Weiterbildung: „Afrika kommt!“ nach Deutschland
Die Teilnehmer des 3. Jahrgangs von "Afrika kommt!" mit den Unternehmensvertretern vor Schloss Bellevue in Berlin, Juli 2013.

Weiterbildung: „Afrika kommt!“ nach Deutschland

Im Jahre 2008 haben 19 führende deutsche Unternehmen das Programm „Afrika kommt!“ gestartet. Ziel des Programms ist es, junge, qualifizierte Führungskräfte aus der Region Subsahara-Afrika in Deutschland fortzubilden und so den Grundstein für eine nachhaltige Wirtschaftskooperation zu legen.

„Unser Ziel ist es, den Austausch zwischen den afrikanischen Nachwuchsführungskräften und den Wirtschaftsunternehmen zu fördern und voneinander zu lernen“, beschreibt Initiator Tilman Todenhöfer, geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG, den Sinn des Programms. Dies biete eine wichtige Grundlage für den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Afrika. „Wir wollen eine dauerhafte Kooperation etablieren, die für beide Seiten erfolgreich ist.“ Nach bislang zwei Jahrgängen kann bereits eine positive Bilanz gezogen werden. Das Programm hat sich zu einem Renner in Afrika entwickelt. Auf 21 Stipendienplätze gab es zuletzt über 3.000 Bewerbungen.

Nachhaltig gute Beziehungen

Die ehemaligen Programmteilnehmer vermitteln in ihren Heimatländern ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Mehr als einem Drittel der Teilnehmer des vergangenen Jahrgangs ist sogar der direkte Einstieg in das jeweilige Gastunternehmen gelungen, sie arbeiten nun in deren Niederlassungen in Afrika. Indem die jungen Führungskräfte ihre positiven Erfahrungen mit deutscher Kultur und deutschen Unternehmen weitergeben, können sie das Meinungsbild in ihrer Heimat prägen. Zudem sind die Alumni wichtige Kontakte und Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in den jeweiligen Ländern. So baut die Initiative „Afrika kommt!“ Brücken für nachhaltige deutsch-afrikanische Wirtschaftskooperationen.


Schirmherr des Programms ist Bundespräsident Joachim Gauck. Er lobte die Initiative bei seinem Empfang für die afrikanischen Führungsnachwuchskräfte im Juli vergangenen Jahres in Berlin. Sie ergänze die klassische Entwicklungszusammenarbeit durch persönliche Kontakte und betriebliches Miteinander zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung in den afrikanischen Ländern selbst. Die Initiative wird im Rahmen des Afrikakonzepts der Bundesregierung vom Auswärtigen Amt und den deutschen Botschaften in Subsahara-Afrika begleitet. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH führt das Programm im Auftrag der Unternehmen durch, die das Programm finanziell tragen. Die Nachwuchsführungskräfte erhalten für die Aufenthaltsdauer ein Stipendium, das ihre Lebenshaltungskosten deckt.

Brücken bauen

Derzeit befinden sich die jungen Manager mitten in der Praxisphase in den Unternehmen. Unter den 21 Teilnehmern aus Äthiopien, Ghana, Kamerun, Kenia, Mosambik, Nigeria, Simbabwe, Südafrika und Tansania sind Fachleute aus den Bereichen Finanzen, Marketing, Geschäftsentwicklung, Pharmazie, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Sie verfügen über mehrjährige Berufserfahrung und waren teilweise in leitenden Positionen in ihren Heimatländern tätig.


Precious Radingwana, derzeit bei VW in Wolfsburg, kommt aus Südafrika und ist Marketing-Projektmanagerin: „Leadership und Lernen sind einander unabdingbar. Daher wird diese unschätzbare Gelegenheit – Managementerfahrung zu erwerben und Schlüsselkompetenzen zu entwickeln – mein Potenzial als künftige Führungskraft sichtbar machen, die für beide Seiten fruchtbare Netzwerke zwischen Deutschland und Subsahara Afrika stärken kann.“ In den Partnerunternehmen lernen die Teilnehmer die Geschäftsabläufe deutscher Unternehmen kennen und eröffnen mit ihren Afrikakenntnissen neue Chancen für die Unternehmen. „Ich erwarte meine Leadership-Kompetenzen weiterzuentwickeln, strategische Allianzen zu schmieden und ein Brückenbauer für Afrika und Europa zu werden. Ich denke, dass ich das ‚deutsche Modell‘ im Hinblick auf den Umgang mit der Umwelt und die Regierungsführung sowie die starke Geschäftsethik in mein Heimatland Nigeria mitnehmen werde”, so Olalekan Yusuf Tijani, im Vorfeld der Praxisphase in seinem Partnerunternehmen, der ThyssenKrupp AG.

Die richtige Auswahl treffen

Entscheidend für den gegenseitigen Mehrwert ist die Auswahl geeigneter Kandidaten. Die GIZ organisiert das Auswahlverfahren und kann durch gute Kontakte in den Ländern Subsahara-Afrika die richtigen Bewerber erreichen. Aber ob die Person in das Unternehmen passt, kann nur durch die Unternehmen selbst entschieden werden. Die teilnehmenden Unternehmen verfassen ein Wunschprofil ihres Kandidaten, auf das sich die künftigen Teilnehmer bewerben können. Auf diese Weise werden die Experten gesucht, die für die strategische Ausrichtung des Unternehmens wichtig sind. Neben der qualifizierten Auswahl bietet die GIZ die Organisation von Sprachkursen und Fachmodulen, die Steuerung und Begleitung der Praxisphasen, die fachliche und kulturelle Betreuung der Teilnehmer inklusive Coaching und Koordination der Programmevaluierung durch Teilnehmer und Unternehmen an. In den Kosten von etwa 68.000 Euro pro Teilnehmer sind alle Dienstleistungen, fachlichen Angebote und die teilnehmerbezogenen Kosten, wie Stipendien, Unterkunft und Versicherungen enthalten. Die Robert Bosch Stiftung mit Schwerpunkt „Bildung und bürgerschaftliches Engagement“ in Stuttgart und die Zeit-Stiftung mit dem Schwerpunkt „Medien und Kultur“ in Hamburg bieten programmbegleitend ein ausgedehntes Wochenendprogramm an.

Auch für Mittelständler attraktiv

Das Programm ist nicht nur für die ganz großen Unternehmen eine optimale Chance, wirtschaftliche Brücken nach Sub-Sahara Afrika zu bauen. Auch für den deutschen Mittelstand stellt das Programm eine attraktive Möglichkeit dar, den Aktionsradius des Unternehmens zu erweitern. Dafür spricht vor allem die Tatsache, dass ein Großteil der Teilnehmer aus dem afrikanischen Mittelstand kommt. So lässt sich mittelständische Expertise aus erster Hand austauschen, um nachhaltige Wirtschaftsnetzwerke zu schaffen. Natürlich müssen die beteiligten Unternehmen in der Lage sein, den afrikanischen Managern einen ihren Kompetenzen entsprechenden Einsatz zu bieten.


Der individuelle Weg führt in Afrika selten zum Geschäftserfolg. Viel entscheidender ist der Aufbau von persönlichen Netzwerken. Das Programm „Afrika kommt!“ unterstützt beim Aufbau eines solchen Netzwerks. „Die Großunternehmen sind dabei, den afrikanischen Markt Ernst zu nehmen. Mit ‚Afrika kommt!‘ bietet sich auch für kleinere und mittlere Unternehmen eine interessante weitere Möglichkeit, die für sie wichtigen Netzwerke aufzubauen“, sagt Todenhöfer.

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                                                                                                  Von Lydia Jebauer-Nirschl, GIZ

Tipp: Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen in Afrika sind das Titelthema der Aprilausgabe des Unternehmermagazins "Die News". Familienunternehmen, die sich dort bereits engagieren, berichten von ihren Erfahrungen.

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