100 Jahre Gustav Epple: Es einfach anders machen
Führen heute die Gustav Epple Bauunternehmung, die zum Beispiel 1954 den Stuttgarter Fernsehturm gebaut hat: Heico Zirkel und Götz Ellinger (v.l.).

100 Jahre Gustav Epple: Es einfach anders machen

Die Gustav Epple Bauunternehmung kann auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken. Im Interview gibt der geschäftsführende Gesellschafter, Götz Ellinger, einen Einblick in die bewegende Geschichte und zeigt, was das Familienunternehmen heute ausmacht.

Auf welche Meilensteine in Ihrer Firmengeschichte sind Sie besonders stolz?

Götz Ellinger: Besonders erwähnenswert sind die Restrukturierungen, die im Jahre 1987 eingeleitet wurden. Aus einem klassischen Bauunternehmen mit einem hohen Anteil an gewerblichen Mitarbeitern wurde unter der Führung meines Vaters ein Generalunternehmen geformt, das sich im Schlüsselfertigbau schon bald wieder bundesweit einen Namen als modernes Unternehmen machen konnte.

Welche Entwicklungen in der Vergangenheit haben das Familienunternehmen in besonderer Weise geprägt?

Auf besondere Weise geprägt hat uns natürlich die Insolvenz mit den daraus hervorgegangenen Umstrukturierungen. Die Entwicklungen der 90er-Jahre, in denen Gustav Epple sich nach dem Rückzug aus dem Geschäft im Ausland wieder auf seine Wurzeln konzentriert hat, sind entscheidend gewesen. Wir haben uns wieder auf das Wesentliche, gute Ingenieursleistung und Bauqualität konzentriert. Dadurch können wir heute noch mit dem Bau des Fernsehturms sowie den deutlich zu erkennenden Fußabdruck werben, welchen Gustav Epple in der Nachkriegszeit in Stuttgart hinterlassen hat. Dazu zählen die Liederhalle, das Charlottenhaus, die Calwer Passage, die Daimler Hauptverwaltung oder die König-Karls-Brücke.

Im Jahr 2015 gab es an der Spitze Ihres Unternehmens den Generationswechsel. Was hat sich dadurch konkret verändert?

Der eigene Anspruch, es besser machen zu wollen, bedingt es, es anders zu machen. Wir haben uns aktiv des Themas „Digitalisierung“ angenommen, welches zuvor sträflich vernachlässigt wurde. Wobei die Integration von Lean Management und Building Information Modeling (BIM) sowie die Aktualisierung der bauspezifischen Software nur ein Teil davon waren. Daraus ist ein System entstanden, das bei unseren Mitarbeitern auf sehr positive Resonanz gestoßen ist. Heute sind wir dank unserer Struktur als familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen mit einer flachen Entscheidungsstruktur ein gewünschter Baupartner mit Potenzial.

Wo sehen Sie als Bauunternehmen heute Ihre Stärken, Ihr Alleinstellungsmerkmal in der Baubranche?

Bei uns steht immer das Produkt im Vordergrund. Wir setzen auf ein gelebtes Werteverständnis. Durch klar definierte und wertschöpfend ineinandergreifende Prozesse sorgen wir dafür, dass Projekte kostenoptimiert und termingerecht realisiert werden können. Es geht immer darum, die Effizienz zu steigern und Verluste zu minimieren. Das meint nicht die Leistung einzelner Personen oder einzelner Prozessschritte, sondern die Effektivität des gesamten Systems. Der Spirit „Anders.Bauen.“ war geboren! Davon profitieren letztlich nicht nur wir, sondern alle am Projekt Beteiligten. Es entstehen Partnerschaften, auf die wir zuverlässig bauen können. Während der Optimierung unserer Prozesse ist ein Modell entstanden, das „Prozesshaus.Plus“. Wir haben alle unsere aktiven Prozesse durchleuchtet, auf den Prüfstand gestellt und gemeinsam optimiert. Durch die Entwicklung von innen heraus können wir auch ein einheitliches Selbstverständnis und eine maximale Akzeptanz unserer Mitarbeiter garantieren.

Sie bauen momentan Ihren neuen Stammsitz im Degerlocher Industriegebiet „Tränke“. Was wird den Neubau auszeichnen?

Der Siegerentwurf des renommierten Architekturbüros Ackermann + Raff ging aus einem geladenen Architektenwettbewerb unter fünf Stuttgarter Planungsbüros hervor. Auf oberirdischen drei Geschossen und insgesamt 3.000 Quadratmetern werden die neuen Arbeitswelten für 110 Mitarbeiter den Stadtraum bilden. Der Grundriss ist der Grundstücksform folgend als leicht abgewandeltes Dreieck entworfen. Das innenliegende Atrium sorgt für die nötige Luftigkeit und verbindet als zentraler Erschließungspunkt alle Geschosse. Dem Firmenleitbild „Anders.Bauen.“ folgend, wird ein Novum der Bautechnik zum Einsatz kommen: Eine monolithische Außenwandkonstruktion aus 60 Zentimeter starkem Dämmbeton bildet das Traggerüst und die Fassade des Gebäudes. Im Erdgeschoss des Solitärs befindet sich neben repräsentativen Konferenz- und Veranstaltungsbereichen für mehr als 500 Personen ein eigenes Casino. Hier wird ausschließlich frisch und gesund gekocht, der firmeneigene Vita-Campus dient dem Ausgleich und der Fitness. In den Obergeschossen wird die offene Bürostruktur Raum finden.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten fünf bis zehn Jahre gesteckt?

Wir wollen durch den Ausbau strategischer Partnerschaften und die Steigerung der Effizienz unseres „Prozesshaus.Plus.“ wachsen. Unser Ziel gemäß Vision 2025 sind 150 Mitarbeiter bei einer homogenen Entwicklung. Als mittelständischer Generalunternehmer wollen wir von allen unseren Baupartnern geschätzt und gefragt sein, um den wirtschaftlichen Veränderungen der kommenden Jahre gemeinsam und gestärkt begegnen zu können.

www.gustav-epple.de

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