App in die Selbstständigkeit
Eleftherios Hatziioannou und Halil Mandal haben gemeinsam die Smoope GmbH in Stuttgart gegründet (v.l.). Die vom Duo entwickelte App soll die Kommunikation zwischen Unternehmen und Endkunden verbessern und funktioniert ähnlich wie Whatsapp.

App in die Selbstständigkeit

Der App-Markt entwickelt sich seit Jahren prächtig und hat zahlreiche Start-ups hervorgebracht. Darunter ist auch die Smoope GmbH aus Stuttgart. Doch bis aus einer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell wurde, galt es einige Hürden zu nehmen.

Die Idee, eine „Service to go“-App für die Kundenkommunikation zu entwickeln, hatten die Gründer Eleftherios Hatziioannou und Halil Mandal im Sommer 2013. „Damals war Halil Mandal noch Betreiber mehrerer Mobilfunk-Shops. Ich war unter anderem der erste Social Media Manager der Marke Mercedes-Benz und anschließend als New-Media-Berater tätig. Eines Tages kam Halil Mandal zu mir und beklagte sich über den stetig zunehmenden Wettbewerbsdruck und ein zeitraubendes Beschwerdemanagement, das am Point of Sale in seinen Shops stattfindet“, erzählt Hatziioannou. Das brachte die beiden auf die Idee, eine App zu entwickeln, die eine asynchrone Kommunikation via Instant Messaging als Kundenkanal erlaubt – von der Funktionsweise ähnlich wie „WhatsApp“, aber als BtoC-Tool konzipiert. Die Testphase in zehn Shops lief besser als gedacht: „Die App kam bei der Kundschaft hervorragend an. Über 97 Prozent aller Kunden zeigten Interesse. Auch die fünf Sterne im App-Store unterstrichen, dass wir auf dem richtigen Weg waren.“ Dann galt es, eine Plattform auf die Beine zu stellen, um auch anderen Unternehmen die Lösung schmackhaft zu machen. Im März 2014 war es soweit und die Plattform wurde der Öffentlichkeit präsentiert. „Mir kam dabei zugute, dass ich viele Jahre in einem Konzern gearbeitet hatte und wusste, wie große Unternehmen ticken“, sagt Hatziioannou. Der Plan geht auf. Inzwischen nutzen 180 Unternehmen, darunter eine Bank sowie eine Behörde das Angebot. Auch auf der finanziellen Seite hat sich einiges getan: Seit August 2014 ist der Hightech Gründerfonds eingestiegen. „Ab diesem Investment konnten wir beide in Vollzeit unser Unternehmen vorantreiben.“

Friedhof vieler guter Ideen

Klingt nach einer sehr reibungslos verlaufenden Erfolgsgeschichte. „Nicht ganz“, sagt der Gründer, „denn wir mussten einige Hürden überwinden“. Da die Entwicklungskosten einer App am Anfang sehr hoch sind, war das Unternehmen auf jeden Cent angewiesen. „Wie bei alle Existenzgründern, führten die Finanzbehörden bei uns eine Vorsteuersonderprüfung durch. Und diese zog sich in unserem Fall sehr lange hin. Wir mussten aber trotzdem eine fünfstellige Summe bereithalten. Da fehlt es auf Seiten der Behörden leider am Verständnis für die Lage von Start-ups“, sagt Hatziioannou. Auch die Suche nach einem passenden Pilotpartner gestaltete sich schwieriger als gedacht. „Wir mussten zig Türklinken putzen“, erinnert sich der Jungunternehmer und ergänzt: „Viele dachten einfach, dass wir nur ihr Geld wollen.“ Hier wünscht sich Hatziioannou mehr mutige Unternehmen, die Start-ups eine Chance geben und die allein schon mit ihrem Namen zum Erfolg einer Idee beitragen können. „Mit einer namhaften Referenz eröffnen sich für ein Start-up ganz andere Möglichkeiten“, gibt er zu bedenken.
In Sachen Gründerkultur sieht der Jungunternehmer gerade in Baden-Württemberg noch Potenzial nach oben: Die vielen dort ansässigen Großunternehmen seien Segen und Fluch zugleich für den Pioniergeist. „Für viele junge Menschen ist es immer noch attraktiver bei einem Konzern zu arbeiten, statt das Risiko eines Start-ups einzugehen. So erweisen sich die Großunternehmen indirekt als Friedhof vieler guter Ideen.“ Das würde sich auf lange Sicht auch auf die Innovationsfähigkeit des Ländles auswirken. Zudem seien die Großkonzerne die direkten Konkurrenten von Jungunternehmen, etwa wenn es um das Finden von bezahlbaren Fachkräften geht. Hier sei die Politik gefordert, bessere Bedingungen für Start-ups zu schaffen. Eines der Großunternehmen, die ganz bewusst die Nähe zu Jungunternehmen suchen und ihnen die Chance zum Durchstarten geben, ist die GFT Group. Der IT-Spezialist unterstützt auch die Smoope GmbH. „Wir sind mit GFT über die Innovationsplattform ‚Code_N‘ verbunden. Diese ermöglicht uns an speziellen Wettbewerben für Gründer teilzunehmen, informiert uns über Events und hilft uns dabei, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern“, sagt Hatziioannou.

Auf die Zukunft ausgerichtet

Die beiden Gründer wissen um die Schwierigkeit, ein Unternehmen auch langfristig am Markt zu etablieren. Daher streben sie ein nachhaltiges Wachstum an. „Unsere Vision ist, dass unsere App das Service-Tool schlechthin wird. Das ist noch ein langer Weg. Erst wenn wir entsprechend Umsatz generieren, gehen wir den nächsten Schritt. Mittel- und langfristig müssen wir uns auch Gedanken um eine Anschlussfinanzierung machen.“ Und die müsse so gestaltet sein, dass beide Unternehmer Herr im eigenen Haus blieben. „Den Fehler, viel zu wenig Geld für viel zu viele Anteile zu bekommen, möchten wir zuliebe unserer unternehmerischen Freiheit um alles in der Welt verhindern.“ (-hf)

www.smoope.de

Tipps:
Das Thema Gründerkultur in Deutschland steht im Fokus der April-Ausgabe von „Die News“.

Weitere Informationen über die Innovationsplattform Code_N gibt es auf unserem Portal hier.
 

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