Ministerpräsident Kretschmann besucht Lapp-Ausbildungszentrum
Auszubildende Tatjana Mack erläutert Ministerpräsident Winfried Kretschmann, was Lapp unternimmt, um Auszubildende zu finden.

Ministerpräsident Kretschmann besucht Lapp-Ausbildungszentrum

Das Stuttgarter Familienunternehmen Lapp sorgt mit seinem Ausbildungskonzept weit über die Region hinaus für Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen. Aktuell bildet das Familienunternehmen am Standort Stuttgart 63 junge Männer und Frauen aus, darunter vier Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hob bei seinem Besuch die Wichtigkeit einer erfolgreichen Ausbildung hervor: „Die Qualität des Fachkräftenachwuchses entscheidet auch über die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes. Unseren mittelständischen Unternehmen kommt hier eine zentrale Rolle zu.“

Zu wenig  Digitalisierung in der Ausbildung

Kretschmann konnte sich an vier sorgfältig gestalteten Tafeln darüber informieren, wie das Familienunternehmen seine Auszubildenden findet und bindet, welchen Herausforderungen sich der Mittelstand bei der Ausbildung gegenübersieht. Besonders aufschlussreich war die vierte Tafel mit dem Titel „Zukunftswerkstatt“. Darauf war zu lesen, was sich Auszubildende und Ausbilder von der Berufsschule und der Ausbildung allgemein wünschen, unter anderem die Vermittlung von mehr Methoden- und Problemlösungskompetenz, Unterstützung in der Persönlichkeitsentwicklung und einen stärkeren Einsatz digitaler Unterrichtsmittel.

Ein Defizit beim Thema Digitalisierung sieht auch Alexander Lapp, im Unternehmen weltweit für das Thema Digitalisierung zuständig: „Auch in der beruflichen Ausbildung muss die Digitalisierung fest verankert sein, um die jungen Menschen für die heutige und zukünftige Arbeitswelt fit zu machen. Wir tun hier als Unternehmen schon viel, aber wir brauchen Standards. Da ist die Politik gefordert“, sagte er. „Bezüglich der Frage, was hinter dem E-Commerce steckt, fangen wir oft bei Adam und Eva an.“ Schade, dass der Ministerpräsident nicht viel Hoffnung auf eine baldige Besserung machen konnte. Er gab zu, dass es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem gebe. „An den Schulen dauert es erfahrungsgemäß lange bis sich Veränderungen bemerkbar machen. Wir müssen die Weiterbildung der Lehrer beschleunigen“, sagte er. Außerdem gebe es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Lehrpläne auszusehen hätten.

„Wir sind eine multikulturelle Familie“

Das Familienunternehmen tut viel, um Auszubildende zu finden und zu binden. Regelmäßige Präsentation auf Ausbildungsmessen, Aktionen zur Berufsorientierung, und Bildungskooperationen gehören ebenso dazu wie Schulungswochen und Teamtrainings, Veranstaltungen, Sozialprojekte, in denen sich die Auszubildenden einbringen, Auslandsaufenthalte in Lapp-Gesellschaften oder in Fremdfirmen. Lohn für die Mühen ist zum Beispiel die beeindruckende Zahl von 1.117 Bewerbungen für das aktuelle Ausbildungsjahr. „Wir binden unsere Auszubildenden vom ersten Tag an ein und übertragen ihnen Verantwortung. Das motiviert sie und sie sehen, dass sie bei Lapp etwas erreichen können“, bekräftigt Matthias Lapp, CEO der U.I. Lapp GmbH.

Für die Auszubildenden selbst zählen auch Sicherheit – über 90 Prozent werden übernommen – und die Zugehörigkeit zu einer „multikulturellen Familie“. Das gilt ganz besonders für die Flüchtlinge. Firaas Alkhaliefa aus Syrien und Tedros Tesfay Gebru aus Eritrea haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen. Während der Syrer eine Weiterbildung zum Industriemeister macht, beginnt Gebru im Januar 2019 mit der Ausbildung zum Techniker. Die 30 Lerntage pro Jahr, die ihnen Lapp anbietet, um ihre Sprachkenntnisse und ihr Allgemeinwissen zu verbessern, wissen die beiden ebenso zu schätzen wie den familiären Zusammenhalt: „Wir kommen aus vielen unterschiedlichen Nationen“, sagt Gebru. „Jeder versucht die anderen zu verstehen, Probleme werden gemeinsam gelöst wie in einer Familie.“ Janis Philippbaar, Industriekauffrau im zweiten Lehrjahr ergänzt: „Ich finde es spannend, so viele unterschiedliche Lebensgeschichten kennenzulernen und ganz neue Kontakte zu knüpfen.“ Schichtleiter Felix Drautzburg schätzt, dass in seiner Schicht Menschen aus acht bis zehn verschiedenen Nationen arbeiten. „Das ist jeder Dritte“, sagt er. „Ich empfinde das als kulturelle Bereicherung. Wir lernen viel aus der Unterschiedlichkeit.“

Ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Kretschmann hat die Tafel mit den Erwartungen der Auszubildenden und Ausbilder an die Ausbildung fotografiert. Bleibt zu hoffen, dass sich in der Politik die Einsicht durchsetzt, dass eine erfolgreiche, zukunftsfähige Ausbildung nicht nur vom Engagement der Unternehmen abhängig ist, sondern auch von den Rahmenbedingungen, die die Politik setzt und dass es höchste Zeit zum Handeln ist. Wie Alexander Lapp sagte: "Die Digitalisierung schreitet sehr schnell voran." (-ap)

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