Querdenker: Offene Gesprächskultur entscheidend
Die Wurzel Mediengruppe hat sich unter anderem im Bereich der 3D-Visualisierungen einen Namen gemacht.

Querdenker: Offene Gesprächskultur entscheidend

Der Umgang mit Querdenkern muss gelernt sein. Im Interview mit der News-Redaktion schildert der Geschäftsführer der Wurzel Mediengruppe, Heinz Wurzel, seine Erfahrungen mit Mitarbeitern, die permanent Bestehendes hinterfragen.

Wie fördern Sie in der Unternehmensgruppe eine Kultur, in der sich Querdenker wohlfühlen?

Heinz Wurzel: Leider gibt es ja gar nicht so viele Querdenker wie man sich das als Unternehmer wünschen würde. Da wir eine offene Gesprächskultur pflegen, kann bei uns jeder Ideen und Meinungen äußern. Das wird bei uns auch permanent kommuniziert. Meine Türen stehen immer offen und ich bin täglich in meinen Betrieben vor Ort. An den Standorten, die weiter weg sind, bin ich mindestens einmal die Woche. Ich kenne alle Mitarbeiter und die meisten trauen sich, mir ihre Ideen, Vorschläge und Kritiken direkt zu sagen.

Gibt es ein konkretes Beispiel für eine Idee eines querdenkenden Mitarbeiters, die Sie verfolgt haben?

Ja, diese Idee hat sogar zur Gründung einer unserer Firmen geführt. Wir arbeiten seit vielen Jahren für ein mittelständisches Unternehmen, das Werkzeuge für große Fräsen herstellt. Der Werkzeughersteller hat in aufwändigen und langwierigen Prozessen Prototypen hergestellt. Unsere Aufgabe war es damals, diese Prototypen zu fotografieren und danach die Bilder zu bearbeiten. Damit am Ende auch perfekte Fotos zur Verfügung standen, war die Bildbearbeitung extrem zeitintensiv. Eines Abends kam ein Mitarbeiter und meinte, es gäbe eine neue Technik, mit der man den gesamten Prozess vereinfachen könnte und präsentierte mir dieses Verfahren anhand einer Demoversion. Ich versuchte in den Folgetagen, den Kunden von dieser Idee zu überzeugen. Die vom Kunden zur Verfügung gestellten CAD-Daten der Werkzeuge haben wir dann in einer Präsentation ausgearbeitet. Wir konnten zeigen, dass wir mit diesen CAD-Daten die Fotos in noch viel besserer Qualität und deutlich schneller anfertigen können und er damit keine aufwändigen und teuren Musterteile mehr herstellen muss. Der Kunde war sofort begeistert.

Das klingt nach einer Erfolgsstory…

Was die Idee und deren schnelle Überzeugung anbetrifft, war es das. Die Umsetzung aber hat etwas länger gedauert. Der Mitarbeiter hat uns kurz danach aus familiären Gründen verlassen und ich stand mit dieser Idee des Rendering da – ohne jemanden, der sie hätte umsetzen können. Das war 2009 als diese Technik bei uns in der Druck-Branche noch kaum Anwendung fand. Ich habe dann fieberhaft nach einem geeigneten Mitarbeiter gesucht. Ich wurde fündig und gründete speziell für diese Anwendungen eine neue Firma, die Wurzel Medien GmbH. Hier sollten künftig viele solcher Querdenker arbeiten und kreativ sein. Diese Firma ist innerhalb von sieben Jahren auf 60 Mitarbeiter angewachsen. Inzwischen machen sie Rendering, Computer Generated Imaging, Apps und Augmented Reality.

Wie fügt sich so eine Firma in ein Druckunternehmen ein, das Sie ja zum damaligen Zeitpunkt waren?

Damals waren wir als Drucker einer der ersten, die so etwas gewagt haben. Wir haben diese Firma weiterentwickelt in Richtung Augmented und Virtual Reality. Wir sind damit eine der wenigen, denen das aus der Druckbranche heraus gelungen ist. Heute ist Rendering gang und gäbe, es ist nichts Besonderes mehr. Wir haben jedoch eine langjährige Expertise aufbauen können und sind mit unseren Leistungen immer einen Schritt voraus. So sind wir etwa schon heute in der Lage, Stoffe zu simulieren. Würden wir aus der Modebranche 3-D-Daten bekommen, könnten wir aus den Daten eine virtuelle Modenschau zaubern. Für unsere druckaffinen Unternehmen ist diese Firma von großem Nutzen. Nehmen wir einmal das Beispiel Augmented Reality, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen. Mit dieser Technik können wir das Medium Papier erweitern und so unsere Drucksachen buchstäblich beleben.

Wie identifizieren Sie kreative Köpfe und wie versuchen Sie, diese im Betrieb zu halten?

Wenn man eine offene Gesprächskultur pflegt, sich mit den Mitarbeitern auf Augenhöhe unterhält, ihre Anmerkungen ernst nimmt und sich auch um die Mitarbeiter kümmert, bekommt man diese Art der Anregungen und Vorschläge. Wir haben uns in diesem Fall bewusst dafür entschieden, ein eigenes Unternehmen für diese Anwendungen zu gründen. Hier arbeiten die Kreativen, die „Spinner“, die mit den langen Haaren und den Hüten, die mit dem Tischkicker und der Wellness Lounge. Wir haben uns bewusst für dieses kreative Klima entschieden. Wurzel Medien arbeitet unabhängig von den anderen Unternehmen, aber da wo es sinnvoll ist, wird zusammengearbeitet. Wir haben eine geringe Fluktuation, die Stimmung ist gut. Und wir verzeichnen ein kontinuierliches Wachstum. Alle lieben das Neue und hier entsteht täglich Neues. (-hf)

www.w-mg.com

Tipp: Der Unternehmer Heinz Wurzel wird am 14. Juli auf der 11. Familienunternehmer-Konferenz sein innovatives Geschäftsmodell vorstellen. Interessiert Sie das Thema Querdenker? Dann schauen Sie in die März-Ausgabe von DIE NEWS, dem Magazin für Familienunternehmen. 

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