Nachfolge: Option Unternehmenspacht
Geht es um die Nachfolge, sollten Familienunternehmen auch die Option Unternehmenspacht in Betracht ziehen. Dieses Instrument eignet sich auch als Brückenlösung, um zum Beispiel die Zeit zu überbrücken, bis ein Familiennachfolger an die Unternehmensspitze wechselt. Foto: Shutterstock

Nachfolge: Option Unternehmenspacht

Jeder Familienunternehmer möchte nach der Übergabe sein Lebenswerk in guten Händen wissen. Die Nachfolge innerhalb der Familie wird daher oft als Ideallösung angesehen. Doch für manche Firmen könnte sich auch eine Unternehmenspacht lohnen, meinen die Berater Thomas Öchsner und Georg-W. Moeller im Interview mit den Familienunternehmer-News.

Für welche Unternehmen eignet sich eine Unternehmenspacht?

Thomas Öchsner: Die Verpachtung des eigenen Betriebs bietet sich für kleinere und mittelgroße Familienunternehmen an. Bei größeren beziehungsweise großen Firmen steigt bei dieser Übergabevariante die Komplexität sprunghaft an, sodass man hier eher andere Instrumente einsetzen wird.

Wann sollte man dieses Instrument einsetzen?

Georg-W. Moeller: Dieses Instrument ist sehr gut als „Brückenlösung“ verwendbar, um zum Beispiel um die Zeit zu überbrücken, bis ein Familiennachfolger an die Unternehmensspitze wechselt oder im Zuge eines Management-Buy-in (MBI) oder Management-Buy-out (MBO) eine tragfähige Finanzierung durch den Käufer aufgebaut werden kann. Pachtzeiträume sollten daher eher kurz- und mittelfristig konzipiert sein.

Welche Vorzüge bringt eine Verpachtung mit sich?

Thomas Öchsner: Die Unternehmenspacht lässt sich rasch aufsetzen und unterstützt somit eine schnelle Nachfolgelösung. Die verpachtende Unternehmerfamilie hat für den Zeitraum kalkulierbare Einkünfte durch den vereinbarten Pachtzins. Gleichzeitig muss der Nachfolger nicht sofort seine Finanzierungsmöglichkeiten überanstrengen und verfügt somit ebenfalls über eine klare Kalkulationsgrundlage. So lässt sich eine häufig vorhandene Kluft zwischen der Kaufpreisvorstellung des Übergebers und den Finanzierungsmöglichkeiten des Nachfolgers für einen gewissen Zeitraum substituieren.

Georg-W. Moeller: Das Pachtverhältnis kann auch mit bereits vorgesehenen Folgelösungen gekoppelt werden, sodass die abgebende Unternehmerfamilie nicht in einen über Jahre dauernden Übergabeprozess gebunden ist. Werden hierbei einige Regeln beachtet, hat der übergebende Senior auch die Gewährleistung, dass seine persönliche Reputation durch dieses Übertragungsszenario gewahrt bleibt und die etablierte Marke des Unternehmens nicht vom Markt verschwindet. Kontinuität und Nachhaltigkeit bleiben somit erhalten.

Wo lauern bei dieser Nachfolge-Variante die Fallstricke?

Thomas Öchsner: Häufig werden Pachtverhältnisse unbefristet angelegt. Der Pächter hat in dieser Konstellation somit die Möglichkeit, Kundenbeziehungen und Kontakte zu sonstigen Stakeholdern des Unternehmens aufzubauen. Darüber hinaus erwirbt sich der Unternehmer auf Zeit auch exklusive Kenntnisse über das Geschäftsmodell und gegebenenfalls zu Betriebsgeheimnissen. Insbesondere bei beziehungs- und entwicklungsgetriebenen Geschäftsmodellen muss der Pachtvertrag deshalb Regelungen wie ein Wettbewerbsverbot zum Schutz des Verpächters beinhalten.

Georg-W. Moeller: Ein weiterer Aspekt ist, dass der Pächter einen Großteil des Vermögens der Unternehmerfamilie, nämlich das Unternehmen selbst, zur Nutzung übertragen bekommt. Ist hier nicht geregelt, wie und in welchem Zustand die relevanten Vermögensgegenstände möglicherweise zurückübertragen werden, führt dies zu dem Risiko, dass sich der Pächter mit einer über Jahre andauernden Desinvestitionsstrategie persönlich bereichert und den Pachtvertrag danach kündigt. Der dann entstandene Investitionsstau ist kaum mehr aufzulösen. Aus diesem Grund ist es je nach Pachtdauer entweder hilfreich, den Pachtzins an den Kriterien Vermögensgegenstände und Gewinnerwartung des Unternehmens zu koppeln oder sich nur auf die Gewinnerwartung als Basis für die Pacht zu stützen und eine Regelung für das Investitionsverhalten sowie den Zustand des relevanten Anlage- und Umlaufvermögens festzulegen.

Thomas Öchsner: Gleiches gilt natürlich analog für die Kapitalstruktur des Unternehmens. Der Aufbau von Schulden, über ein geschäftsübliches Maß hinaus, muss zum Ende des Pachtverhältnisses durch den Pächter genauso kompensiert werden, wie die Steigerung von Eigenkapital zu einem Ausgleich durch den Verpächter führen muss.

 

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