Für schwere Fälle
Hans-Jörg Vollert führt Vollert Anlagenbau aus Weinsberg in dritter Generation.

Für schwere Fälle

Wenn Hans-Jörg Vollert, Chef von Vollert Anlagenbau, von schweren Lasten spricht, meint er Teile von mehreren Tonnen Gewicht, die bewegt werden müssen. Das Weinsberger Familienunternehmen entwickelt als Global Player maßgeschneiderte Maschinen- und Anlagenlösungen für schwere Güter und Großteile mit mehreren Tonnen Gewicht.


Um solche Schwergewichte ging es beispielsweise bei der Modernisierung des Walzwerks der Hydro Aluminium Rolled Products in Grevenbroich. Mit einem lückenlos vollautomatischen Transport im gesamten Werk und bei der Be- und Entladung der Lkw sorgte Vollert für das sichere Handling der empfindlichen Coils. Das neue Hochregallager bietet Platz für 336 Aluminium-Coils mit einem Gesamtgewicht von 4.000 Tonnen. Die Lösungen der Spezialisten aus dem schwäbischen Weinsberg sorgen dafür, dass die Fertigung doppelt so schwerer Coils wie bisher möglich ist und die empfindlichen Aluminiumbänder wie Litho-Band, das als Trägermaterial für Offsetdruckplatten dient, sicher und beschädigungsfrei gehandhabt werden können. „Ein lückenloser automatisierter Transport im Walzwerk macht den Einsatz von Staplern und anderen Hilfsmitteln überflüssig. Das Risiko, die empfindlichen Coils zu beschädigen, wird dadurch minimiert“, erklärt Frank Hirschmann, Litho-Produktionsleiter bei Hydro, die Vorteile. „Solche Gewichte können gar nicht mehr händisch bewegt werden“, sagt Vollert. „Außerdem muss man den elektronischen Datenfluss bedenken. Manuell wäre das sehr schwierig. Mit der Automatisierung sind die Daten verfolgbar und jederzeit verfügbar. Das spielt im Qualitätsbereich eine große Rolle. Die Alu-Coils werden zum Beispiel in den Lagern heruntergekühlt. Das wird protokolliert. Erst mit der richtigen Temperatur werden sie dann weitergeleitet. Das bringt Wertschöpfung im Materialfluss.“


Synergien heben


Ein anderes Beispiel ist die Großteilelackieranlage für Hydraulikbagger von Liebherr im Werk Kirchdorf. Dank den Spezialisten von Vollert werden die bis zu 20 Tonnen schweren Teile frei hängend an einer deckengeführten Laufbahn durch die Anlage gefahren. Was zunächst nicht realisierbar schien, gelang den Spezialisten, weil sie Know-how aus einem anderen Teilbereich übertragen konnten. Neben Intralogistikkonzepten für die Aluminium- und Metallindustrie gehört Vollert zu den Anbietern bei Betonfertigteilwerken. Hieraus stammt das Prinzip der durchgehenden Ein-Träger-Hängelaufbahn für Teile mit bis zu 20 Tonnen Gewicht. Die hohe Traglast war bei einer deckengeführten Anlage bis dahin allerdings einzigartig. Zudem musste der Explosionsschutz in den Lackierstationen beachtet werden. Die Lösung dafür ist so einfach wie genial: Das Abschieben und Einholen der Teile in die Lackierkabinen erfolgt mittels Reibradtechnik. Innerhalb der Kabinen sind deshalb keinerlei Motoren oder stromführende Anlagenteile notwendig. Wenige Monate später folgten im Liebherr-Werk Ehingen eine flurfreie Lackieranlage für Teile bis 50 Tonnen sowie weitere prinzipgleiche Anlagen für Wirtgen, Evobus und SEW Eurodrive. „Wir haben Synergien gehoben. Unsere Innovationen sind meistens nicht revolutionär, sondern evolutionär“, sagt Vollert. „Für uns war es kein großer Schritt, aber für die Branche schon.“


Gegründet wurde das Unternehmen 1925 durch Hermann Vollert. Er machte Schlosserarbeiten, reparierte Fahrräder, baute Brunnen, Pumpen und Seilbahnen für die Weinberge. „Die Seilbahnen sind die Wurzeln unseres Unternehmens“, sagt der Enkel des Gründers, der das Unternehmen seit 1999 führt. „Sie finden sich in den Kränen wieder, die aus ähnlichen Komponenten wie Seilbahnen bestehen.“ Der Markt, in dem sich das Unternehmen bewege, sei zwar klein, aber in den unterschiedlichen Segmenten gebe es nur wenige Wettbewerber. „Arbeits- und Lohnkosten spielen auch künftig eine große Rolle“, sagt Vollert. „Das sehen wir zunehmend in den Schwellenländern, in denen es noch ein Riesenpotenzial für Automatisierung gibt. Insofern schauen wir positiv in die Zukunft.“


Name bürgt für Qualität


Über 50 Millionen Umsatz machen die Weinsberger mit 220 Mitarbeitern. Nur 15 Prozent des Umsatzes werden in Deutschland erzielt, 80 Prozent im Export außerhalb der EU. Mit vier Tochtergesellschaften ist das Unternehmen in seinen wichtigsten Märkten wie Indien oder China präsent. „Wir arbeiten aber sowieso in enger Abstimmung mit den Kunden und sind oft vor Ort“, so der Unternehmer. „Die Maschinen und Anlagen kommen zwar aus Deutschland, aber der Aufbau der Anlagen muss überwacht werden.“


Fragt man den 43-Jährigen, was er anders macht als der Wettbewerb, muss er nicht lange nachdenken. „Wir sind jetzt 90 Jahre im Projektgeschäft tätig. Wir wissen, dass es in jedem Projekt Herausforderungen gibt, aber es gibt keine Anlage von uns, die nicht läuft. Wir machen keine leeren Versprechungen, kümmern uns und können mit veränderten Anforderungen im Projektverlauf umgehen.“ Hinzu kämen Innovationsfähigkeit und Flexibilität, die einen Vorteil gegenüber den großen Wettbewerbern bringe. Der wichtigste Pluspunkt sei das Qualitätsmanagement eines Familienunternehmens. „Alle Produkte tragen meinen Namen“, sagt Vollert. „Das ist die größte und stärkste Garantieverpflichtung, die ein Unternehmen geben kann.“ (Andrea Przyklenk)

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