Datendrehscheibe ERP: Ein Stern im Zentrum der Systeme
Ob Fertigung oder Handel: ERP-Lösungen sind unverzichtbar bei Handling von Daten geworden.

Datendrehscheibe ERP: Ein Stern im Zentrum der Systeme

Mit neuesten Trends wie dem Internet der Dinge oder künstlicher Intelligenz erhöhen sich die Anforderungen auch an die ERP-Lösungen. Die Redaktion sprach darüber mit Comarch-Vorstand Frank Siewert.

Internet of Things (IoT), Predictive Data oder sogar künstliche Intelligenz: Wie lassen sich diese Megatrends in ERP-Lösungen umsetzen?

Frank Siewert: Der gezielte Umgang mit großen Datenmengen war anfangs vor allem marketinggetrieben. Inzwischen wird aber der Datenaustausch zwischen Menschen zunehmend um den Informationsaustausch zwischen Maschinen, Objekten und Produkten erweitert. Das heißt wiederum, dass wir fernab von Insellösungen Systeme benötigen, die frei miteinander kommunizieren können und vernetzt sind. ERP-Lösungen sind hier im Idealfall eine Art Schaltzentrale oder Datendrehscheibe, die im permanenten Kontakt zu Business-Intelligence-Systemen (BI) und IOT-Plattformen steht. Doch während letztere häufig sehr modern um die Ecke kommen, agiert man auf der Ebene des ERP nicht selten eher konservativ. Es wird gerade im Mittelstand als heilige Kuh betrachtet, die möglichst wenig angerührt werden soll. Das verhindert aber eine moderne, offene und reibungslose Kommunikation der Systeme und erschwert die Nutzung zum Beispiel von IoT, Predictive Data und künstlicher Intelligenz. Stimmt die technische Basis, ergeben sich für Unternehmen zahllose Einsatzmöglichkeiten bei der gezielten Nutzung von Daten. Wir bei Comarch haben dafür unter anderem auch eine eigene IOT-Plattform geschaffen, ein cloudbasiertes System für eine einfache, sichere und skalierbare Vernetzung physischer Objekte mit der Software, etwa per Sensoren. Im ERP fließen die Daten zusammen und werden entsprechend der Anforderungen aufbereitet.

Inwieweit sind denn diese drei Trends im Kontext von ERP überhaupt beim deutschen Mittelstand angekommen?

Der Mittelstand hat das enorme Potenzial, den Nutzen längst erkannt, wobei sich manche nach wie vor schwertun, ihr bestehendes ERP-System dafür auf neue Füße zu stellen. Aber viele Unternehmen haben gemerkt, dass das kein Hexenwerk ist. Den Unternehmen wird über kurz oder lange gar nichts anderes übrigbleiben, ihre Systeme anzupassen, wollen sie dem Druck des Marktes auch weiterhin standhalten. Denn nur so lässt sich die Prozesssicherheit erhöhen und ein Plus an Flexibilität erzielen. Was ich besonders spannend finde, ist, dass gerade im Gespräch mit den Mittelständlern auf Basis neuer Trends häufig viele neue Ideen für Anwendungen auf ERP-Basis entstehen. Das ist ein wichtiger Impulsgeber für uns.

Welche Veränderungen treiben Deutschlands Kernbranchen wie Handel und Fertigung derzeit um? Und welchen Beitrag kann hier ERP leisten?

Der Handel sieht sich mit einer massiven Verzahnung aller Vertriebskanäle wie Plattformen oder Onlineshops konfrontiert. Diese lassen sich zentral über ein ERP-System händeln. Unsere Lösung von Comarch funktioniert hier wie ein vertriebskanalübergreifender Shop, der genau registriert, wann was wo verkauft wurde, welche Produkte wo gelagert sind und wann nachbestellt werden muss, egal ob online, stationär oder über Portale Die Fertigung ist wiederum sehr IoT-getrieben. Dort werden die Prozesse immer kleingliedriger, sind die Unternehmen nach und nach auf dem Weg hin zur Losgröße 1. Das lässt sich gut mit einer IoT-Plattform abbilden, die eng mit einem ERP verknüpft ist. Besonders in der Fertigung wird auch der Steuerung der Systeme eine große Bedeutung zugemessen. Software- und Bedienoberflächen müssen heute simpel vorgedacht und ansprechend gestaltet sein. Ziel ist es, dass auch weniger EPR-erfahrene Mitarbeiter die Lösungen leicht bedienen können.

Mit Blick in die Zukunft: Wie wird die nächste ERP-Generation die internen und externen Prozesse der Unternehmen in den kommenden Jahren verändern?

Ich denke, dass die Software alle Prozesse innerhalb und außerhalb der Firma noch sicherer machen wird und die Einsatzmöglichkeiten um ein Vielfaches zunehmen werden. Entsprechend vernetzte Systeme werden meiner Meinung nach in naher Zukunft sicher in der Lage sein, eigene Vorschläge zu unterbreiten, wenn es um die Optimierung von Abläufen geht. Vor allem von der Sprachsteuerung verspreche ich mir noch sehr viel Potenzial, denn schon heute gibt es große Bemühungen, die Systeme deviceunabhängig, also ohne Endgeräte, zu bedienen. (-hf)

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