Konkurrenz lauert in der Seitenstraße
Michael Brhel ist seit 2006 Geschäftsführer der Simba Computer Systeme GmbH. Foto: Hendrik Fuchs

Konkurrenz lauert in der Seitenstraße

Die Simba Computer Systeme GmbH mit Hauptsitz in Ostfildern kann bereits auf eine über 27-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Mit Softwarelösungen für Steuerberater fing alles an. Inzwischen ist das Familienunternehmen in vielen anderen Branchen unterwegs.

Die Idee von Steuerberater Dr. Werner Kühnl, eine verlässliche, schnelle sowie anwenderfreundliche Inhouse-Software-Lösung mit neuer Technologie für Steuerberater zu entwickeln, entstand Ende der 80er-Jahre aus der Unzufriedenheit mit den bis dahin erhältlichen Systemen“, schildert der heutige Geschäftsführer Michael Brhel. Zusammen mit zwei Programmierern wurde damals das erste Produkt entwickelt. Dabei wurde von Anfang an auf das schon damals außergewöhnlich schnelle Datenbanksystem „Caché“ aus dem Hause Intersystems gesetzt. „Diese Datenbank ist so leistungsfähig, dass die NASA sie bei der dreidimensionalen Vermessung des Weltraums eingesetzt hat“, betont Brhel. 1990 wurde die Simba Computer Systeme GmbH ins Leben gerufen. Seitdem hat das Familienunternehmen sein Portfolio weiter verfeinert und erweitert, setzt aber nach wie vor auf modular und einfach aufgebaute Lösungen, die bei einem hohen Maß an Standardisierung neben Gesetzeskonformität und Zuverlässigkeit auch vielfältige Individualisierungsmöglichkeiten gewährleisten sollen. „Die Themen Gesetzeskonformität und Verlässlichkeit sind bei einer Lösung für Steuerberater außerordentlich wichtig, denn ein Fehler ist sofort ein Haftungsfall“, unterstreicht der Simba-Chef. Zudem sei Schnelligkeit der Systeme gefragt, da man nicht nur in dieser Branche in fest stehenden Zeittaktungen agieren müsse.

Wachstum auch außerhalb des Kerngeschäfts

Nach wie vor gehören die Softwarelösungen für Steuerberater zum Kerngeschäft der Ostfilderner. Doch nach und nach hat sich das Unternehmen andere Branchen erschlossen: „Unser Portfolio kam so gut an, dass mehr und mehr Gewerbe- und Industriekunden direkt bei uns anfragten und unsere Produkte als Inhouse-Lösungen kauften. Das kam uns natürlich sehr entgegen, denn das verschaffte uns ganz neue Möglichkeiten, außerhalb unseres Kerngeschäftes zu wachsen und in die Fläche zu gehen“, sagt Brhel. Um Wachstum zu generieren und wettbewerbsfähig zu bleiben, greift das Unternehmen kontinuierlich neue Trends auf, um diese in seinen Lösungen zu integrieren. „Unsere Konkurrenten sind heute nicht unsere direkten Mitbewerber, sondern Unternehmen aus ganz anderen Branchen, die in der Seitenstraße auf uns lauern.“ Als Beispiel nennt der Unternehmer die Themen Industrie 4.0 und Big Data. Unternehmen seien immer mehr auf intelligente Businesssysteme angewiesen, die ihnen dabei helfen, aus der ganzen Flut an Daten, die für sie nützlichen herauszufiltern. Und hier bietet Simba laut seinem Chef inzwischen in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling und Planzahlen innovative Lösungen: „Für eine gezielte Massendatenauswertung haben wir in unsere Software nicht nur Business-Intelligence-Komponenten, sondern zusätzlich eine ERP-Lösung integriert. So ist eine sehr schnelle Auswertung von Daten gewährleistet.“ Eine Anbindung an andere Datenbanken über eine Schnittstelle sei ebenfalls möglich.

„Wir liefern die Werkzeuge“

In der Steuerberater-Branche selbst stünden die Zeichen ebenfalls auf Automatisierung und Big Data, würden Entwicklungen wie das elektronische Rechnungsformat „ZUGFeRD“ einen Umbruch in der Branche auslösen. „Einfache Arbeitstätigkeiten wie die händische Eingabe von Daten werden immer weniger gebraucht. Daher sind alternative Tätigkeitsfelder gefragt, wie das externe Controlling und die Beratung mittelständischer Firmen.“ Ausgerüstet mit entsprechenden ERP-Systemen und Business-Intelligence-Komponenten, die mit ausgeklügelten Algorithmen arbeiten, könnten die Berater der Kanzleien ihren Kunden proaktive Auswertungen zur Verfügung stellen, etwa um Konflikte zwischen dem Zahlungsverhalten der Endkunden, Lagerhaltung und Produktion zeitnah zu vermeiden. Aus Sicht von Brhel wird auch das E-Bilanzgesetz den Einsatz entsprechender Softwarelösungen unverzichtbar machen. „Die Finanzverwaltung hat extrem aufgerüstet und fordert von den Unternehmen immer detailliertere Daten an. Dabei stoßen diese aufgrund einer immer größer werdenden Datenmenge an ihre Grenzen. Mehr noch: Es kommt faktisch zu einer Beweislastumkehr. Das heißt, bei Abweichungen von Kennzahlen der Finanzverwaltung sind die Unternehmen gefordert“, unterstreicht der Unternehmer die Brisanz, und ergänzt: „Hier liefern wir die passenden Werkzeuge, die mit ein paar Klicks alle benötigen Daten plausibel und nachweisbar darstellen beziehungsweise mögliche Konfliktfelder aufdecken.“

Gerüstet für die Zukunft

Dem Simba-Chef ist es angesichts dieser Entwicklungen um die Zukunft des Familienunternehmens nicht bange. Eine permanente Beobachtung des Marktes, regelmäßig stattfindende Kundentage, eine Hotline, ein enger Kontakt zum Außendienst sowie ein direkter Draht zu Chef und Führungskräften sollen ebenfalls dazu beitragen, Neuerungen mit hohem Nutzwert für die Kunden schnell umzusetzen. Das geht nicht ohne die passenden Mitarbeiter. „Wir sind permanent auf der Suche nach hellen Köpfen und nach Querdenkern. Wir brauchen Buchhalter, denen die fünfte Stelle nach dem Komma eben nicht egal ist ebenso wie Programmierer, die in der Lage sind, alle Anforderungen in einer modernen und komplexen Technologie präzise umzusetzen.“ Dabei legt das Unternehmen besonderen Wert darauf, dass die Mitarbeiter Know-how im jeweils anderen Gebiet aufbauen, der Programmierer im Idealfall weiß, was handelsrechtlich sinnvoll ist und was nicht. „Dieses fachliche Mitdenken beschleunigt unseren Entwicklungsprozess ungemein“, sagt Brhel. Mitarbeiter gewinnen ist die eine Seite, das Halten die andere. So gibt es bei dem Unternehmen, das nach eigener Auskunft über eine „sehr hohe Frauenquote“ verfügt, zahlreiche flexible Arbeitsmodelle und Möglichkeiten für den Wiedereinstieg.

Die permanent wachsende Mitarbeiterzahl zeigt, dass Vieles richtig gemacht wurde. Derzeit sind es über 80 Beschäftigte, die in der Zentrale in Ostfildern, der Tochtergesellschaft „Simba n³ GmbH“ in Oelsnitz (Vogtland) und in den Niederlassungen in Berlin, Hamburg und Mainz arbeiten. Und auch 28.000 Nutzer, die heute mit den Lösungen aus dem Hause Simba täglich arbeiten, sowie 4.500 Hauptlizenzen sprechen eine deutliche Sprache. (-hf)

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