Start-up bietet neue Lösungen in der Fördertechnik
Der „FlexConveyor“ ist ein echtes Plug & Play-Fördersystem mit einer neuartigen dezentralen Steuerung, das Layout-Anpassungen nach dem Baukastenprinzip ermöglicht. (Grafik: next intralogistics)

Start-up bietet neue Lösungen in der Fördertechnik

Seit 2017 gibt es das Start-up „next intralogistics“, das den Anspruch erhebt, die Fördertechnik mittels modularem Aufbau und einer dezentralen Steuerungstechnik auf ein neues flexibles Niveau zu heben. Die Chancen dafür stehen gut, denn einerseits nutzt das junge Unternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung. Andererseits agiert es mit Flexlog, einer Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und dem Familienunternehmen Gebhardt Fördertechnik als Partner in einem hoch professionellen Netzwerk. „Hervorgegangen ist das Start-up aus einem gemeinsamen Projekt des KIT und der Firma Gebhardt Fördertechnik GmbH“, erzählt Sven Gramlich, Direct Sales, Next Intralogistics. „Das Familienunternehmen war schon immer offen für Innovationen und am Ende des Projekts überlegte man sich, wie man die Erkenntnisse für ein neues Geschäftsmodell nutzen könnte. Besonders der Junior-Chef Marco Gebhardt war sehr engagiert.“ Der Entschluss zur Gründung eines Start-ups sollte für maximale Freiheit des jungen Unternehmens sorgen. „Gebhardt Fördertechnik kommt aus dem klassischen Anlagenbau“, so Gramlich. „Von diesem wollte man sich ein Stück weit abgrenzen und entschied sich deshalb auch für ein völlig anderes Branding bis hin zur Farbgebung.“

Technologie löst Branchenprobleme

Laut Gramlich löst die Technologie jahrzehntealte Probleme stationärer Fördertechnik. „Einmal installierte Anlagen können wiederverwendet werden, ohne dass Techniker das System neu programmieren und elektrisch installieren müssen“, erklärt er. „In der Vergangenheit lag der Aufwand zum Beispiel für Programmierung, Planung und Montage an einem Fördertechnik-Projekt bei etwa 50 Prozent. Durch die Entwicklung des ‚FlexConveyors‘ ließ er sich auf nur noch 15 bis 25 Prozent reduzieren.“ Einmal installierte Fördertechnik könne einfach umgebaut und für eine neue Logistikaufgabe verwendet werden, wenn sich die Anforderungen an die Prozesse änderten. Ähnlich einfach und schnell ließen sich bestehende Systeme erweitern.

Der „FlexConveyor“ ist laut seinen Entwicklern ein echtes Plug & Play-Fördersystem, das Layout-Anpassungen nach dem Baukastenprinzip ermöglicht. Dahinter steckt eine dezentrale Steuerungssoftware, die die herkömmliche SPS-Steuerung ersetzt. Kleine Anlagen lassen sich innerhalb von ein bis zwei Tagen in Betrieb nehmen, bei größeren dauert es etwas länger. Die Verkabelung erfolgt über Ethernet-Kabel. Über Schnittstellen kann die Anlage zum Beispiel mit der Software für die Lagerverwaltung und anderen Gewerken wie der Etikettierung verknüpft werden. Jede beliebige Anlage kann auf der Next-Homepage sozusagen  individuell zusammengestellt und bestellt werden. Dabei unterstützen die Servicemitarbeiter, verschiedene Planungshilfen, 2D-Layout-Module im Downloadbereich und ein 3D-Konfigurator sowie die Visualisierung über Tablet, PC und Smartphone.

Mieten, leasen, kaufen

Die Technologie macht es erst möglich die Förderanlagen zum Mieten, Leasen  und Kaufen anzubieten. Jeder Kunde kann das Modell wählen, das am besten zu seiner Situation passt. „Der wachsende E-Commerce bringt sich ständig ändernde Anforderungen an den Materialfluss mit sich. Die Pakete werden zahlreicher und meistens kleiner. Hersteller übernehmen inzwischen häufig auch die Aufgabe des Händlers“ erklärt Gramlich. „Die Intralogistik wird aufwändiger und muss sich der Nachfrage anpassen können, ohne dass es zu Engpässen kommt, weil die Anlagen nicht einsatzbereit sind und gerade umgerüstet werden. Durch das Miet- und Leasing-Modell spart der Kunde zudem Steuern, verbessert seine Eigenkapitalquote und sorgt für eine verbesserte Liquidität. Darüber hinaus verfügt der Kunde über Planungssicherheit und Flexibilität.“

Und wer es sich ganz einfach machen möchte, dem stehen neben den frei kombinierbaren Einzelmodulen auch noch über 100 Best-Practice-Lösungen für verschiedene Aufgaben wie Sortieren, Kommissionieren oder Verpacken und Retouren zur Auswahl. „Unser Team und unsere Partner unterstützen den Kunden rundum. Wir setzen auf eine Lösung aus einer Hand“, betont Gramlich. „Dazu gehören ein Auf- und Abbauservice, Reparaturen, Wartung, Ersatzteillieferung, eine 24-Stunden-Hotline sowie Schulungsvideos und Mitarbeitereinweisung. Mit unserem Modulsystem bieten wir auch Unternehmen eine kundenfreundliche Lösung, deren Kernprozesse mit Logistik nichts zu tun haben.“

Den Markt erobern

Momentan ist das fünfköpfige Vertriebsteam vor allem auf Messen und Veranstaltungen präsent. „Die potenziellen Kunden müssen zunächst einmal wissen, dass es uns gibt und sich davon überzeugen, dass unsere Lösung funktioniert“, sagt Gramlich. „Nur dann werden sie bestellen.“ „Erste Mietverträge laufen bereits und wir haben sogar einen Großkunden aus der E-Commerce-Branche, über den wir sehr glücklich sind“, freut sich Gramlich. „Wir müssen uns jetzt am Markt etablieren und weiterhin an unserem Geschäftsmodell arbeiten.“ Das Potenzial des Geschäftsmodells und der dahinter stehenden Technologie haben inzwischen auch andere erkannt. Nachdem das Konzept die Technologie 2012 auf der Cemat vorgestellt worden war und 2014 die erste Anlage im E-Commerce in Betrieb ging, erhielten die Sinsheimer im selben Jahr gemeinsam mit der Firma Flexlog den VDI-Innovationspreis für Logistik für die Idee der dezentralen Steuerung des „FlexConveyors“.

„Die Verbindung von Miet- und Leasingkonzepten in Verbindung mit der neuartigen ‚FlexConveyor‘-Technologie ermöglicht unseren Kunden skalierbares Wachstum unter Beibehaltung finanzieller Spielräume und unternehmerischer Freiheit“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Marco Gebhardt. „Mit unserem Ansatz können wir einer neuen Zielgruppe die Tür zur Automatisierung ihrer Prozesse im Lager öffnen.“ (– ap)

www.next-intralogistics.de

Fotostrecke

© 2018 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de