Franz & Wach: Der Kunde führt die Firma
Andreas Nusko ist Geschäftsführer der Franz & Wach Personalservice GmbH. Er baut das Zeitarbeitsunternehmen zu einer agilen Organisation aus. Sein Ziel: Unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter, die nah am Kunden ihre eigenen Entscheidungen treffen. Foto: Franz & Wach

Franz & Wach: Der Kunde führt die Firma

Die Franz & Wach Personalservice GmbH hat 2014 damit begonnen, das Familienunternehmen in eine agile Organisation umzubauen. Dabei wurde alles infrage gestellt, was Mitarbeiter daran hindert, im Sinne der Kunden noch erfolgreicher zu sein.

„Wir sehen uns in unserer Branche mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, auf die wir immer neue Antworten finden müssen. So sind wir im Rahmen unserer Strategieentwicklung fast schon zwangsläufig auf das Thema Agilität gekommen“, erzählt Geschäftsführer Andreas Nusko, und ergänzt: „Die Mitarbeiter sind in diesem Prozess unser wichtigstes Gut, denn sie müssen letztlich die Strategie umsetzen. Uns war bewusst, dass sie das aber nur dann können, wenn wir sie möglichst frei und zeitnah ihre Entscheidungen an der Quelle treffen lassen, also direkt beim Kunden, der quasi das Unternehmen führt. Das war die damalige Ausgangslage.“ Das Thema wurde zu Beginn über ein Jahr immer wieder mit den Führungskräften sehr intensiv diskutiert. „Dabei mussten wir natürlich mit einem gewissen Fingerspitzengefühl vorgehen, denn mit einem Plus an Agilität geht auch ein gefühlter Machtverlust ihrerseits durch den Abbau von bisher gelebten Hierarchien einher.“ Die Aufgabe der Geschäftsleitung sah Nusko vor allem darin, aufzuzeigen, dass das alte Denken in Hierarchien, klassische Zielvorgaben und herkömmliche Prozesse früher zwar ihre Berechtigung hatten, aber heute nicht mehr den Anforderungen des Marktes gerecht werden.

Flexible Ziele definiert

Das Unternehmen stellte daraufhin alle Prozesse und Vorgaben auf den Prüfstand. Schnell wurde klar, dass man von starren Regelungen Abschied nehmen musste. Dazu gehörten etwa festgeschriebene Leistungsziele, die mit Führungskräften vereinbart wurden und deren Erreichung in der Regel an Prämien gekoppelt war. Heute legen die Mitarbeiter bei Franz & Wach ihre Ziele selbst und flexibel fest. „Starre Planungen über ein Jahr sind sehr spekulativ, zumal externe, kaum vorhersehbare Faktoren die Zielerreichung obsolet machen können, gerade heute in einer sich rasch verändernden Welt“, sagt der Unternehmer. Hingegen würden flexible Ziele, die jedes Team für die nächsten drei Monate selbst definiere und deren Erreichung sie laut Nusko selbst beeinflussen könnten, die Realitäten des Markts besser abbilden. Auch Prämien im klassischen Sinne gibt es im Unternehmen nicht mehr. „Die Jagd nach Prämien kostet den Mitarbeiter viel Energie und Zeit. Dadurch geht ihm viel Arbeitskraft verloren, die eigentlich dem Kunden zu Gute kommen sollte. Ihre positive Wirkung auf die Motivation eines Mitarbeiters ist zudem eher überschaubar.“ Stattdessen setzt das Familienunternehmen auf eine andere Art von Belohnungssystem, das nicht an die Erreichung eines vorher festgelegten Ziels gekoppelt ist, sondern daran, ob ein Mitarbeiter zum Beispiel eine bestimmte Aufgabe besonders gut gelöst hat.

Unbegrenzt bezahlter Urlaub

Sehr konsequent ist man bei Franz & Wach auch die Themen Urlaub und Arbeitszeiten angegangen. „Heute kann jeder Mitarbeiter bei uns so viel bezahlten Urlaub nehmen wie er für richtig hält und zwar ohne schlechtes Gewissen. Zudem gehören feste Arbeitszeiten der Vergangenheit an“, unterstreicht der Unternehmer. Stattdessen gibt es im Unternehmen zwei Regeln, die von allen eingehalten werden müssen: Erstens muss der Kunde zufrieden und zweitens jede Filiale immer besetzt sein. „Mit diesem Modell werden wir auch den Bedürfnissen unserer Kunden besser gerecht, denn diese müssen meistens sehr zeitnah betreut werden, was sich oft mit festen Arbeitszeiten nicht optimal abdecken lässt.“

Als die Geschäftsleitung das Vorhaben damals gegenüber den Mitarbeitern kommunizierte, blickte sie in sehr ungläubige Gesichter: „Die Leute fragten sich natürlich, wo ist da der Haken“, schmunzelt der Unternehmer. Doch schnell wurde allen klar, dass es weniger um ein soziales Unterfangen der Geschäftsleitung ging, sondern jeder Einzelne zur Selbstorganisation gezwungen ist – immer mit Blick auf das Wohl des Kunden. „Viele in der Belegschaft taten sich anfangs mit den neu gewonnenen Freiheiten schwer. Daher war viel Kommunikation und Austausch gefragt, haben wir in diesem Bereich Workshops und Weiterbildungen angeboten.“

Rahmenbedingungen festgelegt

Ganz ohne Vorgaben geht es natürlich auch bei Franz & Wach nicht. Bis auf die rechtlichen und tariflichen Vorschriften, sind diese aber eher allgemeiner Natur. So wurden ein Leitbild und zehn Handlungsprinzipien entwickelt. Sie dienen den Mitarbeitern als Entscheidungshilfen bei alltäglichen sowie strategischen Fragen. „Besonderen Wert legen wir darauf, dass alle in der Belegschaft bemüht sind, in ihren Abteilungen oder Filialen gemeinsam zu entscheiden“, unterstreicht Nusko. Zudem brauche jeder das Rüstzeug, um entsprechend agieren zu können. Das gehe heute weit über eine eigenständige Preiskalkulation in jeder Filiale hinaus. „Wenn einer unserer Mitarbeiter eine richtige Entscheidung treffen soll, braucht er nicht nur technische Mittel wie einen Kalkulationsrechner, sondern vor allem alle dafür wichtigen Informationen.“ Dafür hat das Unternehmen unter anderem ein eigenes Intranet auf die Beine gestellt.

Vergleichen statt kontrollieren

Kontrollen im klassischen Sinne finden bei Franz & Wach nicht mehr statt. An ihre Stelle ist neben einer Vertrauens- und Feedback-Kultur sowie der Überprüfung weniger Kennzahlen eine Art interner Benchmark-Vergleich aller Filialen gerückt, auf dessen Ergebnisse alle Mitarbeiter jederzeit zugreifen können. „Diese Transparenz, dieser relative Leistungsvergleich, hat sich voll ausgezahlt und entfaltet in Bezug auf ein Miteinander seine ganz eigene Wirkung. So können beispielsweise Filialen voneinander lernen, indem sie bei Kollegen nachfragen, wie sie ein bestimmtes Ziel erreicht oder bestimmte Situationen gelöst haben.“ Ein weiteres wichtiges Instrument sind Kunden-, Mitarbeiter- und Bewerberbefragungen.

Alle sind Kollegen

Nusko möchte auch in Zukunft den Prozess hin zu mehr Agilität vorantreiben. Das Ziel sieht er unter anderem in einer Organisation, in der es ähnlich wie bei einem Start-up keine Hierarchien, keine formellen Strukturen mehr gibt und „alle Kollegen sind“. Gefragt nach dem bisherigen Erfolg der Neuausrichtung, sieht sich der Unternehmer in seinem Tun bestätigt: „Wir waren in den vergangenen Jahren mit 30 Prozent der Wachstumstreiber in der Branche und werden vom Markt, Kunden und Fachkräften sehr positiv wahrgenommen. Also werden wir diesen Weg weiter mutig voranschreiten.“ (-hf)

www.franz-wach.de

Tipp: Mehr zum Thema "Agile Organisationen" lesen Sie in der März-Ausgabe von DIE NEWS.

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