Generationswechsel: von der Einlinien- zur Matrixorganisation
Dominik und Michael Biersack (v.l.) sind geschäftsführende Gesellschafter der Biersack-Gruppe. Sie führen das Familienunternehmen in dritter Generation.

Generationswechsel: von der Einlinien- zur Matrixorganisation

Dominik und Michael Biersack haben 2012 die Führung des 1948 gegründeten Familienunternehmens übernommen und die Organisation im Zuge eines Strategieprozesses neu aufgestellt. Auch wenn die neue Struktur inzwischen ein etabliertes System ist, wird es weiterhin Veränderungen geben.

„Mein Vater und zwei Onkel haben das Unternehmen jahrelang geführt. Ich selbst bin 2009 ins Unternehmen eingetreten, mein Cousin Dominik bereits 2005“, erzählt Michael Biersack. „Als wir 2012 die Geschäftsführung übernommen haben, haben wir darüber nachgedacht, wie wir künftig führen wollen und wohin die Entwicklung des Unternehmens gehen soll. In einem Strategieprozess, bei dem wir auch Beratung in Anspruch nahmen, haben wir unsere Vorstellungen konkretisiert. Wie wollen wir uns aufstellen? Welche Kunden und Branchen wollen wir bedienen und mit welchen Menschen wollen wir arbeiten? Daraus haben sich neue Anforderungen an die Organisationsstrukturen ergeben.“ Die Cousins entschlossen sich, das Einliniensystem in eine Matrixorganisation zu überführen. Diesen Plan stellten sie zunächst den bisherigen Geschäftsführern vor und anschließend gemeinsam mit ihnen im Führungskreis und schließlich den Mitarbeitern.

Kommunikation entscheidend

Auslöser für die Neuausrichtung war jedoch nicht nur der Generationswechsel, sondern auch das Unternehmenswachstum, denn „es sammelten sich immer mehr Aufgaben in der Geschäftsleitung“, so der 34-jährige Michael Biersack. „Außerdem waren wir zwar als Einliniensystem organisiert, arbeiteten aber teilweise und informell schon wie eine Matrixorganisation. Durch die Neustrukturierung der Organisation sorgten wir für Klarheit. Die Zuständigkeiten und Aufgaben wurden klar definiert und erleichtern es den Führungskräften, Entscheidungen zu vermitteln.“

„Als wir die Umstrukturierung auf einer Betriebsversammlung vorstellten, waren die Mitarbeiter natürlich skeptisch. Schließlich handelte es sich um einen Change-Prozess“, erzählt Dominik Biersack. „Nicht alle konnten diesen Weg mitgehen. Der Produktionsleiter und der Leiter Qualitätsmanagement verließen das Unternehmen“, ergänzt sein Cousin. „Wir haben das neue Leitbild kommuniziert, erklärt, ausgehängt, die neuen Strukturen und deren Notwendigkeit immer wieder erläutert. In Workshops wurden vor allem die Führungskräfte geschult, denn für sie waren die Veränderungen am größten, besonders für diejenigen, die aus den eigenen Reihen nachrückten.“ Dominik Biersack betont, dass mit der Umstrukturierung auch ein anderer Führungsstil einzog, andere Werkzeuge und Methoden geschult wurden und Verantwortung abgegeben werden musste, auch von der Geschäftsleitung. „Früher wurde jede Entscheidung von der Geschäftsleitung getroffen, heute möchten wir bei manchen Vorgängen nur noch informiert werden“, sagt der 38-Jährige.

Zukunftsthemen besetzen

Mittlerweile sei die Matrixorganisation ein etabliertes System, sagen die beiden Geschäftsführer, aber das heiße nicht, dass sich nicht auch künftig einzelne Bereiche verschieben würden, wenn es der Markt verlange. Als zertifizierter Systemlieferant für OEMs in verschiedenen Branchen wie der Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizin- und Halbleitertechnik, Nutzfahrzeugindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sei die Forderung nach Agilität nichts Neues. „Die Matrixorganisation ermöglicht uns kurze Entscheidungswege dank flacher Hierarchien und Teamarbeit sowie schnelle Problemlösungen“, betont Michael Biersack. Das wiege den hohen Kommunikationsbedarf bei weitem auf. Außerdem erlaube die flexible Organisationsform, Teams auf Zukunftsthemen anzusetzen.

Vor zwei Jahren wurde zum Beispiel innerhalb der Organisation ein Digitalteam ins Leben gerufen, dem Mitarbeiter aus allen Bereichen angehören, die dafür ein gewisses Zeitbudget zur Verfügung haben. „Michael und ich haben uns über die Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung schon früh informiert und weitergebildet“, sagt Dominik Biersack. Die Cousins besuchten Vorträge und Workshops und lasen Bücher. Mit der IHK München/Oberbayern besuchten sie auch das Silicon Valley. „Gemeinsam mit einem Berater überlegten wir uns, wo uns die Digitalisierung betrifft. Jetzt befasst sich unser Digitalteam mit neun Einzelthemen. Es gibt regelmäßige Treffen des Teams mit der Geschäftsleitung und wir stellen ein Budget zur Verfügung, haben auch schon Investitionen in einzelne Projekte getätigt“, so Dominik Biersack. „Künftig wird es nicht nur um Bauteile mit Sensorik gehen, sondern um Daten und vor allem um Datennutzung.“ -ap

Kurz vorgestellt

Die Biersack-Gruppe aus Beilngries im Altmühltal/Oberbayern ist ein familiengeführtes Unternehmen mit über 150 Mitarbeitern. Das Unternehmen gilt als einer der führenden Systemlieferanten für mechanische Bauteile und Baugruppen sowie wichtiger Partner für OEMs verschiedener Branchen. An zwei Standorten in Beilngries und in Slowenien stellt das Unternehmen hochwertige und komplexe Präzisionsbaugruppen und Einzelkomponenten her. Die Leistungen umfassen ein vielfältiges Angebot individueller Lösungen vom Engineering bis zur Auslieferung. (-ap)

www.biersack.de

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