Zweistelliger Umsatzzuwachs bei Lapp
Stuttgarter Familienunternehmen weltweit präsent: Durch Schnee und Eis wurde Ausrüstung, einschließlich 3.000 Meter Kabel von Lapp, auf den isländischen Vulkan Hekla transportiert. (Quelle: Icelandic Meteorological Office)

Zweistelliger Umsatzzuwachs bei Lapp

Das Stuttgarter Familienunternehmen, Spezialist für integrierte Lösungen der Kabel- und Verbindungstechnologie, befindet sich weiterhin auf Erfolgskurs, auch wenn das im Oktober 2018 begonnene Geschäftsjahr etwas ruhiger verläuft als das vergangene. Im Geschäftsjahr 2017/2018 (Oktober 2017 bis September 2018) konnte sich das Unternehmen über einen Gesamtumsatz von 1.153 Millionen Euro Umsatz freuen, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 12,3 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich um 5,6 Prozent auf 58,6 Millionen Euro, das EBITDA lag bei 89,6 Millionen Euro, ein Plus von 10,6 Prozent.

Verschiedene positive Effekte

Besonders groß war das Wachstum in der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika), mit einem Umsatzanteil von fast 72 Prozent der wichtigste Absatzmarkt von Lapp. Dort betrug das Umsatzwachstum 15 Prozent, in Deutschland neun Prozent. In der Region APAC (Asia Pacific inklusive Australien und Neuseeland) konnte ebenfalls ein Umsatzwachstum von neun Prozent erzielt werden. Mittel- und Nordamerika brachten es nur auf 2,2 Prozent. Südamerika schwächelte. Dort gingen auf Grund wirtschaftlicher Krisen die Umsatzerlöse um 18 Prozent auf 8,2 Millionen Euro zurück.

Positive Effekte wurden unter anderem durch Akquisitionen und Joint Ventures erzielt. Ende 2017 übernahm Lapp SKS Automaatio und SKS Connecto in Finnland und Polen. Im Februar 2018 nahm Lapp Australia den Betrieb auf, ein Joint Venture mit dem Vertriebspartner ECS aus Neuseeland. Im Juli 2018 kaufte Lapp den langjährigen Schweizer Vertriebspartner Volland, „ein Familienunternehmen mit einem Nachfolgeproblem“ wie der Vorstandsvorsitzende der Lapp Holding AG, Andreas Lapp, sagte.

Investitionen weltweit

Die Investitionen des Unternehmens stiegen im vergangenen Geschäftsjahr um 29 Prozent auf 31 Millionen Euro. Neben nötigen Investitionen aufgrund der Akquisitionen und dem weiteren weltweiten Rollout der SAP-Software ECC 6.0 erfolgten vor allem Investitionen in Maschinen und Anlagen sowie in die Logistik. Im indischen Produktionswerk in Bhopal wurde die Produktionskapazität verdoppelt und die Lagerkapazität um 70 Prozent erweitert. Auch in Polen entsteht aktuell ein neues Logistikzentrum. In Baden-Württemberg wurde ebenfalls investiert: In Satteldorf im Landkreis Schwäbisch Hall wurde ein neues Lager in Betrieb genommen, um den Ausbau des Projektgeschäfts zu unterstützen. Daneben wurden zahlreiche Projekte zur digitalen Transformation des Unternehmens angestoßen.

Auch die Zahl der Mitarbeiter wuchs weltweit um rund 13 Prozent auf 4.245. Dr. Hilmar Döring, Vorstand für Personal und Organisationsentwicklung sagte: „Wir wollen Lapp zu einer lernenden Organisation machen, in der lebenslanges Lernen der Mitarbeiter und die ständige systematische Weiterentwicklung der Organisation miteinander verbunden werden. Nur mit den Menschen im Mittelpunkt kann unsere Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden.“ Döring wies auch auf den Stellenwert der Ausbildung hin. Aktuell bilde man 63 junge Menschen in elf Berufen aus, darunter neun Flüchtlinge. „Wir haben damit sehr, sehr positive Erfahrungen gemacht“, betonte Döring.

Zukunft durch Innovation

Natürlich gab es auch im vergangenen Jahr alle möglichen Produktneuheiten, zum Beispiel die Datenleitung „Etherline PN CAT.6A Fast Connect“, die eine einfache und schnelle Montage sowie hohe Datenübertragungsraten von zehn Gigabit pro Sekunde ermöglicht. Der Bereich Industrial Data Communications (IDC) konnte ein Wachstum von 24 Prozent bei Ethernet-basierten Produkten erzielen. „Wir liefern die Nervenbahnen für die Smart Factory“, sagte Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation. Die Frage, ob 5G Kabel ins Abseits drängen könne, stellt sich für Andreas Lapp nur sehr bedingt, wenn überhaupt. Für industrielle Anwendungen und auch für autonomes Fahren sei vor allem die Latenz wichtig. Die sei zu hoch, solange nicht überall Masten stehen würden. „Wir nehmen das Thema ernst, aber wir müssen uns bei jeder Anwendung überlegen, was wirtschaftlich machbar und sinnvoll ist und was unsere Kunden glücklich macht“, sagte Lapp. 

Als erstes Unternehmen haben die Stuttgarter eine serienmäßige Leitung für Gleichstrom vorgestellt, die „Ölflex DC 100“, die speziell für die Versorgung von Motoren und Anlagen mit Gleichstrom entwickelt wurde. Das Familienunternehmen arbeitet beim Thema Gleichstrom mit der Technischen Universität Ilmenau zusammen. Langfristig könnte Gleichstrom laut Stawowy den traditionellen Wechselstrom ersetzen. Die Anwendungen für Gleichstrom würden schon jetzt zunehmen. „Bei der Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom geht viel Energie verloren“, sagte Stawowy. „Würden wir in Deutschland allein bei Industrieantrieben auf diese Umwandlung verzichten, könnten wir die beiden größten Braunkohlekraftwerke abschalten.“ Darüber hinaus sieht der Technik-Vorstand großes Potenzial in Ländern und Regionen, die noch nicht über eine durchgängige Infrastruktur verfügten. „Wir haben das Wechselstrom-Netz nur, weil es gängige Technik war, als unsere Netze installiert wurden. Heute ist die Umwandlung eigentlich nicht mehr nötig“, sagte er.

„Wir sehen die Welt anders“

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Lapp optimistisch: „Wir erwarten 2018/19 ein ordentliches Geschäft mit einem Zuwachs im hohen einstelligen Bereich.  Die Dynamik des vergangenen Jahres kommt in normales Fahrwasser.“ Das Familienunternehmen sehe sich durch seine Innovationsfähigkeit und Globalisierung gut aufgestellt, von den fünf größten Standorten der Gruppe befände sich einer in Europa, einer in Nordamerika und drei in Asien. „Wir sehen die Welt anders und optimistisch. Wir glauben an den Exit vom Brexit oder einen ordentlichen Brexit. Der Handelskrieg zwischen den USA und China wird sich beruhigen, doch man sollte darüber nicht die Unstimmigkeiten zwischen den USA und Europa verdrängen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Die Welt ist sehr unterschiedlich. Wir müssen uns von der Bequemlichkeit einer bipolaren Welt verabschieden.“ (-ap)

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