E-Learning: Wissen vor der Kamera weitergeben
Jens Wilhelm ist Gründer von „neokom.tv“, einer Agentur für E-Learning mit Schwerpunkt Video. Er berät und unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Weiterbildungskultur.

E-Learning: Wissen vor der Kamera weitergeben

Mit der Digitalisierung verändern sich auch Lernen und Weiterbildung. Videos spielen dabei ebenso wie in den sozialen Netzwerken eine besondere Rolle. Jens Wilhelm bringt mit seiner Firma „neokom.tv“ E-Learning via Videos in die Unternehmen.

Die 2016 gegründete Neokom.tv ist nicht das erste Unternehmen Wilhelms. Bereits als Student gründete er eine Firma, mit der er sich das Studium finanzierte. Später verkaufte er es an eine Mitarbeiterin. „E-Learning interessierte mich schon sehr früh und ich wollte mich intensiver damit beschäftigen“, erklärt der Gründer diesen Schritt. Nach einigen Jahren als Marketingleiter in einem Zeitschriftenverlag war es dann so weit, dass Wilhelm Neokom.tv, eine Agentur für E-Learning mit Schwerpunkt Video gründen konnte. Unternehmer zu sein, bedeutet für ihn, Gestaltungsspielraum zu haben und etwas aufzubauen.

Änderung der Weiterbildungskultur

Sobald man mit ihm spricht, wird klar, dass Wilhelm, gelernter Verlagskaufmann mit Master-Abschluss, sein Thema richtig am Herzen liegt. „Ich habe mich schon früh mit E-Learning beschäftigt“, sagt er. „Dabei habe ich schnell begriffen, dass man nicht aus einer technischen Perspektive herangehen darf, sondern den Menschen im Blick haben muss und was für ihn die Veränderung in der Art, wie wir lernen und uns weiterbilden ausmacht. Beginnt ein Unternehmen mit E-Learning, bedeutet das immer auch eine Änderung in der Weiterbildungskultur.“ Unternehmen verfolgten mit E-Learning in der Regel das Ziel, bestehende Weiterbildungsprozesse zu vereinfachen, vorhandenes, betriebsinternes Wissen im Unternehmen zu dokumentieren und damit festzuhalten oder Kompetenzlücken der Mitarbeiter zu schließen. „Doch da Lernen nicht mechanisiert werden kann, darf die Perspektive der Mitarbeiter nicht außer Acht gelassen werden“, betont der 30-Jährige.

Hohe Akzeptanz von Videos

Davon ausgehend, dass ein Lernerfolg nur erzielt werden kann, wenn der Lernende die Inhalte begreift, umsetzen kann und mit Freude an die Sache herangeht, sei es entscheidend, dass sowohl Inhalte, Darbietungsform und Aufbereitung adressatengerecht sind. „Es ist ein Unterschied, ob das Küchenpersonal zum Thema Hygiene geschult oder Projektleiter weitergebildet werden sollen“, sagt Wilhelm. Bewegte Bilder, Videos hätten hohe Akzeptanz in der Weiterbildung, weil viele Mitarbeiter  sie bereits von Youtube & Co. kennen. „Außerdem können Videos, vor allem wenn internes Wissen weitergegeben werden soll, schnell erstellt werden. Mitarbeiter oder Dozenten können ihr Wissen einfach vor der Kamera anbieten“, so der junge Unternehmer.

Man habe zum Beispiel einen Kunden, der eine neue Dienstleistung auf den Markt bringen wolle und dazu eine interne Vertriebsschulung brauchte. „Für diese Aufgabe haben wir Live-Online-Seminare gewählt, die in einem virtuellen Konferenzraum, ganz ähnlich einer Telefonkonferenz in Echtzeit, aber ortsunabhängig durchgeführt wurden“, erzählt Wilhelm. „Zudem haben wir eine zusätzliche Videoschulung in kurzen Sequenzen angeboten, mit der Mitarbeiter in Eigensteuerung gezielt einzelne Inhalte nacharbeiten.“ Wichtig seien die Projektevaluierung und die Legitimation des Lernens durch die Unternehmensleitung, um die Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu fördern. „Wenn Vorgesetzte ‚Filmchen schauen‘ als Freizeitbeschäftigung betrachtet, wird das E-Learning in diesem Betrieb kaum eine Chance haben“, sagt Wilhelm.

Die richtige Mischung macht’s

E-Learning ermöglicht es, externes Wissen in das Unternehmen zu holen und internes Wissen zu behalten, zu verhindern, dass es abfließt. Darüber hinaus können E-Learning-Formate einfach ausgerollt und skaliert werden, sodass auch bei verschiedenen Standorten in mehreren Ländern die Mitarbeiter gleichzeitig dasselbe lernen können. Der Einstieg ins E-Learning ist dabei oft über Pilotprojekte ohne große Investitionen und in kurzer Zeit möglich. „Internes Wissen ist oft bereits in Form von Powerpoint-Präsentationen oder Vorträgen vorhanden. Das lässt sich oft als Grundlage für E-Learning-Formate verwenden“, sagt Wilhelm. Externes Wissen könne man in vielen Bereichen, zum Beispiel bei Compliance oder IT-Themen hinzukaufen und auch passende Software gebe es auf dem Markt. „Wir geben E-Learning-Projekten eine Struktur, indem wir den Kompetenzbedarf feststellen, geeignete Formate definieren und das Projekt bis zur Evaluierung begleiten. Es gibt beim E-Learning kein ‚Konzept von der Stange‘, sondern man muss die richtige Mischung aus verschiedenen Formaten und auch konventionellen Angeboten wie Seminare und Vorträge finden. Wir nennen das Blended Learning. Es geht darum, für die Mitarbeiter den richtigen Mix zu finden“, beschreibt Wilhelm seine Vorgehensweise.

Um die richtige Mischung geht es auch im eigenen Unternehmen, denn bei nNeokom.tv arbeiten unterschiedliche Spezialisten, zum Beispiel aus den Bereichen IT, Video und Didaktik, oft  Freelancer, zusammen. „Es geht darum, für jedes Projekt das richtige Maß an Knowhow zusammenzubringen“, erklärt Wilhelm.

www.neokom.tv

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