Mobile Maschinenbedienung mit Smartwatches
Die Verbindung von Maschinen mit Mitarbeitern über Smartwatches sorgt dafür, dass die Werker über wichtige Änderungen direkt informiert werden, aber trotzdem die Hände zum Arbeiten frei bleiben. (Foto: Universität Stuttgart/Max Kovalenko)

Mobile Maschinenbedienung mit Smartwatches

Erst seit Juli 2016 gibt es das Start-up „aucobo“ und doch setzen neben einigen kleineren Firmen und Modellfabriken Schwergewichte wie Festo in der Fertigung auf die Kommunikationslösung des Neulings. Kein Wunder, denn die „mobile Maschinenbedienung“ via Smartwatch, die das junge Team entwickelt hat, erhöht die Maschinenauslastung, macht schnellere Reaktionen des Bedienpersonals möglich und verbessert die Kommunikation in der Fertigung. Das führt zu Kostenvorteilen, nicht nur durch geringere Standzeiten der Maschinen, sondern auch beim Personal, denn pro Mitarbeiter können mehr Maschinen bedient werden. „In vielen produzierenden Unternehmen gibt es bereits mehr Maschinen als Menschen, sodass einzelne Mitarbeiter häufig mehrere Anlagen zu bedienen haben“, sagt Mitgründer Michael Reutter. „Da selbst mit modernen Maschinen die Mitarbeiter in der Produktion den Mittelpunkt darstellen, muss die Kommunikation auf dem Shopfloor verbessert werden und die Zusammenarbeit der Mitarbeiter untereinander und mit den unterschiedlichen Fertigungs- und Montagezentren stetig optimiert werden. In einer optimalen Produktion sollten sich Werker und Anlagen selbstständig und automatisch organisieren, sodass Wartezeiten minimal bleiben.“

Die Lösung von Aucobo über Smartwatches stellt den Mitarbeitern aktuelle Maschineninformationen mobil zur Verfügung. Die Kommunikation kann von den Bedienern selbst eingestellt und bearbeitet werden. Die Verbindung von Maschinen mit Mitarbeitern über Smartwatches sorgt dafür, dass die Werker über wichtige Änderungen direkt informiert werden, aber trotzdem die Hände zum Arbeiten frei bleiben. Ist ein Mitarbeiter gerade ausgelastet, kann er sich mit den anderen darüber verständigen, wer sich kümmert. Außerdem können die Mitarbeiter auch über Entfernung untereinander kommunizieren. Reutter weist auf einen weiteren Vorteil hin: „Unser System funktioniert über Adapter auch bei älteren Maschinenparks und lässt sich von den eigenen Elektrikern oder Instandhaltern einrichten. Bei großen Anlagen, die über einen Leitrechner verfügen, wird ein Programm installiert, dass die verschiedenen Maschinen-Zustände von der SPS abfragt oder wir vernetzen uns direkt mit übergeordneten Softwaresystemen wie ERP oder MES.“

Fokussiert bleiben

Fragt man die Gründer Michael Reutter und Benjamin Schaich nach ihrer Motivation, ein eigenes Unternehmen zu gründen, steht an erster Stelle die Freiheit, die Dinge selbst zu entscheiden und Ideen schnell umzusetzen. „Außerdem möchten wir unsere eigene Unternehmenskultur verwirklichen“, sagt Reutter. „Darüber hinaus ist im eigenen Unternehmen eine Fokussierung möglich, die so in bestehenden Unternehmen nicht realisierbar ist. Mir wurde oft viel zu viel Zeit mit Reden vertan.“ Dafür nehmen die Gründer persönliche Einbußen in Kauf. „Bis März 2017 wurden wir mit einem Exist-Gründerstipendium gefördert. Zur Zeit erhalten wir Förderung durch das baden-württembergische Programm ‚Junge Innovatoren‘.“ Im zweiten Quartal 2018 möchten sich die jungen Unternehmer auf die Suche nach einem strategischen Investor machen, von dem sie sich neben Geld Unterstützung beim Marktzugang in die produzierende Industrie erhoffen. „Wir arbeiten in einem relativ jungen Feld. Es gibt viele neue Ideen. Am Wichtigsten ist uns aktuell, diesen Businesscase skalierfähig zu machen“, betont Reutter.

Verlockungen von außen widerstehen

Als größten Vorteil von Aucobo sieht der Gründer das breit aufgestellte Netzwerk aus Unternehmen und Forschungsinstituten. Dadurch bekomme das Team neue Entwicklungen frühzeitig mit und könne schnell auf neue Erkenntnisse eingehen. Eine große Herausforderung sei es mitunter, den Verlockungen von außen zu widerstehen. „Wir arbeiten in einem großen Feld und haben eine starke Nische besetzt“, erklärt Reutter. „Wenn ein Großunternehmen auf uns zukommt auf der Suche nach einer sehr speziellen Lösung, ist es schwer abzulehnen. Aber wenn der Auftrag nichts mehr mit den Kernfunktionen unseres Produkts zu tun hat, müssen wir Nein sagen, auch wenn wir viel Geld damit verdienen würden.“ Die zweite große Herausforderung sieht der junge Unternehmer darin, Mitarbeiter zu finden, vor allem im Großraum Stuttgart: „Wir müssen mit unserer Kultur, flachen Hierarchien und der größeren Verantwortung punkten. Jemand, den wir für das Marketing einstellen, ist auch alleine verantwortlich, muss sein Thema vorantreiben und hat dadurch die Möglichkeit wirklich was zu bewirken. Daraus ergibt sich eine steile Lernkurve und man verfügt schnell über viel Erfahrung“, sagt Reutter. Von den etablierten Unternehmen wünscht sich das Gründerteam mehr Mut, Dinge auszuprobieren: „Wir bewegen uns mit unserer Arbeit im Feld von Industrie 4.0. Vieles ist noch ungewiss. Bei neuen Lösungen werden zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten erst im Einsatz erkannt, man lernt viel nur durch ausprobieren und kann so weitere Potenziale schnell heben.“ (- ap)

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