Ökosystem für Innovation
Der Unternehmer Ulrich Dietz möchte am neuen Firmensitz der GFT Group ein neuartiges Gründerzentrum verwirklichen.

Ökosystem für Innovation

Ulrich Dietz, Gründer und Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters GFT in Stuttgart, sieht die deutsche Wirtschaft für das Zeitalter der Digitalisierung nicht gerade gut aufgestellt. Er möchte helfen, das zu ändern. „Code-n Spaces“ ist ein weiteres Puzzleteil in seinem Konzept und gleichzeitig ein neuartiges Konzept für Gründer.

„Die Digitalisierung stellt eine große Herausforderung für die Wirtschaft dar: Alles kommt auf den Prüfstand, Produkte und Prozesse, sogar ganze Geschäftsmodelle. Während in vielen Teilen der Welt schon tüchtig an der Transformation in die neue Welt gearbeitet wird, sind wir in Deutschland hinten dran. Wir diskutieren statt zu agieren“, sagt Dietz. Für ihn ist klar, dass viele etablierte Unternehmen alleine Probleme haben werden, rechtzeitig in Fahrt zu kommen. „Für den Wandel in die digitale Gesellschaft brauchen wir einen Pakt zwischen innovativen jungen Start-ups und in der alten Welt erfolgreichen Unternehmen. Nur gemeinsam haben wir eine Chance, den Rückstand beispielsweise zu den USA nicht uferlos werden zu lassen.“

Diese neue Art der Zusammenarbeit möchte Dietz im Rahmen der bereits 2011 initiierten Innovationsplattform „Code-n“ (= Code of the new) begleiten und unterstützen: „Mit einem Ort, an dem beide Seiten kreativ, ohne Denkschranken und vernetzt mit Universitäten, anderen Unternehmen und Investoren zusammenarbeiten können.“

Weit mehr als Räume

Mit der Innovationsplattform möchte Dietz einen solchen Ort schaffen. In diesen Tagen zieht die GFT Group in ihr neues Firmengebäude nach Stuttgart-Möhringen um. Dort entsteht auf 4.000 Quadratmetern ein Ort der Innovation, ein „integriertes Ökosystem für digitale Vordenker“, das verschiedene Methoden und Konzepte vereint: vom Design Thinking über Coworking bis hin zum Accelerator. Start-ups, erfahrene Entrepreneure und Entwicklerteams aus etablierten Unternehmen werden hier unter einem Dach an gemeinsamen Zielen rund um das Thema Future Mobility und Digitalisierung arbeiten – und das in einer inspirierenden Arbeitsumgebung.

„Bei den Räumlichkeiten setzen wir ein völlig neues Konzept unter Mitwirkung des Stuttgarter Architekturbüros Wulf Architekten und des international renommierten Esslinger Bildhauers Tobias Rehberger um, sozusagen Büros zum Zusammenstecken“, schwärmt Dietz. „Die Wände sind aus festem Karton und sehr variabel. Man kann sie immer wieder umstecken, anmalen, Löcher hineinschneiden oder was immer man sonst tun möchte. Außerdem wird es eine von Clemens Weisshaar gestaltete Gastronomie geben; keine Kantine, sondern ein Restaurant und eine Bar. Wir schaffen einen Platz, an dem es Spaß macht, zu arbeiten; einen Ort, der inspiriert.“

Doch die Räumlichkeiten sind nur ein Baustein der Innovationsplattform. Diskussionsforen, Querdenker-Events und Workshops werden den Dialog rund um digitale Zukunftsthemen vorantreiben und die Vernetzung der Start-ups mit Innovationsteams großer Unternehmen und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Technologie, Design und Politik weiter fördern. Neben der Inspiration denkt Dietz aber auch an die eher profanen Notwendigkeiten des Gründerdaseins: So können die jungen Unternehmen unterschiedliche Dienstleistungen, so genannte Shared Services, und die Expertise der GFT Group nutzen, zum Beispiel in den Bereichen Recht oder Marketing. „Wir wollen ihnen dabei helfen, ihre Geschäfte in Gang zu bringen, Beziehungen zu knüpfen und letztlich Kunden zu gewinnen“, erläutert Dietz. „Sie sollen sich entwickeln und auf eigenen Beinen stehen.“

Zukunftsthemen besetzen

Auch die Finanzierung der Start-ups hat Dietz im Blick: „Die jungen Firmen können hier ein Jahr lang mietfrei an ihren Ideen und Geschäftsmodellen arbeiten“, sagt er. „Bei dem einen oder anderen Projekt werden wir uns vielleicht selbst engagieren. Denn natürlich müssen auch wir unser Unternehmen ständig weiterentwickeln und für die Zukunft weltweit ganz neue Themen angehen. Dabei setzen wir auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit jungen, kreativen Köpfen. Unsere Vision für das Ökosystem Code-n ist das Digital Pioneering, neue Themenfelder anzugehen und neue Arbeitsweisen zu entwickeln.“

Mit dabei ist schon die EnBW, nicht zuletzt wegen des im Stuttgarter Spaces gesetzten Leitthemas „Future Mobility“. Der Konzern engagiert sich schon seit Jahren für die Elektromobilität und betreibt mit rund 600 Ladepunkten in der Region Stuttgart eines der größten Ladeinfrastrukturnetze in Deutschland. „In der Region Stuttgart ist die Autoindustrie mit ihren zahlreichen Zulieferern zuhause. Das Thema Future Mobility war naheliegend. Den Anspruch, Baden-Württemberg weltweit zum Hotspot für zukünftige Mobilitätskonzepte zu entwickeln, halte ich für notwendig“, sagt Dietz. „An anderen Orten und in anderen Ländern werden es andere Themen sein.“

Willst du, dass etwas getan wird …

… musst du es selbst tun. So könnte das Credo von Dietz lauten. „Code-n Spaces“ ist die rein private Initiative eines mittelständischen Unternehmens. „Die Welt wartet nicht auf uns. Wir müssen schnell sein. Wir können es uns nicht leisten, zu warten bis ein Gemeinderat oder ein Ministerium ein paar Euro genehmigt. Nur um mitzureden, zwei Jahre lang zu planen und zu diskutieren, und dann festzustellen, dass doch nichts daraus wird“, ist Dietz überzeugt.

Die Idee von „Code-n“ wurde 2011 Realität. Als Partner konnte Dietz die Cebit, EY und Salesforce gewinnen. Mittlerweile sind auch Accenture mit Smart Service Welt, EnBW und das Familienunternehmen Trumpf, weltweit führendes Hochtechnologieunternehmen, als Partner dabei. „Wir wollen den Weg in die digitale Wirtschaft konsequent gehen, Industrie 4.0 und Internet der Dinge sind bei uns täglich Bestandteil unserer Arbeit“, sagt Dr. Peter Leibinger, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG. „Um die internen Innovationsprozesse zu beschleunigen, setzen wir auf Inspiration von außen. Und die bekommen wir zukünftig auch durch das Code-n-Ökosystem.“

2012 forderte GFT weltweit Start-ups auf, sich für den "Code-n"-Contest zu bewerben. Die 50 Finalisten konnten sich in der Folge fünf Tage lang während der Cebit in der eigenen Code-n-Halle präsentieren, für den Sieger gab es den mit 30.000 Euro dotierten "Code-n"-Award obendrauf. 2015 steht der Innovationswettbewerb unter dem Leitthema „Into the Internet of Things“. Gesucht werden Gründer und Unternehmen, deren Ideen das Zeitalter des Internets der Dinge einläuten.

Wieder werden die 50 spannendsten Geschäftsmodelle auf den 5.000 Quadratmetern der Halle 16 während der vom 16. bis 20. März 2015 stattfindenden Cebit gezeigt. Auch alle Partner der Innovationsplattform werden in der Halle 16 als Aussteller vertreten sein. Organisiert in die Themenwelten Digital Life, Smart City, Future Mobility und Industry 4.0 bilden Innovationswettbewerb und Ausstellung das gesamte Spektrum der rapiden Digitalisierung der physischen Welt ab. „Das Internet der Dinge zwingt Unternehmen, neu zu denken. Wie in der Code-n-DNA formuliert, braucht es dafür Impulse von außen. Wer auf die energetischen Ideen der Gründer verzichtet, hat das Potenzial der Start-up-Szene einfach noch nicht erkannt“, sagt Dietz. „Gleichzeitig ist der Auftritt auf der Cebit für die meisten Gründer der erste richtige Realitätscheck. Die Teilnahme wird also eine richtige Bewährungsprobe.“ (-ap)

www.code-n.org
 

Tipp: Ulrich Dietz wird bei der 10. Familienunternehmer-Konferenz der News am 16. Juli in Stuttgart unter anderem mit EU-Kommissar Günther Oettinger über digitale Revolution und globalen Wettbewer diskutieren. Mehr Informationen: konferenz@dienews.net

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