Patienten im Fokus: Starker Antrieb fördert Wachstum
Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Dirk Biskup sind Gründer der Cegat Gmbh. 2011 gewann das Unternehmen den Deutschen Gründerpreis, 2013 wurde es „Entrepreneur des Jahres“. 2014 erhielt Saskia Biskup den EU-Innovationspreis für Frauen der Kommission für Forschung, Innovation und Wissenschaft. 2016 gewann das Unternehmen den Landespreis Baden-Württemberg für junge Unternehmen.

Patienten im Fokus: Starker Antrieb fördert Wachstum

Die Tübinger „CeGaT GmbH“ ist kein klassisches digitales Start-up, sondern ein humangenetisches Diagnostiklabor, gegründet von der Ärztin und Humangenetikerin Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Dirk Biskup. Das Ehepaar hat eine innovative Anwendung für die Hochdurchsatz-Sequenziertechnologie entwickelt, mit der erstmals umfassende Erbgutanalysen möglich wurden, mit denen krankheitsverursachende Veränderungen im Erbgut aufgedeckt werden. Damit wird die individuelle Behandlung von Patienten möglich. Die Methode wird auch in der Tumor-Diagnostik und -Behandlung eingesetzt. Damit lässt sich die wirksamste Therapie finden und Nebenwirkungen verringern. Unnötige oder unwirksame Chemotherapien werden den Patienten auf diese Weise erspart.

Gegen den Trend

Bei Cegat wird vieles anders gemacht als bei anderen schnell wachsenden Organisationen. So hat das Unternehmen zum Beispiel 2014 ein eigenes Labor- und Bürogebäude mit knapp 4.000 Quadratmetern auf vier Geschossen gebaut. Im obersten Stockwerk befinden sich lichtdurchflutete Aufenthalts- und Meetingräume sowie eine Küche für die Mitarbeiter. Im Sommer stehen auf der Terrasse Bierbänke und der Blick schweift weit über die Schwäbische Alb und den Schönbuch. „Wir konnten das Gebäude ganz nach unseren Vorstellungen und Bedürfnissen bauen. Durch Sonnenkollektoren an der Südwand und auf dem Dach leisten wir einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit“, sagt Dirk Biskup. „Nicht zuletzt ist ein schönes, zweckmäßiges Gebäude auch ein Anreiz für die Mitarbeiter, mit größerer Lust zur Arbeit zu kommen.“

Das Unternehmen arbeitet mit 120 festangestellten Mitarbeitern, von denen rund 70 promoviert sind. „Sie alle machen einen tollen Job, vom Hausmeister über Programmierer und Laboranten bis zu den Wissenschaftlern“, sagt Biskup stolz. „Unsere Arbeit ist sehr verantwortungsvoll. Es geht um kranke Menschen. Wir brauchen Mitarbeiter, die eigenständig denken und Projekte entwickeln. Wir arbeiten zwar mit automatisierten Prozessen, aber nur dort, wo es sinnvoll ist. Am Ende des Prozesses, bei der Befunderstellung sind qualifizierte Molekularbiologen und Mediziner unersetzlich. Sie werden zwar unterstützt durch Datenbanken und folgen festgelegten Prozessen, doch warum ein Patient krank ist, können Maschinen allein nicht herausfinden.“

Mit großer Ehrlichkeit

Auf die Frage nach dem Geheimnis des Erfolgs gibt es keine einfache Antwort. „Sicherlich spielt unser hoher Grad an Ehrlichkeit in der Kommunikation mit Mitarbeitern und Partnern eine große Rolle“, ist Biskup überzeugt. „Wir gehen mit Fehlern offen um. Fehler haben keine Sanktionen zur Folge. Wir versuchen, eine angstfreie Umwelt zu schaffen, sonst gibt es keine Innovationen. Gleichzeitig sind wir bemüht, möglichst keine Fehler zu machen, denn es geht bei uns immer um Menschen und ihre Gesundheit.“ Deshalb gibt es Routinen, ständige Validierung, ein ausgeklügeltes Qualitätsmanagement nach deutschen und den strengeren amerikanischen Standards. Systematik und Dokumentation werden groß geschrieben. „Wir verfolgen einen Groß-Panelansatz, das heißt, wir untersuchen mit hoher Geschwindigkeit viele hundert Gene gleichzeitig. Früher hätte  die Untersuchung von 100 Genen mindestens 50 Monate gedauert und 250.000 Euro gekostet. Wir machen das quasi über Nacht für einen Bruchteil des Betrags“, erklärt Biskup. „Durch die gleichzeitige Untersuchung so vieler Gene ist die Wahrscheinlichkeit, die genetische Ursache einer Erkrankung zu finden, um ein Vielfaches höher als früher.“ Natürlich gebe es inzwischen Nachahmer und die Konkurrenz werde immer besser, deshalb seien Qualität und Geschwindigkeit entscheidend. „Unser Erfolg ist die zuverlässige Diagnosestellung“, so Biskup. Durch den strategischen Partner B. Braun Melsungen, der sich 2012 mit 20 Prozent an Cegat beteiligte, konnte das internationale Wachstum frühzeitig begonnen werden, ein Vorsprung vor den Mitbewerbern.

Neue Geschäftsfelder und Forschung

Zwölf Millionen Euro Umsatz hat allein die Cegat 2016 gemacht. Hinzu kommen drei Tochtergesellschaften. Die 2015 gegründete „Cenata“ bietet einen nicht-invasiven Pränatal-Test zum Nachweis kindlicher Chromosomenstörungen an. Dafür muss der Mutter nur Blut abgenommen werden. Nach drei Arbeitstagen liegt das Ergebnis vor. Bei der Tochter “CAG“, Center for Animal Genetics, werden genetische Erkrankungen bei Tieren nachgewiesen, wichtig für Zucht, Abstammung und Identifikation von Tieren. Ebenfalls 2015 wurde „CeMeT“ gegründet, Center for Metagenomics“, an dem auch drei renommierte Tübinger Professoren und Asklepios beteiligt sind. „Wir erforschen, welchen Einfluss Mikroben (Bakterien, Viren, Pilze etc.) auf unsere Gesundheit haben. Das ist noch nicht für die Diagnostik verwendbar. Es geht um die Medizin der Zukunft“, sagt Biskup.

Teilnehmer für Forschungsprojekt gesucht

Die „CeMeT“ hat das weltweit größte Forschungsprojekt für Mikroben ins Leben gerufen. Dafür sucht sie 10.000 Teilnehmer. „Der menschliche Körper ist mit einer großen Anzahl von Bakterien besiedelt. Die meisten davon sind in unserem Darm zu finden“, erklärt Biskup. „Für unsere Gesundheit sind diese Bakterien enorm wichtig. Sie schulen unser Immunsystem und übernehmen Aufgaben wie die Verdauung von Nährstoffen.“  Allerdings schwankt die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms sowohl von Mensch zu Mensch als auch bei einem einzelnen Individuum im Lauf der Zeit. Die Schwierigkeit ist es daher, herauszufinden, welche Schwankungen normal und welche auf eine vorhandene oder künftige Erkrankung hindeuten. Auch welchen Einfluss Ernährung, die Einnahme von Medikamenten oder das Alter haben, ist weitgehend unbekannt. Im Projekt „Tübiom“ möchten die Wissenschaftler das Darm-Mikrobiom untersuchen, herausfinden und verstehen, welche Zusammenhänge es zwischen der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms und der menschlichen Gesundheit gibt. Die Studienteilnehmer sollen einen Fragebogen ausfüllen und eine Stuhlprobe abgeben. Mit den Ergebnissen wird eine Referenzdatenbank aufgebaut, die erste Analysen zum Einfluss ausgewählter Faktoren auf das Darm-Mikrobiom ermöglicht.

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