Fachkräftemangel: Zeitarbeit sicher vereinfachen
Das Start-up Avax ermöglicht es Unternehmen, die Einsätze ihrer Zeitarbeiter, Zeiten und Kosten mit wenigen Clicks zu verwalten.

Fachkräftemangel: Zeitarbeit sicher vereinfachen

Die Forderung nach höchster Flexibilität und der Fachkräftemangel machen Zeitarbeitskräfte für viele Unternehmen attraktiv. Allerdings ist der Aufwand wegen enger gesetzlicher Rahmenbedingungen und zahlreicher Anbieter beträchtlich. Das Start-up Avax sorgt für Abhilfe.

Das Start-up aus Stuttgart bietet ein sinnvolles Online-Portal für einen boomenden Markt an. 2017 gab es mit 1,03 Millionen Zeitarbeitern im Jahresdurchschnitt in Deutschland fünf Mal so viele Zeitarbeiter wie vor 20 Jahren. Die über 12.000 Arbeitnehmer-Überlassungsfirmen haben allein in Deutschland  einen Umsatz von über 21 Milliarden Euro. Obwohl also die Versorgung an sich gut ist, gilt es einige Hürden zu meistern, bevor der ersehnte Zeitarbeiter seinen Platz einnehmen kann. Am Anfang steht die Suche nach dem passenden Anbieter. Allein das nimmt schon jede Menge Zeit in Anspruch. Es muss ein Kompetenzprofil entworfen und mögliche Kandidaten müssen angeschaut werden. Zu guter Letzt muss ein rechtskonformer Vertrag abgeschlossen werden, denn ohne Vertrag für jede einzelne Arbeitnehmerüberlassung läuft in der Zeitarbeitsbranche gar nichts. Das bindet Ressourcen, die anderweitig besser eingesetzt werden könnten.

Plattform beschleunigt

Mit seiner Online-Plattform vereinfacht und beschleunigt das Start-up alle Vorgänge im Zusammenhang mit der Arbeitnehmerüberlassung. Dahinter steckt ein selbst entwickeltes Vendor Management System, also ein Online-Lieferanten-Management-System. Es stellt Schnittstellen zu anderen Systemen bereit, um eine konsistente Datenhaltung in Echtzeit zu ermöglichen. Auch die Anbindung an SAP oder andere interne Lösungen sind kein Problem.

Unternehmen registrieren sich auf der Plattform, geben ihre bevorzugten Personaldienstleister, die Lieferanten an, stellen ihre Personalanfrage ein und erhalten von den beteiligten Dienstleistern sekundenschnell Kandidatenprofile, die standardisiert, strukturiert und übersichtlich verglichen werden können. Anschließend muss nur noch die Anforderung der ausgewählten Arbeitnehmer raus, den Rest, inklusive der Rechnungsstellung, übernimmt die Plattform. „Die Unternehmen können die Einsätze ihrer Zeitarbeiter, Zeiten und Kosten mit wenigen Clicks verwalten. Informative Ansichten erleichtern die Arbeit und sparen kostbare Zeit“, erläutert Avax-Gründer Alexander Sadek. „Alle Beteiligten sind immer in Echtzeit informiert.“ Doch das ist längst nicht alles, was die Plattform kann. Der modulare Aufbau ermöglicht den Kunden, weitere Bausteine zu nutzen, zum Beispiel die Rechnungsprüfung oder ein Gutschriftenverfahren.

Regeln sicher einhalten

Um rechtliche und andere Compliance-Anforderungen einzuhalten, von denen es im Bereich Zeitarbeit einige gibt, hat Avax den „Compliance Monitor“ im Angebot. „Unsere Kunden können Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu Sozialversicherungsbeiträgen, Lohnsteuer und Berufsgenossenschaft oder die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis ihrer Personaldienstleister online abrufen. Ein Frühwarnsystem macht auf Branchenzuschläge, Höchstüberlassungsdauer und andere gesetzliche Vorschriften aufmerksam“, erklärt Sadek. Besonders stolz ist der 39-Jährige auf die qualifizierte elektronische Signatur: „Unternehmen können die Arbeitnehmerüberlassungsverträge so elektronisch rechtssicher unterschreiben. Dazu braucht man im Gegensatz zu früher keine spezielle Hardware mehr zu kaufen.“

Insgesamt reduziert das System laut Avax nicht nur die direkten Kosten um durchschnittlich zehn Prozent, sondern generiert auch Effizienzgewinne in den operativen Prozessen von bis zu 60 Prozent, steigert die allgemeine Mitarbeiterqualität, reduziert Haftungsrisiken und vermeidet eine Reihe weiterer Risikokosten.

Business Angel bringt zusätzlich Kompetenz

Avax ist nicht Sadeks erstes Start-up. Er hat Erfahrung im Business-Aufbau. Der Wirtschaftsingenieur bringt darüber hinaus Expertise in den Bereichen Kostensenkung, Strategie- und Organisationsentwicklung sowie Prozessoptimierung aus seiner Tätigkeit bei der Strategieberatung Stern Stewart & Co mit. Mit Greg Marriott steht ihm ein Business Angel und Partner zur Seite, der im Personaldienstleister-Geschäft kein Unbekannter ist. Er baute für Harvey Nash, einen der führenden europäischen Personaldienstleister, das DACH-Geschäft auf und gründete selbst weitere Personaldienstleister, darunter Alma Mater und Personality IT, die er an Adecco verkauft hat. „Ich habe Greg auf Xing kennengelernt. Er konnte meine Idee aufgrund seiner Erfahrung beurteilen und erkannte schnell, dass die Plattform Personaldienstleister und ihre Kunden dabei unterstützt, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.“

Aller Anfang ist schwer

Trotz starkem Antrieb – „ich wollte etwas gestalten, ein Produkt schaffen, das jemand braucht“ – gestaltete sich der Aufbau von Avax ziemlich schwierig. „Wir haben das Tool gemeinsam mit unseren ersten Kunden entwickelt“, erzählt Sadek. „Mittlerweile ist es ein sehr flexibel gestaltetes Standardprodukt, das der Kunde entsprechend seinen Bedürfnissen konfigurieren kann, um zum Beispiel spezielle interne Prozesse wie die Freigabe durch den Betriebsrat abzubilden.“ Dadurch, dass ständig am Produkt weiterentwickelt wurde, dauerte alles länger als angenommen. 2015 ging das Unternehmen offiziell an den Start und konnte im ersten Jahr gerade einmal fünf Kunden gewinnen. „Wir hatten kein Geld für Marketing und außerdem war ich damit beschäftigt, die Entwickler zu steuern“, sagt Sadek rückblickend. „Anfang 2017 stellten wir zwei Vertriebler ein und heute brummt das Geschäft. Wir gewinnen jetzt mehrere Kunden pro Monat, häufig durch Empfehlungen.“ Zu seinen Kunden zählt Avax mittlerweile namhafte Unternehmen wie Redcoon der Metrogruppe, Engie und arbeitet auch mit DB Schenker zusammen.

In der Anfangszeit habe er oft an sich, dem Geschäftsmodell, an Avax gezweifelt, gibt Sadek zu. Doch es sei auch ein gutes Gefühl, durchgehalten zu haben und jetzt erste Erfolge zu sehen. „Wir wachsen jetzt über unser Netzwerk und haben eine gute Marke aufgebaut“, sagt er. „Wir werden weiterhin in den Vertrieb investieren, um in Deutschland weiterzuwachsen und möglichst schnell den Break Even zu erreichen. Auf der technischen Seite planen wir, die Kommunikation weiter zu digitalisieren und einen Algorithmus für automatisches Matching von Unternehmen und Mitarbeitern zu entwickeln.“ (Andrea Przyklenk)

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