Bröckelnder Markt im Maschinenbau – was ist zu tun?
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft wird insbesondere im Maschinenbau und in der Automobilzulieferindustrie erkennbar, dass der Auftragseingang nahezu stagniert. Die Unternehmen sollten jetzt ihre Geschäfts- und Finanzierungsbasis sichern, so Sascha Hackstein, Geschäftsführer von Berndtson Interim. (Foto: nd3000-stock.adobe.com)

Bröckelnder Markt im Maschinenbau – was ist zu tun?

Die Zeiten voller Auftragsbücher sind für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau Vergangenheit. Auch wenn laut des Branchenverbands VDMA das laufende Jahr noch ziemlich abgesichert ist, zeigen sich dunkle Wolken am Horizont. „Während die Autobauer dem Trend zur E-Mobility hinterherlaufen, versäumt die Zulieferindustrie die notwendige Neuausrichtung. Chinas Autoboom schwächt sich ab. Brexit, drohende US-Sanktionen und Handelskonflikte verschärfen die Lage“, sagt Sascha Hackstein, Geschäftsführer von Berndtson Interim.

Die Prognosen der Konjunkturforschungsinstitute für 2019 geben Hackstein Recht. Sie liegen bei einem Wachstum zwischen nur noch 1,1 und 1,6 Prozent. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum vierten Mal in  Folge gefallen. Von einer Rezession sprechen die meisten Forscher zwar noch nicht, aber von einer deutlichen Konjunkturabkühlung.

Zukunftsfähigkeit im Auge behalten

Die hohe Auslastung der Betriebe in den vergangenen Monaten, hat bis zu einem gewissen Grad  verhindert, dass sich das Management intensiv mit der Zukunft und der Sicherung der Ertragsströme befasste. Dafür ist es jetzt höchste Zeit. „Das bedeutet nicht nur, sich mit Kostenreduzierung, Effizienz,  Pricing und neuen Geschäftsfeldern zu befassen, sondern auch mit der finanziellen Absicherung des Unternehmens. Notwendige Investitionen in Innovationen und neue Geschäftsmodelle erfordern günstige und sichere Finanzierungen. Die bereits sichtbaren Veränderungen im Markt machen möglicherweise Restrukturierungen erforderlich, denn es ist unter anderem fraglich, ob die aufgebauten Kapazitäten künftig noch gebraucht werden“, so Hackstein.  Laut des Deloitte European Spring Survey 2019 haben erst 35 Prozent der Unternehmen konkrete Vorbereitungen für den Fall eines Abschwungs oder einer Rezession getroffen.

Finanzierungsbasis überprüfen

„Stresstests der European Banking Authority (EBA), denen sich europäische Banken regelmäßig unterziehen müssen, offenbarten erst jüngst deutliche Schwächen einiger Banken, darunter auch deutsche Institute, in der Frage, wie gut sie auf einen simulierten, plötzlichen Konjunkturabschwung vorbereitet sind“, sagt Interim Executive CFO Manuel Althoff und betont: „Insbesondere für mittelständische Kunden bedeutet dies unter Umständen, dass die Tragfähigkeit oft langjähriger vertrauensvoller Geschäftsbeziehungen zu ihren Hausbanken abnimmt und die Institute bei einem so genannte Breach of Covenants unter bestehenden Finanzierungsverträgen von Sanktionsmöglichkeiten eher und konsequenter Gebrauch machen als noch vor einigen Jahren. Häufig veranlassen Banken in diesen Situationen die Erstellung eines Sanierungsgutachtens nach IDW S6.“ Sollte es so weit kommen, sind die Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten des Managements laut Althoff deutlich eingeschränkt.

Das Spiel ändern

„Schnelle Erfolgsrezepte zur Ertrags- und Liquiditätsverbesserung, die Investition in Effizienzprogramme reichen nicht aus, um Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Unternehmen dürfen es nicht versäumen, eine zukunftsfähige Agenda zu entwickeln, die signifikantes Wachstum in neuen Märkten, mit neuen Produkten und Dienstleistungen ermöglicht“, mahnt Hackstein und fügt hinzu: „Wenn sich die Spielregeln ändern, ändert sich das Spiel. Es müssen entscheidende Fragen gestellt werden: Passen unsere heutigen Produkte zu den globalen Markttrends und künftigen Anforderungen? Was können und müssen wir beibehalten, was kurzfristig ändern? Welche mittel- und langfristigen Entwicklungen sind notwendig, damit unsere Angebote nicht schon bald ersetzbar werden?“ (-ap)

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