Data-Zoo: Spezialisierte Lösungen für Datenmanagement
Dr. Simon Müller, Manfred Kiener und Joachim Rosskopf (v.l.) sind gerade dabei, „Data-Zoo“ zu gründen. Zwei Produkte für den produzierenden Mittelstand bewähren sich bereits in der Praxis.

Data-Zoo: Spezialisierte Lösungen für Datenmanagement

Im Daten-Zoo leben bisher „SparrowBI“ und „AnoFox“. Beide bieten dem produzierenden Mittelstand die fehlenden Bausteine für kostengünstiges und sinnvolles Datenmanagement und Zeitreihenanalyse. Beide Produkte sind an den bereits bestehenden Prozessen ausgerichtet. Manfred Kiener, Dr. Simon Müller und Joachim Rosskopf haben ihre Geschäftsidee aus der Erfahrung heraus entwickelt. Die drei Gründer sind keine Neulinge, sondern schon jahrelang in der IT-, Data Science- und SAP-Beratung unterwegs.

Bei der Arbeit in verschiedenen Unternehmen ist ihnen aufgefallen, dass immer wieder das gleiche Problem auftaucht: „Viele Firmen arbeiten mit SAP und dem SAP Business Warehouse. Das erfordert hohe Investitionen. Möchte man jetzt die Daten aus dem Internet der Dinge mit den Kundendaten zusammenbringen, werden noch mehr Investitionen nötig. Das heißt, die Budgets werden für ein immer wiederkehrendes Problem aufgefressen. Zur Kür kommt es dann gar nicht mehr“, sagt Rosskopf. „Dabei gibt es viel günstigere Lösungen, mit denen man sich auch Experimente leisten kann. Die Firmen planen viel, aber machen letztlich wenig. Die Entwicklung zusätzlicher digitaler Geschäftsmodelle ist eher selten, weil die Kosten oft nicht abschätzbar sind.“

Mehr Entscheidungsfreiheit

Aus diesen Überlegungen heraus haben die Gründer die Software „SparrowBI“ entwickelt, die bereits in verschiedenen Unternehmen und Konzernen eingesetzt wird. „Unser Produkt ist ein Lösungsbeschleuniger für den produzierenden Mittelstand, der einfach und schnell mit den vorhandenen IT-Strukturen verbunden werden kann. Die Software verknüpft das SAP Business Warehouse mit Cloud Services zur Datenverarbeitung und wird von uns als zusätzlicher Service in den Virtual Private Clouds (VPCs), der nach Verwendung abgerechnet wird,  angeboten“, erklärt Rosskopf, der schon seit seiner Schulzeit  ERP-Software programmiert. 

„SparrowBI“ ist nach Angaben seiner Entwickler leicht zu installieren und verlangt den Anwendern keine Umstellung ab. Es nutzt die besten Open-Source-Technologien wie Apache Hadoop und Spark. Die Software passt sich den Gegebenheiten an. Durch die Verwendung von Big-Data-Speicher-Technologie und paralleler Verarbeitung, die in der Cloud skalieren, bietet die Lösung eine Abfrage-Geschwindigkeit vergleichbar mit SAP Business Warehouse Accelerator (BWA) oder Business Warehouse on HANA. Benutzer, die auf Ergebnisse warten, kosten Geld. Durch die bessere Abfrage-Leistung können sehr direkt Kosten reduziert werden. „Open-Source-Produkte kombiniert mit Cloud-Lösungen geben den Unternehmen Entscheidungsfreiheit zurück“, sagt Kiener.

Es ärgert die Gründer, dass die Unternehmen ihre Produkte mit Sensoren ausstatten und unzählige Daten erhalten, die sie nur selten wirklich nutzen können. „Sie müssen teure Lizenzen, oft auch Hardware kaufen, Beraterstunden bezahlen und haben immer noch kein digitales Geschäftsmodell“, sagt Rosskopf. „Am Ende haben sie Millionen von Euro ausgegeben, obwohl sich über Cloud-Lösungen mit wenigen zehntausend Euro mehr erreichen lässt.“ Das sei eine Summe, die es erlaube, auch einmal eine Idee zu verfolgen, die sich dann doch als untauglich erweist. „Das Projekt kann man ohne Bedenken wieder einstampfen, wenn man nicht durch horrende Investitionen paralysiert ist“, betont Rosskopf.

Schlauer Analyse-Fuchs

Das zweite Produkt der drei Gründer funktioniert im Grundsatz ganz ähnlich: Es lässt sich ebenfalls problemlos an bestehende IT-Strukturen anbinden und füllt eine Lücke aus, die ansonsten mit teuren Systemen geschlossen werden müsste. Der „AnoFox“ basiert auf Machine Learning, analysiert Zeitreihen und ermöglicht Vorhersagen. „Wenn ein Unternehmen zum Beispiel 15.000 oder 100.000 Produkte in verschiedenen Regionen vertreibt, enthalten die Zeitreihen die Information, wie viel von welchem Produkt wo verkauft wird. Unsere Software kann gleichzeitig eine große Menge von Zeitreihen  überwachen und erkennt Anomalien“, erklärt Müller. „Auf diese Weise macht  der Algorithmus zum Beispiel sichtbar, ob die Bestände in einem bestimmten Hochregallager ausreichen, wie viel voraussichtlich pro Monat in Brasilien verkauft wird oder ob bei einer Maschine etwas schief läuft und diese gewartet werden sollte. Diese Erkenntnisse erlauben den Unternehmen eine optimierte Planung für ihre Kunden.“

Kurz vor der Gründung

Data-Zoo, wie das Unternehmen der drei Gründer heißen soll, gibt es noch nicht. Dafür sind die Produkte bereits unter realen Bedingungen im Einsatz und haben bewiesen, dass sie gebraucht werden und funktionieren. „Wir befinden uns sozusagen in der fortgeschrittenen Gründung“, schmunzelt Rosskopf. „Unsere Lösungen funktionieren, jetzt geht es darum, die Produkte zu kommerzialisieren. Dafür brauchen wir Investoren, aktuell sind wir mit Family Offices und Firmen im Gespräch.“ Die Zeit sei reif für die Gründung, es gebe einen großen Bedarf und günstige Bedingungen.

Kiener, mit 54 der älteste im Trio, Müller und Rosskopf arbeiten sieben Tage die Woche an ihrer Idee. „Wir können unsere Passion Data Science mit der Arbeit verknüpfen. Besser geht es nicht“, freut sich Rosskopf. Alle drei eint darüber hinaus der Wunsch nach unternehmerischer Freiheit und selbstbestimmtem Arbeiten. „Das Angestelltenverhältnis ist nichts für uns. In den meisten Unternehmen mag man entgegen allen Beteuerungen keine Leute mit vielen Ideen. Ideen bringen Unruhe. Wir kennen viele schlaue Leute, die nach dem Studium in große Unternehmen gegangen sind und nach kurzer Zeit unglücklich waren. Kreativität ist oft nicht gefragt“, sagt Rosskopf. Die Gründer haben sich vorgenommen, hier für ihre zukünftigen Mitarbeiter einiges anders zu machen und ein freieres Arbeitsumfeld aufzubauen. (-ap)

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