Studie: Familienunternehmen wirtschaften solider und erfolgreicher
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Studie: Familienunternehmen wirtschaften solider und erfolgreicher

Börsennotierte Familienunternehmen wirtschaften solider und erfolgreicher als Nicht-Familienunternehmen und die positive Performance wächst mit dem Familieneinfluss. Das geht aus einer Untersuchung im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor. Erstellt wurde die Studie „Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland“ vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies an der TU München unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner, Prof. Dr. Reiner Braun und Prof. Dr. Christoph Kaserer.

Die Stiftung Familienunternehmen hat erstmals vor zehn Jahren Klarheit über die Bedeutung der börsennotierten Familienunternehmen geschaffen. Diese Zahlen werden nun für den Zeitraum 2009 bis 2018 aktualisiert. Etwa 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen sind demnach Familienunternehmen. Vor zehn Jahren waren es 44 Prozent. Sie sind für etwa 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im CDAX verantwortlich (29 Prozent in der Vorgängerstudie). Die Studie basiert auf der Gesamtheit aller im CDAX notierten Unternehmen. Finanz- und Immobilienunternehmen wurden aus Vergleichbarkeitsgründen nicht berücksichtigt, womit der Datensatz 475 Unternehmen umfasst.

Familieneinfluss hat positive Effekte

„Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Substanz. Diese Tugenden übertragen sie auch an die Börse. Sie setzen damit einen Kontrapunkt im Börsenkonzert, in dem es häufig vor allem darum geht, die Erwartungen von Investoren zu steuern“, sagt Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Je stärker der Familieneinfluss in einem Unternehmen, desto stärker treten die positiven Effekte zu Tage.“

Familienunternehmen verzeichnen im Betrachtungszeitraum 2009 bis 2018 ein höheres Wachstum in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. So ist das jährliche Beschäftigungswachstum von Familienunternehmen mit sechs Prozent annähernd doppelt so hoch wie bei Nicht-Familienunternehmen mit drei Prozent. Auch gemessen an den Kennzahlen Return on Assets (Gesamtkapitalrendite) sowie Return on Equity (Eigenkapitalrendite) schneiden Familienunternehmen signifikant besser ab.

Dabei zeigt sich, dass die positiven Effekte mit wachsendem Familieneinfluss zunehmen. Ein börsennotiertes Unternehmen qualifiziert sich in der Studie in der Regel als Familienunternehmen, wenn die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte besitzt und/oder ein Aufsichtsrats- oder Vorstandsmandat bekleidet (Founding Family Definition). Die Ergebnisse, bezogen auf den Return on Equity und den Return on Assets, sind deutlich höher, wenn eine engere Definition Anwendung findet, die von einem besonders starken Familieneinfluss ausgeht (modifizierte „Substantial Family Influence“-Definition oder SFImod).

Attraktiv für Investoren

Die marktwertgewichtete Kursentwicklung zeigt, dass eine starke familiäre Verankerung zuletzt auch auf das Interesse von Anlegern stieß. Nach der engen Definition (SFImod) erzielten börsennotierte Familienunternehmen über den Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2018 einen durchschnittlichen Total Return (Aktien- zzgl. Dividendenrendite) von jährlich 23,2 Prozent. Nicht-Familienunternehmen kamen hingegen nur auf eine Rendite von 15,2 Prozent. Nach der weiter gefassten Definition von Familienunternehmen ist die Rendite ebenfalls höher, wenn auch nur leicht. Ohne Marktgewichtung ist kein Unterschied erkennbar.

In Anbetracht dieser Befunde stellt Studienleiter Prof. Dr. Christoph Kaserer zusammenfassend fest, „dass börsennotierte Familienunternehmen für Investoren sehr attraktiv sein können. Dies gilt umso mehr, als in dieser Studie die Gesamtheit dieser Unternehmen betrachtet und damit keine Rosinenpickerei betrieben wurde.“

Zwar ist ein Trend erkennbar, demzufolge börsennotierte Familienunternehmen immer häufiger von Fremdgeschäftsführern geführt werden. Doch nach wie vor haben Gründerfamilien einen großen Einfluss. In durchschnittlich 60 Prozent der Familienunternehmen ist die Gründerfamilie operativ in die Unternehmensleitung im Rahmen eines Vorstandsmandats involviert. In durchschnittlich 45 Prozent nimmt die Familie, gegebenenfalls zusätzlich, ein Aufsichtsratsmandat war.

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