtigen Kunden gewinnen. „Mobilitätsanbieter haben oft Probleme wenn es darum geht, ihre Angebote zu digitalisieren und im Markt für Endkunden sichtbar zu machen oder mit anderen Anbietern zu verknüpfen. Rydies bietet die passenden Tools, um den Endkunden einen echten Mehrwert bieten zu können“, erklärt Andreas Nelskamp, Gründer und Geschäftsführer der Rydies GmbH. „Unsere Kunden sind also nicht die Endnutzer, sondern zum Beispiel Bus- und Bahnunternehmen, lokale ÖPNV-Anbieter, Karten- und Navigationsdienste, die Entwickler von Connected Bike/Car-Lösungen sowie Städte und Gemeinden. Referenzen sind unter anderen  der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg sowie die Städte München und Essen. Wir stellen digitale Informationen und Buchungsmöglichkeiten für die Fahrradmobilität in Städten zur Verfügung und ermöglichen es Mobilitätsprovidern, sie intermodal mit ihren Angeboten zu verknüpfen. So erleichtern wir Endverbrauchern die Einbindung oder den Umstieg aufs Fahrrad.“

Besonders junge Leute seien es schon heute gewohnt, digitale Informationen und Buchungsmöglichkeiten für ihre Mobilität zu nutzen. Für das Fahrrad gebe es solche Angebote bislang nicht. Rydies schließe diese Lücke und ermögliche die Einbindung des privaten Fahrrads in die urbane Mobilität. „Bei Bedarf können Anbieter ihre Angebote mit Hilfe der von Rydies angebotenen Software-Lösungen digitalisieren und so mit den Angeboten anderer Mobilitätsanbieter vernetzen“, betont Nelskamp, der davon überzeugt ist, dass sich der Markt noch vergrößern wird, wenn sich erst einmal E-Bikes als Lastenräder durchsetzen und ab 2019 die E-Microscooter ins Spiel kommen.

Investoren mit im Boot

Nelskamp, selbst ein Fahrrad-Enthusiast, brachte jahrelange Erfahrung im Carsharing von „car2go“ mit, als er Anfang 2017 das Start-up gründete, unterstützt von Sven Mittelbach und Birger Holm. Im Juli wurde die GmbH eingetragen und der erste Prototyp der Website ging online. „Wir sind eine B2B2C-Plattform und Datenhändler“, erklärt Nelskamp das Geschäftsmodell. „Aktuell umfasst unser Datenbestand 20.000 Angebote und 500 Anbieter zur Fahrradmobilität sowie 2.000 E-Bike- Ladestationen in 250 Städten und Gemeinden in der DACH-Region.“ Im ersten Jahr finanzierte Nelskamp das junge Unternehmen mit eigenem Geld. Doch schon Ende 2017 stiegen mit dem „innogy Innovation Hub“ und der „in-tech GmbH“ zwei Investoren ein, die auch von strategischer Bedeutung sind. „Mit ‚in-tech‘ hat Rydies einen Partner gefunden, der seine umfangreiche Kompetenz in Software Mobility Engineering einbringen kann. Innogys umfangreiches Netzwerk und Erfahrung in der E-Mobilität ergänzen sich gut mit unserem Konzept“, sagt Nelskamp. Darüber hinaus ist Innogy gerade dabei, das Netz von Ladestationen für E-Bikes auszubauen. Und auch  private Investoren werden nicht vernachlässigt. Aktuell läuft auf der Plattform Companisto eine Crowdfunding-Kampagne, mit der bis zu 400.000 Euro eingesammelt werden können.

Beruf Gründer

„Wir sind zudem mit weiteren Investoren im Gespräch“, sagt Nelskamp. „Unser Ziel ist es, schnell zu wachsen und das Unternehmen in ein paar Jahren zu verkaufen.“ Er betont, dass er das Unternehmen nicht verkaufen wolle, um sich zur Ruhe zu setzen. Er  habe nur keine Ambitionen, ein klassisches Familienunternehmen zu gründen, das Generationen überdauert. Er versteht sich als „serial entrepreneur“, also als Wiederholungstäter, der das Gründen von Unternehmen zum Beruf macht. Beide Eltern waren selbstständig und für Nelskamp war immer klar, dass er sein Leben nicht als Angestellter verbringen würde, sondern eigene Ideen verwirklichen wolle. „Natürlich ist es sehr risikoreich, ein digitales Unternehmen zu gründen. Dafür bekommt man nie Geld von der Bank, denn es gibt keine Sicherheiten. Investoren wissen, dass von zehn Start-ups fünf Pleite gehen, drei bis vier einen kleinen Profit erwirtschaften können und wenn man Glück hat, ein Überflieger dabei ist“, sagt Nelskamp. „Auf der anderen Seite kann man nur so völlig neue Dinge bewegen. Ein hohes Risiko verspricht auch einen hohen Return, vorausgesetzt es klappt.“

Mit Rydies könnte es klappen, denn schon allein der Claim „Städte wieder lebenswert, nachhaltige Mobilität einfach nutzbar und leicht zugänglich machen“ trifft den Zeitgeist und das persönliche Bedürfnis großer Bevölkerungsgruppen – zumindest im städtischen Umfeld. (Andrea Przyklenk)

Fotostrecke

© 2019 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de