Führen im Team

Michael Haas und Jürgen Hagenlocher führen das Familienunternehmen Videor aus Rödermark gemeinsam und sind überzeugt, dass sie im Doppelpack nützlicher für das Unternehmen sind.

Die „VIDEOR E. Hartig GmbH“ wurde 1975 von Ernst Hartig als Videor Technical E. Hartig KG gegründet. Das Unternehmen machte sich schnell einen Namen als Exklusivvertreter japanischer Spitzenhersteller. Heute ist das in Rödermark bei Frankfurt am Main ansässige Handelsunternehmen einer der europaweit führenden Anbieter für professionelle Videotechnik im B2B-Bereich. Seit über zehn Jahren ist die Eigenmarke „eneo“ des Multibrand Distributors eine etablierte Marke für die Videoüberwachung und exklusiv bei professionellen Errichtern und Händlern erhältlich. Im letzten Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen mit seinen 145 Mitarbeitern einen Umsatz von 64,4 Millionen Euro.

Seit August 2008 gibt es das „ArtCenter“, das die Kunstsammlung der Videor Art Foundation beherbergt. Sie besteht aus rund 300 Exponaten, die am Computer oder als Mixed Media entstanden sind. Das Unternehmen versteht Kunstförderung als lebendigen Teil der eigenen Unternehmenskultur.

Zwei sind besser als einer

Für das Familienunternehmen sind Haas und Hagenlocher nicht die erste Doppelspitze. Bereits ein Jahr nach der Gründung holte sich Firmengründer Ernst Hartig Unterstützung ins Haus. Mit Hans Peter Jamin zusammen gab er über Jahre hinweg die entscheidenden Impulse für die Entwicklung des Unternehmens. Mittlerweile hat sich Hartig aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.

Haas ist seit 1994 in der Geschäftsführung. Er ist das, was man ein Eigengewächs nennt. 1980 begann er bei Videor eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann, übernahm später die Verantwortung für den Vertrieb und den internationalen Vertrieb. Er kennt das Unternehmen und den Markt, in dem das Distributionsunternehmen für Security, Networking, Imaging und Broadcast tätig ist, wie kaum ein anderer. Sein Ko-Geschäftsführer kam 2004 ins Unternehmen. Der Betriebswirtschaftler ist für die Bereiche Finanzen, Personal, IT, Controlling, Logistik und Marketing zuständig, während sich Haas um Technik, Vertrieb, Einkauf, Kundendienst und eine Fertigung für kundenspezifische Lösungen kümmert.

Austausch mit dem Gesellschafter

Haas und Hagenlocher haben sich keine allzu festen Regeln für den Umgang miteinander gegeben. „Wir verfolgen gemeinsame Ziele, haben eine Strategie und gemeinsame Werte“, sagen die beiden Geschäftsführer. „Das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um als Duo in der Unternehmensführung funktionieren zu können.“ Sie geben zu, dass sie durchaus hin und wieder unterschiedlicher Meinung sind, aber „dann reden wir zuerst einmal miteinander und versuchen uns zusammenzuraufen“, sagt Haas. „Nach außen vertreten wir grundsätzlich keine unterschiedlichen Meinungen.“

Großen Wert legen Haas und Hagenlocher auf die Kommunikation. Einmal pro Monat gibt es ein Meeting der Geschäftsleitung, bei dem alle anstehenden Fragen diskutiert werden. Zwei- bis dreimal pro Jahr stimmen sich die beiden Geschäftsführer mit dem Gesellschafter ab. „Bei diesen Treffen diskutieren wir mit dem Gesellschafter die Strategie und legen Zielvereinbarungen fest“, sagt Hagenlocher. Den regelmäßigen Austausch schätzen beide Geschäftsführer.

Nicht im stillen Kämmerlein

Haas und Hagenlocher sehen in der gemeinsamen Führung viele Vorteile. „Ich muss meine Entscheidungen nicht im stillen Kämmerlein treffen, sondern habe einen Partner, mit dem ich sie diskutieren kann“, sagt Haas. „Der Abstimmungsbedarf ist vertretbar.“ Dafür seien sie sicherer in ihren Entscheidungen, fügt Hagenlocher hinzu. Außerdem ergänze man sich in den Kompetenzen. „Jürgen ist fit in Finanz- und Personalthemen und bringt internationale Managementerfahrung mit, die uns vor allem in der Organisationsgestaltung hilft“, sagt Haas. „Ich bin nah am Markt, an Kunden und Lieferanten und kann unseren Markt durch die jahrelange Erfahrung gut beurteilen.“

Und noch einen ganz entscheidenden Vorteil bringe ein Führungsduo mit sich, sagen die Geschäftsführer: „Wir vertreten uns gegenseitig. Dadurch kann jeder von uns in den Urlaub gehen, ohne sich Sorgen um die Firma zu machen. Es ist jemand da, der entscheidet und es gibt keinen Engpass, wenn einer von uns abwesend ist. Alleingeschäftsführer zu sein, ist eine schwere Aufgabe. Eigentlich braucht er einen Sparringspartner.“

Nachteile der gemeinsamen Führung konnten Haas und Hagenlocher bisher wenige entdecken. Sicher war es am Anfang aufwendig den Mitarbeitern ein klares Rollenbild zu vermitteln. „Als eingespieltes Duo sind wir schneller entscheidungsfähig und treffen bessere Entscheidungen“, sind sie überzeugt. Auch die Mitarbeiter kämen gut mit der Doppelspitze zurecht. „Es gibt strategische Themen, die wir ausfechten müssen, um das Unternehmen in die richtige Richtung zu führen“, sagt Haas, „dafür ist es besser, man ist zu zweit.“

-ap

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