Digitale Daten: Große Chancen für Landwirtschaft  in Entwicklungsländern
Auf einer Farm in Uganda wird eine App genutzt, um Daten für die Landwirtschaft zu sammeln. (Foto: Rainforest Alliance)

Digitale Daten: Große Chancen für Landwirtschaft in Entwicklungsländern

Voranschreitende Digitalisierungsprozesse sind eine große Chance, um die Lebensmittel-Lieferketten transparenter und nachhaltiger zu machen: angefangen bei mobilen Apps über digitale Managementsysteme für Farmen bis hin zu selbstfliegenden Drohnen und Radar- oder Satellitenbildern. Die Digitalisierung bietet hier nicht nur der Agrarwirtschaft in den Industrieländern, sondern vor allem in den Entwicklungsländern ungeahnte Möglichkeiten.

Daan de Vries, Chief Innovation Officer der Rainforest Alliance, plädiert: „Alle relevanten Akteure, einschließlich der Nachhaltigkeits- beziehungsweise Zertifizierungsprogramme, müssen stärker zusammenarbeiten, um die digitale Revolution zu den Farmern und auf die Felder zu bringen. Gerade die Analyse digital erfasster Daten schafft einen Überblick über die oftmals sehr komplexen  Strukturen innerhalb der Lieferketten.“

De Vries beobachtet positive Veränderungen auf drei Ebenen:

  1. Unternehmen benötigen transparente Lieferketten für das Vertrauen von Verbrauchern und Stakeholdern.

Das Thema Nachhaltigkeit rückt auf der Agenda der Unternehmen immer weiter nach oben. Unternehmen benötigen und fordern mehr Einsicht in die Prozesse innerhalb der Lieferketten, um ihre eigene Leistung und ihre Fortschritte zu messen. Digitalisierung ermöglicht an dieser Stelle mehr Transparenz, was wiederum zu mehr Vertrauen von Seiten der Verbraucher und Stakeholder  führt. Dies wird deutlich am Beispiel von Cocoa Action, einer Plattform, die führende Kakao- und Schokoladenunternehmen zusammenbringt. Gemeinsam mit der Rainforest Alliance werden digital Daten darüber erfasst, wie die Kakaofarmer die Praktiken des nachhaltigeren Anbaus umsetzen. Mithilfe der Analyse dieser Daten können sowohl die Unternehmen als auch die Farmer fundierte Entscheidungen darüber treffen, in welche Maßnahmen Zeit und Geld am wirkungsvollsten und nachhaltigsten eingesetzt werden müssen. Denn der nachhaltigere Anbau ist der Schlüssel für die Steigerung der Farm-Produktivität.

  1. Zertifizierungsprogramme treiben die Nutzung digitaler Daten voran.

Nachhaltigkeitsprogramme widmen sich in ihren Standards Themen wie Produktivität, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Klimawandel, Kinderarbeit oder Entwaldung. Zertifizierungen bieten außerdem ein Level an Transparenz, das wenige andere Ansätze bieten. Daher schließen sich viele Unternehmen Programmen für eine zertifizierte Rohstoffbeschaffung an. Dadurch haben sowohl die Unternehmen als auch Farmer Zugriff auf eine Vielzahl an Daten, meist jedoch noch immer in Papierform. Die zunehmende Konnektivität, die geringeren Implementierungskosten sowie die gestiegene Alphabetisierung in den Anbauländern bieten jedoch mittlerweile immer mehr  Ansatzpunkte für die Digitalisierung.

Zahlreiche Belege hierfür liefern Pilotprojekte der Rainforest Alliance, unter anderem innerhalb der Kakao- und Haselnuss-Programme. Durch die Analyse digitaler Daten von den Feldern wird sobeispielswiese direkt ersichtlich, wenn eine Kooperative zu nah an der Grenze eines Nationalparks oder einer geschützten Wasserquelle errichtet ist. Durch diese Informationen erhalten die Farmen demnach die Chance, derartigen Nachhaltigkeits-Herausforderungen durch Korrekturen oder zielgerichtete Maßnahmen besser zu begegnen.

  1. Die Digitalisierung wird zum Eckpfeiler nachhaltiger Landwirtschaft.

In Industrieländern wird die Präzisionslandwirtschaft in Form von beispielsweise Erdsonden oder automatischer Bewässerungssysteme bereits umfassend genutzt, ist allerdings auch stark auf die Bedürfnisse und technischen Voraussetzungen der hochprofessionalisierten Landwirtschaft zugeschnitten. In Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen, und vor allem für Kleinbauern, muss ein anderer Technologiemix zum Einsatz kommen. Dann kann die Auswertung von digital erfassten Daten ihre ganze Kraft entfalten: Sie hilft dabei, die negativen Folgen nicht nachhaltiger Anbaupraktiken zu verstehen. Darauf basierend können individuelle Lösungen und Maßnahmen entwickelt werden und deren Fortschritte digital erfasst werden. Um selbst vor Ort Daten zu erfassen, ist es immens wichtig, dass die Farmer deren Mehrwert nachvollziehen können.

Individuelle Pläne zur Farmentwicklung

Diesen Ansatz verfolgt zum Beispiel das „SAT4Farming-Programm“, eine Initiative bestehend unter anderem aus der Grameen Foundation, Mars und der Rainforest Alliance. SAT4Farming erstellt anhand digitaler Technologie und Satellitenbildern individuelle Pläne zur Farmentwicklung, sogenannte FDPs (Farm Development Plans). Sie versorgen tausende von Kakao-Kleinbauern mit Informationen und Input, mit deren Hilfe sie ihre Produktivität erhöhen und nachhaltiger agieren können. Die Kleinbauern in Ghana zum Beispiel erhalten mit den digitalen FDPs über ihre mobilen Endgeräte ein Planungs- und Monitoring-Tool, das ihnen unter anderem Zugriff auf Maßnahmenkataloge zu den Themen Anbaumethoden, Investitionen, Zertifizierungstraining oder Anpassung an den Klimawandel gewährt. Durch das stete Monitoring bedient sich das Programm in bisher beispiellosem Maße der Detailauswertung von Daten vor Ort.

Digitalisierte Daten bieten große Chancen für Innovationen. Sie schaffen mehr Transparenz, sorgen für mehr Nachhaltigkeit innerhalb der Lieferketten und haben positive Auswirkungen auf die Farmer. Dennoch bringen neuen Technologien auch Herausforderungen mit sich: technischer, sozialer, wirtschaftlicher und rechtlicher Natur. Zertifizierungsprogramme, Unternehmen und Regierungen müssen also enger zusammenarbeiten, um die modernen Technologien zu implementieren.

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