Die Herren der Langsamkeit
Die Gründer Max Keßler, Benjamin Rudolph und Matthias Geertsema mit ihrem E-Rollator „Ello“.

Die Herren der Langsamkeit

Das Start-up E-Movements mit Sitz im Herzen Stuttgarts hat kürzlich die erste Vorserie seines E-Rollators mit den Namen „Ello“ auf den Markt gebracht. Damit möchten die Gründer eine bisher vernachlässigte Nische besetzen.

Ein Rollator mit einem Motor? Was auf den ersten Blick etwas seltsam klingen mag, macht auf den zweiten sehr viel Sinn. „Die Leute denken immer, dass man mit unserem Produkt herumfahren kann, wie mit einem E-Rollstuhl. Das war aber nicht unser Ziel. Der Elektro-Motor ist dafür gedacht, dass der Anwender den Rollator nicht anschieben muss, wenn es zum Beispiel bergauf geht. Und er bergab die Geschwindigkeit drosselt. Es geht also nicht um Geschwindigkeit“, erklärt E-Movements-Geschäftsführer Benjamin Rudolph. Er ist für die Bereiche Betriebswirtschaft und Strategie verantwortlich und hat die Firma zusammen mit den Ingenieuren Max Keßler und Matthias Geertsema 2016 gegründet.

Den Alltag erleichtern

Die Idee, ein entsprechendes Produkt zu entwickeln, hatte Max Keßler. 2013 erzählte ihm ein Freund, dass dessen Großmutter größte Schwierigkeiten damit habe, ihren Einkauf mit dem Rollator nach Hause zu bringen, da sie dafür eine größere Steigung überwinden müsse. Wenig später entwarf Keßler einen ersten Prototyp, der sich per Tablet steuern ließ. „Doch sein Projekt scheiterte, obwohl er damit einige Preise abräumen konnte. Einer der Gründe war, dass er den Fokus zu sehr auf die Elektronik setzte, weniger auf den Nutzen des Kunden“, so Rudolph. Doch es sollte nicht bei diesem einen Versuch bleiben, denn drei Jahre später tat sich Keßler mit seinem ehemaligen Kommilitonen Geertsema zusammen. Bei einem Gründer-Speed-Dating lernten sie Rudolph kennen. Kurz darauf fiel der Startschuss für das gemeinsame Unternehmen.

Machen, testen, machen, testen

Etwas mehr als drei Jahre tüftelten die drei an einem marktfähigen Produkt. „Wir haben viele Messen mit unserem Prototyp besucht, die Besucher alles ausgiebig testen lassen und anschließend den Rollator immer wieder optimiert“, erzählt der junge Unternehmer und ergänzt: „Ich bin ein großer Freund von machen, testen, machen, testen. Das hat uns in Bezug auf einen maximalen Kundennutzen viel weitergebracht als es Umfragen hätten je schaffen können.“ Das heutige Produkt, von dem im Herbst die erste Vorserie mit einer Auflage von 25 Stück auf den Markt gekommen ist, bietet aber weit mehr als nur einen innovativen Antrieb: Die beiden Motoren befinden sich in den Hinterrädern, der Akku für den Antrieb ist in der Nähe der montierten Einkaufstasche untergebracht und lässt sich einfach aufstecken. Alle Grundfunktionen wie das normale Zusammenklappen sind auch beim E-Rollator gegeben. Hinzu kommen Licht, eine Hupe und ein Notrufsystem, das im Ernstfall eine abgespeicherte Telefonnummer kontaktiert. „Die Position des E-Rollator lässt sich zudem orten, wenn der Anwender vorher die Erlaubnis hierfür erteilt hat“, hebt Rudolph hervor. „Diese Funktion kann nicht nur bei einem Unfall, sondern auch bei einem Diebstahl sehr nützlich sein.“

Eigene Herstellung in Stuttgart

Die einzelnen Komponenten des Rollators werden eingekauft. Dabei legen die Gründer größten Wert darauf, dass alle Teile bis auf das Gestell in Deutschland gefertigt werden. So kommen beispielsweise die Motoren aus der Bodensee-Region und die Akkus aus Reutlingen. „Um unser Know-how zu schützen, findet die komplette Montage aller Teile bei uns im Haus statt“, sagt der 30-Jährige. Im laufenden Jahr möchte man pro Monat etwa 50 E-Rollatoren herstellen, Ziel ist die Serienproduktion von monatlich rund 155 Stück. „Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, denn wir haben vollkommen unterschätzt, wie hoch Aufwand und Kosten sind, um eine eigene Produktion auf die Beine zu stellen. Aber wir lernen jeden Tag dazu“, gibt sich der Unternehmer zuversichtlich. Preislich bewegt sich ein E-Rollator bei knapp unter 3.000 Euro und wird über Partner vertrieben. Klingt sehr hoch, ist aber von den Gründern so durchaus gewollt, schließlich erhalte der Nutzer ein Premiumprodukt, das über modernste Technologie verfüge und in Handarbeit in Deutschland gefertigt werde.

Vielseitig einsetzbar

Fragt man Rudolph nach den Plänen des Unternehmens für die Zukunft, muss er nicht lange überlegen: „Die Anwendungsmöglichkeiten unserer Technologie sind sehr vielseitig, etwa bei Kinderwägen und Kehrmaschinen einsetzbar. Hier geht es überall darum, Dinge leichter bewegen zu können. In diesem Markt, in dem sichere Langsamkeit zählt, sehen wir viel Potenzial.“ Bis es allerdings soweit ist, soll vor allem die Vermarktung des E-Rollators professionalisiert werden. „Bisher sind wir stark in der Technologie, jetzt müssen wir noch bei Marketing und Vertrieb richtig Gas geben.“ -hf

www.emovements.de

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