Die Straße wird grün - in drei Jahren zum Marktführer
Daniel Krauss, Jochen Engert und André Schwämmlein (v.l.) haben „FlixBus“ gegründet.

Die Straße wird grün - in drei Jahren zum Marktführer

Am 13. Februar 2013 startete „FlixBus“ in München. Drei Jahre später wurde das Unternehmen vom Bundesamt für Güterverkehr „mit rund 64 Prozent bezogen auf das Fahrtenangebot“ als Marktführer identifiziert. Durch zwei weitere Übernahmen liegt der Marktanteil im Fernbusliniengeschäft mittlerweile bei über 90 Prozent.

Jochen Engert, der das Unternehmen gemeinsam mit Daniel Krauss und André Schwämmlein gründete, sieht für den Erfolg mehrere Gründe. „Wir haben das richtige Geschäftsmodell, das wir gemeinsam mit unseren mittelständischen Partnern verwirklichen. Unser Erfolg basiert auf der Digitalisierung eines traditionellen Verkehrsmittels“, sagt er. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir wirklich gut können: die Technologie rund um die Plattform. Wir treffen schnelle unternehmerische Entscheidungen. Die Geschwindigkeit und die Kombination aus Technologie-Start-up und klassischen Verkehrsunternehmen ermöglichen es uns, sogar mit großen Konzernen in den Wettbewerb zu treten.“ Flixbus übernimmt mit den Standorten in München und Berlin Technologieentwicklung, Netzplanung, Betriebssteuerung, Geschäftsentwicklung, Marketing und Vertrieb und kümmern sich um den Kundenservice,  Qualitätsmanagement und die Weiterentwicklung des Produkts. 250 regionale Buspartner – häufig Familienunternehmen in dritter Generation – verantworten den täglichen Linienbetrieb und die grüne Flixbus-Flotte.

Unternehmerischer Drang

2009 sind Engert und seine Mitgründer über eine Passage im Koalitionsvertrag der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition gestolpert: „Dort stand, dass der Busfernlinienverkehr liberalisiert und dazu § 13 PBefG geändert würde.“ Bis dato unterlag der Markt erheblichen Restriktionen. Nach Gesetzeslage konnte ein fahrplanmäßiger Busverkehr grundsätzlich nicht genehmigt werden, wenn eine parallele Eisenbahnverbindung vorhanden war. „Wir fanden es ungeheuer spannend, in einer relativ konservativen Industrie mit moderner Technik ein neues Geschäftsmodell zu etablieren“, sagt Engert. „Und obwohl uns viele rieten, es bleiben zu lassen, gaben wir unserem unternehmerischen Drang nach.“ Das Konzept überzeugte. Namhafte Investoren beteiligten sich an dem Unternehmen. Heute unterhält Flixbus 120.000 tägliche Verbindungen zu rund 1.000 Zielen in 21 Ländern, in Dänemark,  Frankreich, Italien, Kroatien, den Niederlanden und Österreich nationale Netze. Seit dem Start der grünen Linien konnten 60 Millionen Kunden und 250 Bus-Partner mit rund 5.000 Fahrern gewonnen werden.

Start-up und Mittelstand gemeinsam

Engert ist stolz auf die Zusammenarbeit mit den Mittelständlern: „Wir bringen Innovation, Start-up-Spirit mit  Qualität aus Tradition zusammen.“ Natürlich gebe es hin und wieder Diskussionen über die Fahrpreise, doch die bestimme allein der Kunde. „Letztlich geht es nicht um den Preis, sondern um den Umsatz. Dafür sorgt der Preis, kombiniert mit einer ausreichenden Anzahl an Fahrgästen. Je stärker die Busse ausgelastet sind, desto besser für uns, unsere Partner und die Umwelt“, sagt der Gründer. „Das erreichen wir durch eine Algorithmen-basierte Planung. Außerdem geben wir unseren Partnern Auslastungsgarantien und tragen damit einen großen Teil des Risikos.“ Auch die Sicherheit der Passagiere werde groß geschrieben. Das Unternehmen gehe weit über den gesetzlichen Rahmen hinaus: „Unsere Partner sind mit modernen Bussen unterwegs, die über diverse technische Innovationen wie Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme verfügen. Es gibt Trainings für die Fahrer und auf Nachtlinien eine Doppelbesetzung, damit sich die Fahrer abwechseln können, sollte einer müde werden.“

Wachstum im Schweinsgalopp

Neben den mittelständischen Partnern und ihren Mitarbeitern seien selbstverständlich auch die eigenen Mitarbeiter für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich. „Wir haben mit einem ganz kleinen Team und wenig Mitteln begonnen. Heute sind wir schon fast ein Konzern und  haben mehr als 1.000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten“, sagt Engert. „Wir sind im Schweinsgalopp durch die Organisations- und Unternehmensentwicklung gerannt. Irgendwann musste das erste Orga-Chart gezeichnet und Prozesse beschrieben werden. Es musste dafür gesorgt werden, dass alle Mitarbeiter die für ihre Arbeit relevanten Daten haben und vieles mehr. Die Kultur, die im Laufe der Zeit entstanden ist, entwickeln und pflegen wir aktiv. Wir tragen unsere Werte immer wieder in die Teams, damit sie auch den neuen Mitarbeitern bekannt sind: Wir denken vom Kunden aus, gehen Risiken ein und lernen aus unseren Fehlern. Wir sind mit Leidenschaft bei der Sache, genau wie unsere Buspartner. Unsere Werte stärken den Zusammenhalt und verhindern, dass wir in überflüssiger Bürokratie versinken.“

Grüne Mobilität im Fokus

Mit der Vision einer „grünen und smarten Mobilität, die es jedem ermöglicht, die Welt zu entdecken“ verfügen die Mitarbeiter über einen starken Antrieb, der weit über finanzielle Ziele hinausgeht. „Ich wünsche mir auch in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein für die Vorteile des Reisens mit Bussen“, sagt Engert. „Fernbusse sind sozial und günstig, darüber hinaus extrem umweltfreundlich. Über den Pkw brauchen wir gar nicht zu sprechen. Um die Insassen eines Busses in Pkw zu transportieren, würde man 20 bis 30 PKW brauchen.“ Und auch die Bahn sei – zumindest aktuell – keine Konkurrenz, denn sie verbrauche jede  Menge Strom und der komme größtenteils noch immer aus fossilen Brennstoffen. Mit dieser Aussage steht Engert nicht allein, denn auch verschiedene Studien, zum Beispiel des Verkehrsclubs Deutschland (VDC), kommen zu diesem Ergebnis. Wegen der hohen Auslastung schneidet der Reisebus beim Umweltvergleich sogar besser ab als die Bahn.

„Solange das Auto noch für 80 bis 90 Prozent des Verkehrs verantwortlich ist, haben wir in unserem Kernmarkt, dem Fernbusverkehr nach Fahrplan, noch viel Potenzial. Aktuell nehmen wir 50 neue Städte in unser Angebot auf. Wir expandieren in der Fläche. So profitieren auch Klein- und Mittelstädte, die bisher noch keinen Anschluss hatten“, sagt Engert. Neben dem Fernbus-Linienverkehr sei auch das Charter-Geschäft ein spannender Markt, in den man 2016 eingestiegen sei. Langfristig gesehen gehe es aber um die Zukunft der Mobilität, so der Geschäftsführer. „Der Bus wird darin eine große Rolle spielen. Er ist effizient und umweltfreundlich und wir haben mit Flixbus eine starke Marke.“ (-ap)

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