Innovation: Viele interne Start-ups wirken
Familie Burger: Fabian, Manuel, Thomas, Silke und Josephine Burger (v.l.). Thomas Burger (Mitte) übernahm die Geschäftsführung der SBS-Feintechnik 1993 und gründete die Burger Group.

Innovation: Viele interne Start-ups wirken

2018 wurde die SBS-Feintechnik zum zehnten Mal in Folge als „TOP 100-Innovator“ ausgezeichnet und zählt damit zu den innovativsten deutschen Mittelständlern. Begonnen hat alles mit einer Gießerei und Zahnrädern für Uhrwerke. Gegründet 1856 in Schonach im Schwarzwald, wird das Unternehmen heute von Thomas und Silke Burger in fünfter Generation geführt. Auch wenn das Familienunternehmen heute ein international führender Systempartner im Bereich kundenspezifischer Antriebstechnik ist,  spielen Uhrwerke noch eine Rolle: Die Schwarzwälder sind Weltmarktführer bei der Herstellung mechanischer Uhrwerke für Kuckucksuhren. Bis Anfang der 1980er-Jahre trug das Uhrwerkgeschäft mit über 50 Prozent zum Umsatz bei.

Kernkompetenz Verzahnung und Vernetzung

1993 übernahm Thomas Burger die Geschäftsführung der SBS-Feintechnik und gründete die Burger Group, der mittlerweile neben der SBS-Feintechnik zehn weitere Unternehmen angehören. Fragt man ihn, wie es ein Unternehmen schafft, über 160 Jahre lang erfolgreich zu bleiben, verrät er sein Geheimrezept: „Wir nutzen das interne Netzwerk der Burger Group, das wir in den letzten Jahren durch Zukäufe und Neugründungen stetig erweitert haben. Auf diese Weise steht uns ein Kompetenznetzwerk zur Verfügung, das es uns erlaubt, das komplette Know-how abzubilden, das wir für Innovationen in der Metall- und Kunststofftechnik, in Elektronik und Mechatronik benötigen. Als Systempartner müssen wir in allen Kerntechnologien fit sein.“ Hinzu komme gemäß dem Leitsatz „Zukunft braucht Herkunft“ der Erfahrungsschatz aus über 160 Jahren, kombiniert mit aktuellem Know-how und dem intensiven Austausch mit dem Kunden. Verzahnung und Vernetzung seien „die Kernkompetenz des Unternehmens“.

Eine Strategie, die auf stetige Weiterentwicklung von Technologie, Produkten, Kunden und Mitarbeitern – von Burger als Mitdenkerinnen und Mitdenker bezeichnet – setze, sei ebenso ein Erfolgsbaustein wie die Beobachtung des Markts und der Kunden. „Wir haben es immer verstanden, Markttrends rechtzeitig zu erspüren und uns entsprechend auszurichten“, so Burger. Man müsse sich mit den Marktentwicklungen befassen und in die Zukunft hören, offen für Veränderungen und für neue Ideen sein. Innovation bedeute, sich nach innen und außen stetig weiterzuentwickeln. „Mit unseren Lösungen können wir unseren Kunden einen Technologievorsprung gewährleisten und somit einen besseren Markterfolg ermöglichen“, bringt es der SBS-Chef auf den Punkt.

Wachstum mit vertretbarem Risiko

Wachstum werde hauptsächlich vom Kunden getrieben, sagt Burger. „Wir müssen dort sein, wo der Kunde ist. Ein Wachstumsthema ist auch die Verfügbarkeit von Mitarbeitern, die in anderen Ländern oft höher ist als in Deutschland.“ Nach Burgers Ansicht sollte Wachstum organisch sein. „Wachstum sollte nur zu einem vertretbaren Risiko erfolgen. Es sollte sich mit der vorhandenen Organisation, deren Geldmitteln und Mitarbeitern stemmen lassen.“ Die Burger Group ist vor allem durch Zukäufe gewachsen. 2012 wurde die Firma Wedo in Triberg gekauft, 2014 Nepron in Tschechien und ein Jahr später Hugger in Deißlingen sowie Leber-Ingenieure in Schwaig. Damit es nicht zum Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen kommt, sondern zu Synergien, vermeidet Burger Kaltakquisen. „Die Unternehmen, die wir bisher gekauft haben, kannten wir meistens schon seit Jahren als strategische Partner. Wir wussten, mit wem wir es zu tun hatten. Manche hatten keinen Nachfolger und wir sind eingesprungen. Die KBS-Stanztechnik war zwar kein strategischer Partner, aber in der Region angesiedelt und wenn man in derselben Gegend tätig ist, kennt man sich besser als wenn man weit auseinander sitzen würde“, erklärt Burger. Ansonsten sei es wichtig, im Vorfeld eines Kaufs genau hinzuschauen, um sicher zu sein, dass es passt.

Nicht vor Schreck erstarren

Die Digitalisierung macht Burger keine Angst. Er sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. „Digitalisierung ist für uns seit Jahrzehnten ein Thema“, sagt er. „Digitale Technologie hat bei uns schon lange Einzug gehalten und wird fortgeschrieben. Unsere mechatronischen Antriebslösungen sind intelligente Bausteine im Rahmen digitaler Systeme. Ein Beispiel dafür sind intelligente mechatronische Systeme für Fahrzeuge, für die Gebäude-, Haushalts- und Medizintechnik sowie den Maschinen- und Anlagenbau, in denen Produkte von uns mit übergeordneten Steuerungen kommunizieren.“ Die Beteiligung an einem Start-up oder die Gründung einer Digitaleinheit hält Burger nicht für nötig, denn: „Wir haben genügend interne Start-ups, unsere Mitdenkerinnen und Mitdenker sowie unsere Kunden, die jeden Tag Innovationen hervorbringen. Unsere internen Abläufe unterstützen sie dabei. Man darf bei Innovationen nicht eindimensional denken und den Fokus nicht zu sehr auf Schlagworte richten.“ Wichtig sei es, nicht auf jeden neuen Trend am Markt zu reagieren, sondern zu identifizieren, was der Kunde wolle und wie man seine Bedürfnisse erfüllen könne. „Man darf bei dem Wort Digitalisierung nicht vor Schreck erstarren“, empfiehlt Burger. „Deutschland ist stark in der produktiven Wertschöpfung. Es wird auch künftig Produkte geben, die produziert werden müssen und nicht nur Software. Wir müssen digitale Technologie integrieren und nutzen.“

Attraktive Rahmenbedingungen bitte!

Burger möchte auch künftig auf Evolution statt Revolution setzen und sieht sich damit auf einem guten Weg. Allerdings müsse man sich intensiv mit der Frage beschäftigen, was die globalen Rahmenbedingungen für das Unternehmen bedeuten und welche Trends seine Zukunft beeinflussen würden. Wenn er einen Wunsch freihabe, so Burger, würde er sich von der Politik attraktivere Rahmenbedingungen für Familienunternehmen wünschen: „Die nachfolgende Generation sollte eine Vision haben, in der es Spaß macht, ein Familienunternehmen zu führen. Wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen, dürfen Bürokratie, Gesetze und Normen nicht daran hindern, mit kreativen Lösungen für den Markt erfolgreich zu sein“, betont der Unternehmer. „Wir brauchen für die Unternehmen Autobahnen mit mehreren Fahrspuren und keine engen Radwege.“

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