Machen statt schimpfen
Prof. Dipl.-Kfm. Dr.-Ing. e.h. Thomas Bauer Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG in Schrobenhausen. Neben seiner Tätigkeit in verschiedenen Verbänden ist Bauer seit 2003 Schatzmeister der CSU. Foto: Bauer AG

Machen statt schimpfen

Prof. Dipl.-Kfm. Dr.-Ing e.h. Thomas Bauer gehört zu den wenigen Unternehmern, die sich politisch engagieren. Im Interview mit der Redaktion fordert er mehr Engagement seiner Unternehmer-Kollegen. Wer etwas ändern wolle, müsse dafür auch etwas tun.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren in der Politik und in Verbänden. Was treibt Sie dabei an? Schließlich hatten Sie ein Unternehmen zu führen und sind jetzt Aufsichtsratsvorsitzender.

Prof. Thomas Bauer:
Wenn Unternehmer wollen, dass ihre Sicht der Dinge in der Öffentlichkeit verstanden wird, dann müssen sie sich selbst mit persönlichem Engagement dafür einsetzen. Diese Aufgabe lässt sich nicht delegieren, auch nicht an Verbände. Politische Entscheidungen werden sehr viel mehr durch Stimmungen in der Bevölkerung beeinflusst, als durch irgendetwas anderes, wie zum Beispiel durch Vernunft. Kein Unternehmer darf sich beschweren, wenn unsere berechtigten Interessen nicht berücksichtigt werden, wenn wir uns um die Kommunikation nicht selbst bemühen. Diese Zeit muss man sich nehmen, das gehört auch zur Arbeit als Unternehmer – genauso wie Werbung oder Innovation. Ich habe nicht das geringste Verständnis für die, die nichts machen und nur über die ungerechten Zustände schimpfen.

Kann man in der Politik überhaupt etwas bewegen und wie verträgt sich das „Unternehmer-Gen“ – Entscheidungen treffen, schnell handeln, Risiken eingehen, Chancen wahrnehmen – mit den politischen Prozessen?

Ich glaube nicht, dass es das Unternehmer-Gen gibt, das bilden sich viele nur ein. Es gibt Menschen, die haben eine Veranlagung für managen, genauso wie es andere gibt, die eine Veranlagung als Künstler haben. Bei Unternehmern geht es um Visionen, Durchsetzungsfähigkeit und Organisationstalent. Das sind auch Eigenschaften für Politiker. Der Unterschied besteht darin, dass in der Politik der enorm komplexe und langatmige Prozess der Demokratie akzeptiert und gelebt werden muss. Viele können diesen nicht ertragen, er ist aber der einzige Weg und der Preis unserer Freiheit. Die Alternative wäre Diktatur oder eine Art Diktatur.  Ich weiß, man kann in der Politik etwas bewegen, man muss aber bereit sein, sich auf Demokratie einzulassen und darf nicht meinen, dass alle nur auf einen gewartet haben. Die überwiegende Zahl der Politiker, die ich kennen gelernt habe, war froh, wenn jemand mit Sachverstand auf einem gewissen Gebiet einen sinnvollen Rat gab. Dann wird das auch sehr häufig so umgesetzt. Mit Hauruck und der Einstellung, ich weiß das alles besser, geht aber gar nichts.

Nur sehr wenige Unternehmer gehen in die Politik. Was müsste geändert werden, damit mehr Unternehmer in die Politik gehen?

Da müssten sich zuerst die Unternehmer ändern und mehr Engagement für Politik entwickeln. Das  funktioniert nicht ohne Nähe zur politischen Basis, den Menschen vor Ort. Das wiederum ist vielen zu lästig, sie wollen gleich ganz oben einsteigen. Das akzeptiert aber die Basis nicht und von der geht in der Demokratie nun mal alle Macht aus. Das kann nicht geändert werden. Wenn man ein echter Demokrat ist, muss man das für richtig finden. Ich empfinde es als riesiges Manko, dass Unternehmer in der Politik fast nicht vorkommen. Das werden aber nur die Unternehmer ändern können.

Manche Unternehmer fürchten, dass politisches Engagement und Meinungsäußerungen dem Unternehmen schaden könnten. Wie sehen Sie das?

Leider ist diese Meinung richtig. Presse und Öffentlichkeit vermuten bei politischem Engagement immer, dass sich jemand einen Vorteil verschaffen will. Das gibt es natürlich auch, aber in den allermeisten Fällen ist es nicht der Fall. Ich habe auch erlebt, wie mir ein Banker sagte: Ihr politisches Engagement werten wir als negatives Kreditbeurteilungskriterium. Das muss man aushalten können. Wer ein guter Unternehmer sein will, der muss so viel Zivilcourage haben, dass er über derartigen Anwürfen steht. Schön wäre es trotzdem, wenn Engagement zuerst als Engagement gesehen und positiv beurteilt würde. Das würde sicher helfen, dass sich mehr Führungskräfte politisch engagieren. (-ap)

 

Fotostrecke

© 2019 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de