Commerzbank-Studie: Wie sicher sind die Märkte?
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Commerzbank-Studie: Wie sicher sind die Märkte?

Die kürzlich veröffentlichte 19. Studie der Initiative Unternehmerperspektiven der Commerzbank AG zeigt, dass die Unternehmen auf die unsicheren Rahmenbedingungen bei der Internationalisierung reagieren. Knapp die Hälfte der 2.000 befragten Unternehmen befürchtet negative Auswirkungen durch globale Handelskonflikte, aber auch durch die Dieselkrise und den Brexit. Trotzdem setzt der Mittelstand weiterhin auf Internationalisierung. Lediglich Unternehmen, die noch nicht auf den internationalen Märkten präsent sind, zögern angesichts der geopolitischen Situation. „Wir sehen uns aufgefordert, den Mittelstand dabei zu unterstützen, beherrschbare Risiken beim Gang ins Ausland abzusichern. Deutsche Unternehmen sollten ihre Chancen auf den Weltmärkten weiter nutzen“, kommentiert Michael Reuther, Vorstand im Firmenkundengeschäft der Commerzbank, die Ergebnisse der Umfrage.

Planungsunsicherheit steigt

Fast zwei Drittel der Unternehmen rechnen in den nächsten zwei Jahren aufgrund wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten mit geringerer Planungssicherheit und 61 Prozent mit konjunktureller Eintrübung. 47 Prozent bewerten die zunehmenden globalen Handelskonflikte negativ für die eigene Geschäftstätigkeit, 35 Prozent den möglichen Brexit. China gilt fast einem Drittel der mittelständischen Unternehmen als verlässlicher Handelspartner, während nur 17 Prozent die USA so sehen und nur acht Prozent Großbritannien.

Auch hausgemachte Themen belasten die Unternehmen: 45 Prozent rechnen mit negativen Auswirkungen der Dieselkrise, 35 Prozent sehen negative Folgen des Klimawandels. „Alarmismus oder gar einmauern ist dennoch fehl am Platz. Wir unterstützen die Politik darin, sich für ein multilaterales und regelgebundenes Welthandelssystem einzusetzen, damit kostengünstiger und nachhaltiger Handel zu fairen Bedingungen möglich ist“, sagt Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel und Schirmherr der Studie.

Keine Patentrezepte

Die Unternehmen reagieren individuell auf die Situation. Fast zwei Drittel der Mittelständler mit bis zu 15 Millionen Euro Jahresumsatz konzentrieren sich bei der Expansion auf ihre Kernprodukte. Für 44 Prozent steht der EU-Binnenmarkt im Vordergrund. Etwas weniger als die Hälfte betreibt Absicherung von Zahlungs- und Ausfallrisiken. Unternehmen mit über 100 Millionen Jahresumsatz verstärken die eigene Innovationstätigkeit (78 Prozent) und digitalisieren Produkte oder Prozesse (79 Prozent). Über zwei Drittel dieser Unternehmen sichern sich gegen Zahlungs- und Ausfallrisiken ab.

Neue Märkte finden die Unternehmen vor allem in Übersee, zum Beispiel in Indien und Nordamerika, 12 Prozent planen, nach China zu gehen. Dorthin werden mit 31 Prozent auch am häufigsten Produktionsstandorte verlagert. 77 Prozent sehen übrigens die Bürokratie als Problem im Auslandsgeschäft. Preisschwankungen bei den  Rohstoffen (57 Prozent) und Einfuhrzölle (54 Prozent) machen ebenfalls Probleme. 

Interessant ist, dass die Bedeutung langfristiger Kooperationen zunimmt. Die Zahl eigener Tochtergesellschaften und Niederlassungen im Ausland ist im Vergleich zu 2013 zurückgegangen. 38 Prozent der Befragten haben aber langfristige Kooperationsverträge abgeschlossen, sechs Prozent mehr als 2013.

Banken und Politik gefordert

Die exportierenden Unternehmen erwarten sowohl von den Banken als auch von der Politik Unterstützung. Die Banken sollen bei der Beurteilung von Risiken internationaler Geschäfte helfen und Informationen über Auslandsmärkte bereitstellen. Am wichtigsten ist den Unternehmen allerdings, dass die Banken regulatorische Vorschriften kundenorientiert umsetzen. Die Wunschliste an die Politik ist lang und reicht von einer einheitlichen europäischen Haltung im Wirtschaftsstreit mit den USA (88 Prozent) über die Durchsetzung von Anti-Korruptionsstandards im Ausland (79 Prozent) bis zur Forderung nach direkter Unterstützung deutscher Unternehmen im Ausland (69 Prozent). (-ap)

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