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Mittler zwischen Nachwuchs und Unternehmen

Familienunternehmen, Ausbildungsvermittlung

Immer lauter tönt die Klage über fehlende Fachkräfte und zu wenig Nachwuchs. Trotzdem sind viele junge Menschen arbeitslos oder finden keinen Ausbildungsplatz. Ein Berliner Familienunternehmen setzt an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf an.

Jacqueline und Andreas Lauk haben das Unternehmen 2006 gegründet. Die Geschäftsführerin, die aus der Personalentwicklung kommt, sagt: „Viele Jugendliche sind nicht ausreichend über ihre Möglichkeiten informiert. Wenn sie keinen Ausbildungsplatz bekommen, geben sie oft auf. Wir zeigen ihnen, dass es trotzdem weitergeht und unterstützen sie bei dem Weg in einen Beruf.“

Junge Menschen weiterbringen

Janine ist ein typischer Fall für die Mitarbeiter von „Blinker – Agentur für Ausbildung“. Sie begann eine Friseurlehre als Vorbereitung auf eine Ausbildung zur Maskenbildnerin – ihr Traumberuf. Nach kurzer Zeit stand fest, dass sie die Ausbildung aufgrund einer Allergie nicht fertig machen konnte. Bei der Agentur für Arbeit machte man der jungen Frau keine großen Hoffnungen, aber sie bekam Hartz IV. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte“, sagt Janine. „Viel Beratung gab es nicht, nur ein Online-Bewerbungstraining, das mich auch nicht weiterbrachte.“ Kein Einzelfall: „Diese Erfahrung machen wir immer wieder“, sagt Jacqueline Lauk. „Die jungen Leute brauchen eigentlich Information und Orientierung, manchmal auch Coaching. Aber ohne abgeschlossene Berufsausbildung kommen sie nicht weiter.“

Familienunternehmen, Ausbildungsvermittlung

Andreas Lauk

„Der Kreis der so genannten Altbewerber wächst jährlich um 150.000 bis 200.000 junge Leute. Zur Zeit sind in Deutschland 2,5 Millionen junge Leute unter 25 Jahren ohne Ausbildung“, sagt Andreas Lauk. „Es darf nicht sein, dass so viele junge Menschen aus dem System fallen. Ohne Ausbildung bekommen sie keinen festen Job, zahlen keine Steuern und kosten den Steuerzahler viel Geld, weil sie alle auf Hartz IV angewiesen sind. Keine Volkswirtschaft der Welt kann sich das auf Dauer leisten.“ Janine hat durch die Vermittlung von Blinker mittlerweile eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin und eine erste Qualifizierung für den Bereich Modedesign hinter sich. Das Team hat ihr jetzt ein einjähriges bezahltes Praktikum bei einem Berliner Modedesigner verschafft. „Wenn ich dort einen guten Eindruck hinterlasse, kann ich übernommen werden“, sagt sie. „Parallel kann ich das Fachabitur machen. Durch Blinker bin ich schon erheblich weiter gekommen.“

Möglichkeiten eröffnen

Das Unternehmen spricht die jungen Menschen über ein vertrautes Medium an.

Familienunternehmen, Ausbildungsvermittlung

Die Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin hat sie auf einer privaten Fachschule absolviert, die ihr von den Mitarbeitern bei Blinker nach einem eingehenden Gespräch und ausführlicher Beratung empfohlen wurde. Sie hat sogar dort, außerhalb Berlins in Angermünde, im Internat gewohnt. „Natürlich kostet die Schule Geld“, sagt Andreas Lauk. „Deshalb kommen die meisten Jugendlichen gar nicht auf die Idee, dass das eine Möglichkeit für sie ist. In der Regel haben weder sie noch ihre Eltern Geld übrig. Doch wir helfen ihnen dabei, staatliche Unterstützung wie BAfög zu bekommen. Es ist allemal besser, die jungen Menschen während einer Ausbildung zu unterstützen statt sie jahrelang zu alimentieren, ohne dass sie Aussicht auf eine Arbeit haben.“ Keine Arbeit zu haben, mache mutlos und grenze aus, sind die beiden Unternehmer überzeugt. „Mit der Vermittlung einer qualifizierten schulischen Ausbildung bringen wir die jungen Menschen auf den Weg zu einer Arbeitsstelle. Sie fassen wieder Mut und entwickeln Selbstbewusstsein.“

Natürlich leistet das Unternehmen die Hilfestellung nicht uneigennützig. „Wir möchten ganz klar auch etwas verdienen“, sagt die Geschäftsführerin. „Doch das Geld kommt nicht von den jungen Leuten, sondern von den Schulen, an die wir sie vermitteln.“ Die Lauks legen Wert darauf, dass sie keine Schule bevorzugen, sondern im Interesse der Ausbildungssuchenden handeln. „Wir verlangen von allen Schulen dasselbe Vermittlungshonorar. Auf diese Weise kommen weder wir noch unsere Mitarbeiter in Versuchung, eine Schule zu bevorzugen. Es gibt fast 2.000 berufsbildende Privatschulen. Es kann nicht sein, dass sie bei den Überlegungen für eine Ausbildung außen vor bleiben.“

Die Qualität der Ausbildung zählt

Die Erfolge sprechen für sich. Zwischen 75 und 100 Prozent derer, die die Lauks und ihre Mitarbeiter an eine Schule vermitteln, finden einen Arbeitsplatz, bei informatikbezogenen Ausbildungsgängen sogar 100 Prozent. Außerdem sind viele Ausbildungsgänge mit einem höheren Schulabschluss verbunden. „Die meisten Schulen verlangen heute Praktika in Unternehmen“, sagt Andreas Lauk. „Dadurch knüpfen die Schüler wertvolle Kontakte, die ihnen später Türen öffnen.“ Als Gründe für den Erfolg sehen die Lauks nicht nur die ausführliche Beratung und Begleitung – „wir erstellen mit den jungen Leuten sogar einen Kostenplan für ihre Schulzeit“ –, sondern auch, dass sie durchaus Ansprüche an ihre Kunden stellen. „Wer seine Chancen noch nicht abgeklopft und keine Bewerbungen geschrieben hat, dem empfehlen wir erst einmal, dies zu tun“, sagt Andreas Lauk. „Die meisten wollen etwas tun, wissen aber nicht, wie sie ans Ziel kommen. Wir vermitteln ihnen, dass es gilt, einen Arbeitsplatz zu erobern und dass nicht das Geld die oberste Priorität haben darf, sondern die Qualität der Ausbildung.“

Auf Expansionskurs

Familienunternehmen, Ausbildungsvermittlung

Jacqueline Lauk

Da das Unternehmen eine Dienstleistung für junge Menschen anbietet, hat es auch das Medium gewählt, das den meisten von ihnen vertraut ist: das Internet. Der ehemalige Fernsehjournalist Andreas Lauk nutzt seine Berufserfahrung, um kurze Infofilme über das Unternehmen, aber vor allem über Schulen, Ausbildungsgänge und -möglichkeiten ins Netz zu stellen. Auch Spots, in denen sich Bewerber vorstellen, sind vorgesehen. „Unsere Kunden können sich auf Blinker-TV so erste Vorabinformationen holen, bevor sie zur persönlichen, intensiven Beratung zu uns kommen.“ Mittlerweile verzeichnet Blinker-TV stolze 50.000 Klicks pro Tag. Mit Büros in Köln und Hamburg ist das Unternehmen auf Expansionskurs gegangen. „Uns ist wichtig, dass wir bundesweit beraten können“, sagt Jacqueline Lauk. „Gerade die jungen Menschen aus Berlin und den neuen Bundesländern sind sehr mobil und flexibel. So können wir die besten Möglichkeiten für sie finden.“

Expansion betreibt Blinker auch noch in eine andere Richtung. „Wir wünschen uns mehr Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, damit wir unsere Absolventen nicht nur in Privatschulen unterbringen können, sondern auch in dualen Ausbildungsgängen oder ihnen noch stärker beim Finden eines Arbeitsplatzes behilflich sein können.“ Gerade für kleinere Unternehmen sei die neue Dienstleistung interessant, sind die Lauks überzeugt: „Wir können mehr leisten als eine Personalberatung. Wir lernen die Bewerber nicht nur intensiv kennen, sondern haben viele von ihnen auch durch die ganze Ausbildungs- und Qualifizierungsphase begleitet. Damit können wir aus einem Pool schöpfen, der vielen Unternehmen gar nicht zur Verfügung steht. Kleinere Unternehmen haben darüber hinaus oft nicht die Personal- und Zeitressourcen, die nötig sind, um eine solide Bewerberauswahl zu treffen.“ Erste Schritte sind getan. Seit kurzem arbeitet das Unternehmen mit der Dorint-Hotelkette zusammen.

Auf Blinker-TV können sich Bewerber Vorabinformationen holen.

Familienunternehmen, Ausbildungsvermittlung

„Die Welt hat sich geändert, mit ihr die Wirtschaft und die Anforderungen der Arbeitgeber“, sagt Andreas Lauk. „Der Schulbetrieb hat dabei nicht mitgehalten. Außerschulische Fähigkeiten kommen viel zu kurz. Wirtschaftskunde aus der Perspektive eines Unternehmers fehlt völlig. Außerdem stimmt auch die Welt innerhalb der Familien nicht mehr. In diese Lücke gehen wir mit unserem Geschäftskonzept, denn die wichtigste Basis für ein erfolgreiches Leben ist nach wie vor die Ausbildung.“

www.blinker1.com
www.blinkertv.de