Studie: Familienunternehmen und Berater arbeiten eher selten zusammen
Eine Studie des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF), von Comatch sowie Alphazirkel hat das Verhätnis zwischen Familienunternehmen und Berater unter die Lupe genommen. Grafik: Comatch

Studie: Familienunternehmen und Berater arbeiten eher selten zusammen

Familienunternehmen empfinden Berater als kompetent und selbstbewusst, Berater schätzen Familienunternehmer für ihre Unabhängigkeit und halten sie für besonders vertrauenswürdig. Dennoch arbeiten beide Seiten eher selten miteinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) in Kooperation mit Comatch, ein Marktplatz für freiberufliche Managementberater und Industrieexperten in Europa, sowie Alphazirkel, dem Forum für Familienunternehmer.

Im Durchschnitt greifen Familienunternehmen 2,5 Mal pro Jahr auf externe Unterstützung zurück. Dabei vertrauen sie in 80 Prozent der Fälle auf die Kompetenz freiberuflicher Berater. Den Familienunternehmern fällt es schwer, die Leistungsfähigkeit externer Berater realistisch einzuschätzen, während diese sich zu wenig auf die spezifischen Anforderungen eines Familienunternehmens ausrichten. Beide Faktoren stehen einer noch umfassenderen Zusammenarbeit im Weg. „Familienunternehmer sehen durchaus, dass externe Berater einen großen Nutzen für sie stiften. Diejenigen Familienunternehmen, die keine oder nur wenig Erfahrung mit externen Beratern haben, unterschätzen deren Leistungsfähigkeit aber massiv. Mit der Zusammenarbeit steigt die Wertschätzung: Die Berater werden dann als kompetenter, sympathischer und vertrauensvoller wahrgenommen“, sagt Christoph Hardt, Mitgründer und Geschäftsführer von Comatch. Familienunternehmen greifen laut der Studie in den meisten Fällen auf externe Berater zurück, um im Unternehmen fehlende Fachkenntnisse zu ergänzen (25 Prozent) oder sich eine neutrale Expertise zu sichern (24 Prozent). Sie setzen vor allem in den Themenfeldern auf Unterstützung, in denen sehr spezifisches Know-how gebraucht wird. IT- (66 Prozent) und Rechtsthemen (49 Prozent) sind deshalb weit vor allen anderen Beratungsbereichen die Haupteinsatzgebiete.  
 

Chancen der Digitalisierung nicht konsequent genutzt

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie war das Thema Digitalisierung und Familienunternehmen. Zwar haben die Familienunternehmen nach eigener Ansicht (80 Prozent) die Bedeutung der Digitalisierung erkannt, mit dem Stand der Umsetzung in der eigenen Firma zeigen sich jedoch fast 60 Prozent nicht zufrieden. Als wichtigste Herausforderung sehen sie die IT-Sicherheit und damit ein Thema, das eher Gefahrenabwehr als Chance bedeutet. Künstliche Intelligenz (KI) landet dagegen auf dem letzten Platz der Liste. „Wir finden es alarmierend, dass die Digitalisierung noch immer nicht das beherrschende Thema in den Unternehmen ist, sondern nur eine Aufgabe von vielen. Vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs sind unsere Familienunternehmen in Gefahr, das volle disruptive Potential, etwa durch den Einsatz von KI oder Mobile Computing, zu verpassen“, sagt Albert Geiger, Geschäftsführer von Alphazirkel. 

Familienunternehmen wollen die Digitalisierung mit traditionellen Ansätzen wie dem intensiven Dialog mit Marktpartnern und Kunden, Pilotprojekten und gänzlich mit den eigenen Mitarbeitern stemmen. Die befragten Berater halten hingegen Kooperationen mit Start-ups, den Einsatz externer Spezialisten sowie die Schaffung von kreativen Freiräumen für Mitarbeiter für wesentlich. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen (17 Prozent) hat die Digitalisierung der eigenen Leistungen bereits abgeschlossen. „Auf das Know-how von Beratern von Haus aus zu verzichten ist nicht nur bei der Digitalisierung ein Risiko für Familienunternehmen – Expertise von außen kann auch bei Themen rund um den Generationenwechsel sehr wertvoll sein“, sagt Reinhard Prügl, wissenschaftlicher Leiter des FIF, und ergänzt: „Die Berater wiederum sollten sich auf die spezifischen Bedingungen von Familienunternehmen besser einstellen. So können beide stärker voneinander profitieren als bisher.“

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