Bedarf an Datenspezialisten durch eigene Mitarbeiter decken
Leo Marose und Stefan Berntheisel (v.l.) haben in Berlin das Start-up „StackFuel“ gegründet, das berufsbegleitende Online-Weiterbildung zum Datenspezialisten anbietet. (Foto: Nils Lucas)

Bedarf an Datenspezialisten durch eigene Mitarbeiter decken

Immer mehr Unternehmen suchen Experten für den Umgang mit Daten, doch der Markt ist leergefegt. Allein in Deutschland fehlen laut einer McKinsey-Studie 95.000 Datenexperten. Nicht nur der Mittelstand, sondern auch Großkonzerne suchen sie händeringend. Und so zählt zum Beispiel der Telekommunikationsriese Telefónica Deutschland zu den ersten großen Kunden des 2016 gegründeten Start-ups Stackfuel. Das Start-up aus Berlin hat nämlich eine Lösung für den Mangel an Datenspezialisten: In Online-Trainings können Mitarbeiter den professionellen Umgang mit Daten erlernen. Mitgründer und CEO Leo Marose betont die Qualität der Online-Kurse: „Die Teilnehmer bekommen nicht nur Wissen vorgesetzt, sondern lernen sehr praxisnah. Nur zehn Prozent unserer Inhalte sind in Form von Videos dargestellt, in denen Theorie erklärt wird. Für die Ausbildung zum Datenanalysten haben wir eine interaktive Lernumgebung geschaffen, das Stackfuel Data Lab. Dort schreiben die Teilnehmer selbst den Code und machen somit ihre ersten Programmiererfahrungen.“ Mitarbeiter, die einen betriebswirtschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Hintergrund haben und zum Beispiel aus dem Controlling oder Business Intelligence kommen, eignen sich laut Marose am besten für die Weiterbildung.

Fokussiert, berufsbegleitend, günstig

Marose sowie Mitgründer und CTO Stefan Berntheisel, 35, sind überzeugt, dass ihre aktuell vier Weiterbildungsprogramme Potenzial haben. „Datenspezialisten sind zunehmend gefragt. Es gibt noch nicht viele Studiengänge und die Leute verfügen meistens nur über Wissen an Einzelpunkten. Außerdem gibt es bisher kaum Online-Angebote in diesem Segment“, sagt Marose. „Offline-Kurse sind teuer. Sie kosten pro Mitarbeiter zwischen 5.000 und 10.000 Euro und die Mitarbeiter sind vier bis sechs Tage nicht bei der Arbeit. Hinzu kommen Fahrt- und Unterkunftskosten. Unsere Online-Programme sind berufsbegleitend und kosten zwischen 800 und 4.000 Euro. Der Mitarbeiter muss dafür pro Woche vier bis sechs Stunden aufwenden und kann ansonsten seiner Arbeit nachgehen.“ Am Ende erhalten die Trainingsteilnehmer eine Teilnahme-Bestätigung.

Entwickelt werden die Kurse von Data Science-, IT- und Didaktik-Experten. Der 29-Jährige betont: „Wir arbeiten eng mit der Spitzenuniversität FU Berlin zusammen, die die didaktischen Ansätze überprüft. Außerdem haben wir unter unseren Investoren auch den Weiterbildungspionier Frank Mies, der uns mit seiner Erfahrung zur Seite steht.“

Integration von Branchenwissen

80 Prozent des Kursprogramms sind standardisiert. Die restlichen 20 Prozent werden auf einzelne Branchen ausgerichtet. „Was wir aktuell zum Beispiel mit Telefónica machen, kommt auch den Mittelständlern in diesen Branchen zugute, denn fast alle Anwendungsfälle beschränken sich nicht auf die Großkonzerne. Für andere Branchen wie den Maschinenbau oder die Finanzwirtschaft suchen wir momentan noch Pilotkunden, deren Wissen wir in die Programme integrieren möchten“, beschreibt Marose das Vorgehen des Start-ups. „Pilotkunden können uns wichtige Einblicke in die Bedürfnisse ihrer Branche geben und profitieren natürlich auch davon, dass wir ein branchenspezifisches Produkt entwickeln.“ Speziell auf einzelne Unternehmen zugeschnittene Produkte halten die Gründer und ihr Team aktuell nicht für sinnvoll. „Das würde zu teuer, müsste oft erneuert werden und wäre auch nicht mehr skalierbar“, begründet Marose.

Großer Bedarf bei Unternehmen

„Wir haben uns anfangs auf B2C-Weiterbildungsprogramme konzentriert“, erzählt der Gründer. „Als wir unser Programm auf der Learntec in Karlsruhe vorstellten, haben wir schnell bemerkt, dass es vor allem bei Unternehmen, die über alle Branchen und Größen hinweg einen großen Bedarf an Datenspezialisten aufweisen, großes Interesse an unseren Angeboten gab. Also haben wir unsere Programme entsprechend an deren Bedürfnisse angepasst. Mehr und mehr Unternehmer verstehen, dass sie bezüglich Datenanalyse und -nutzung etwas tun müssen und gehen die Sache aktiv an. Oft scheitern sie daran, dass sie auf dem freien Markt keine entsprechenden Mitarbeiter finden. Mit unseren Programmen können sie die eigenen Mitarbeiter weiterentwickeln.“ Die Auszeichnungen, die das junge Unternehmen bisher erhielt, zeigen, dass dieser Weg durchaus Beifall findet. Auf der Learntec, Europas größter Messe für E-Learning, gab es den Start-up Award 2017, auf der Cebit den Sonderpreis Digitale Bildung. Außerdem wurde Stackfuel vor kurzem von der Zeitschrift „The Hundert“ als eines der „100 heißesten Start-ups in Berlin“ ausgezeichnet.

Im Moment konzentriert sich das Start-up auf den deutschsprachigen Markt, doch die Internationalisierung wird fast zwangsläufig kommen, denn die meisten Kunden sind global aufgestellt und tragen die Programme in die internationalen Töchter, zumal es die Kurse bereits in englischer Sprache gibt.

Selbst die Ziele setzen

Stackfuel ist nicht das erste Unternehmen der Gründer und wahrscheinlich auch nicht das letzte. Vor sechs Jahren gründeten die beiden das Online-Magazin „BOXROX.com“ für den Nischensport Crossfit. Mit fünf Mitarbeitern betreute das Team etwa 600.000 Leser, unter den Werbekunden sind nach wie vor Hochkaräter wie Adidas, Reebok oder Nike. Danach arbeiteten Marose und Berntheisel für ein Jahr als Unternehmensberater, Berntheisel konzentrierte sich auf Data-Engineering, Marose auf Analytics und Performance Marketing für Start-ups. „Dabei erkannten wir den enormen Bedarf an Datenspezialisten. Wir erlebten immer wieder, dass die Unternehmen die mit uns begonnenen Projekte nicht fortführen konnten, weil sie keine Fachkräfte fanden. Daraus entstand die Idee für Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter in  Online-Trainings.“ Mit Unterstützung ihres Mentors an der FU Berlin und der EXIST-Gründerförderung setzten die jungen Unternehmer ihre Idee um, damals noch unter dem Namen dataX Academy. Mittlerweile hat das Start-up eine Seed-Finanzierung mit einem mittleren sechsstelligen Betrag abgeschlossen und zählt zahlreiche namenhafte Investoren als Unterstützer. Die Zukunft sehen die Gründer positiv: „Datenwissen ist die Grundlage der Digitalisierung. Wir haben zur richtigen Zeit gegründet, können unsere Ziele selbst bestimmen und etwas bewegen. Unser gesamtes Team in Berlin sowie alle Partner und Investoren sind hoch motiviert, den Bildungsmarkt grundlegend zu verändern.“ (-ap)

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