Buchvorstellungen

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Vom Loslassen und Zupacken

Vom Loslassen und Zupacken

So der Titel des 17. Heftes in der Schriftenreihe des Kirsten Baus Instituts für Familienunternehmen. Dr. Bettina Daser, seit 2011 als Beraterin des Instituts tätig, befasst sich in dieser Schrift mit den „Rahmenbedingungen der Unternehmensübergabe“, also mit der Nachfolgeproblematik in Familienunternehmen. Zu diesem Thema hat Dr. Daser bereits am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main geforscht und beraten.
Die Autorin setzt sich, wie der Titel schon andeutet, vor allem mit den Befindlichkeiten von Senior und Junior bei der Unternehmensübergabe auseinander und macht praktikable Vorschläge zur Überwindung eventueller Probleme. Letztlich könne der Junior wohl nur zupacken und das Unternehmen tatsächlich übernehmen, wenn es dem Senior gelinge loszulassen. Neben einer Family Governance und Regeln für die Zusammenarbeit von Senior und Junior empfiehlt Dr. Daser zu gegebener Zeit ein Zäsur, die sich auch darin ausdrücke, dass der Senior nach der Übergabe der Geschäftsführung 100 Tage lang nicht in die Firma komme. „100 Tage sollten dem Junior fürs Zupacken reichen“; so die Beraterin.

www.familienstrategie.de

Family Business Governance

Family Business Governance

Was macht die erfolgreiche Führung eines Familienunternehmens aus? Die Autoren des soeben in der 2. Auflage erschienen Buches „Family Business Governance“ sehen vor allem in einer durchdachten Organisation von Führung, aber auch in der Kontrolle im Unternehmen sowie der Sicherung des Zusammenhalts der Familie wesentliche Bausteine hin zu einer nachhaltigen Unternehmensführung. Wie sich eine solche „spezifischen Strategie für die Inhaberschaft“ entwickeln und realisieren lässt, beschreiben Wissenschaftler und Familienunternehmer in ihren Beiträgen. Besonders gut ist es den Herausgebern wieder gelungen, die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen: Unternehmer erzählen in Interviews, wie sie das Thema Governance umgesetzt und an ihr Unternehmen angepasst haben. Interviewpartner sind unter anderem Bettina Würth, Vorsitzende des Beirats der Würth-Gruppe, Reinhard Zinkann, geschäftsführender Gesellschafter von Miele, und Dr. Jürgen Heraeus, Aufsichtsratsvorsitzender der Heraeus Holding GmbH. Der Leser erfährt hautnah, auf welche Details er achten sollte, wo Gefahren lauern könnten. Auch der vom Verband „Die Familienunternehmer“ mitentwickelte Governance Kodex für Familienunternehmen wird vorgestellt.

Von den Aufsichtsgremium über die Interne Revision und Gesellschafterversammlung bis hin zum Konfliktmanagement – zahlreiche Aspekt der Governance werden genau beleuchtet und verständlich dargestellt. Der Best-Practice-Ratgeber ist daher jedem Familienunternehmen wärmsten zu empfehlen.

Dr. Alexander Koberle-Schmid, Hans-Jürgen Fahrion, Prof. Dr. Peter Witt:
Family Business Governance – Erfolgreiche Führung von Familienunternehmen,
Erich Schmidt Verlag, ISBN 978-3-503-136-37-7; EUR 79,95.

Strategien langfristig erfolgreicher Familienunternehmen

Strategien langfristig erfolgreicher Familienunternehmen

Im Oktober wurde das Buch „Große deutsche Familienunternehmen“ von der Stiftung Familienunternehmen und dem Wittener Institut für Familienunternehmen präsentiert. Die in diesem Werk vorgestellten 50 großen Familienunternehmen haben es geschafft, Kriegen und Krisen zu trotzen und ihre Unternehmen über Generationen hinweg an der Weltspitze zu halten. Namen wie Faber-Castell, Bertelsmann oder Dr. August Oetker stehen für Unternehmen, die im Laufe ihres Werdens vor allem auf Nachhaltigkeit, statt auf den kurzfristigen Erfolg gesetzt haben. Die Autoren, darunter Markus Plate, Torsten Groth und Prof. Dr. Arist von Schlippe vom Wittener Institut für Familienunternehmen, gehen den Fragen nach, was die Verbindung von Familie und Firma so erfolgreich macht und welche Strategien dahinterstecken, gerade wenn es um das Thema Nachfolge geht? Der Leser erhält einen Einblick in die spannenden Geschichten von Traditionsunternehmen, erfährt wie diese heute agieren und die Zukunft sehen. Abgerundete werden die Unternehmensgeschichten mit einem Theorieteil und neuesten Forschungsergebnissen rund um Familienunternehmen.

Markus Plate, Torsten Groth, Arist von Schlippe, Volker Ackermann: Große deutsche Familienunternehmen.
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-525-40338-9; Euro 49,95

Das Richtige tun

Das Richtige tun

Winfried Neun, Wirtschaftspsychologe und Geschäftsführer der K.O.M. Kommunikations- und Managementberatungs GmbH, erklärt in seinem Buch, weshalb es uns so schwerfällt, das Richtige zu tun. Verständlich und unterhaltsam beschreibt er, weshalb uns unser Gehirn gerade dabei oft im Weg steht und wie man dieses Wissen dazu nutzen kann, in Unternehmen gute Entscheidungen zu treffen. Den Homo Oeconomicus gibt es nach Ansicht von Neun nicht. Und besonders rational handeln wir auch nicht. Entscheidend für unser Verhalten und die Art und Weise, wie wir die Fakten bewerten und Entscheidungen treffen sind eher unsere Stimmungslage und unsere vom Hirn gesteuerten Eigenschaften. Unsere Stimmungslage, vergangene Erfahrungen, Beeinflussung von außen und nicht zuletzt unser Reptiliengehirn bringen uns immer wieder dazu, vor Veränderungen zurückzuschrecken, Entscheidungen aufzuschieben und in Angst zu verharren. Für Unternehmen sind nach Ansicht von Neun nicht mehr Technologie, mehr Kapital oder bessere Rahmenbedingungen gefragt, sondern mehr Mut, ein realistischeres Bild von uns selbst und ein Paradigmenwechsel im Führungsverständnis. Eine wesentliche Rolle spielen dabei der Umgang mit Fehlern und dem Lernen. „Nur wenn wir verstehen, dass wir Menschen durch Fehler auch lernen können und es keine Schande ist, Fehler offen zuzugeben, dann werden wir mutiger und freier in dem, was wir tun und was wir leisten“, schreibt Neun. Statt einer Philosophie des „entweder – oder“ empfiehlt er eine Philosophie des „sowohl als auch“. Sie setze ein kreatives Querdenken voraus und ermögliche es, neue Wege zu erkennen. „Dies zuzulassen und aktiv zu fördern, bildet einen wesentlichen neuen Wert für viele Unternehmen“, so Neun weiter. „Dabei geht es nicht um eine plakative Zurschaustellung einer kreativen und liberalen Unternehmenskultur, sondern um den aktiven Arbeitsprozess des Querdenkens. Dieser basiert auf den Erkenntnissen der Psychologie und vereint ökonomische Notwendigkeit mit psychologischer Machbarkeit.“

Die Redaktion meint: unbedingt lesen. Bietet einen echten Mehrwert.

Warum es uns so schwerfällt, das Richtige zu tun.
Die Psychologie der Entscheidungen
Business Village, ISBN 978-3-86980-112-4, € 24,80

Der Weg zu den Besten

Der Weg zu den Besten

Der amerikanische Autor Jim Collins befasst sich in diesem Buch mit der Frage, weshalb es einigen Unternehmen gelingt, zu Spitzenunternehmen zu werden und anderen nicht. Er bezeichnet diese Unternehmen als Take-off-Unternehmen. Ohne die notwendigen Fähigkeiten, ohne finanzielle Mittel und ohne Begeisterung ist laut Collins der Weg unter die Besten verbaut. Als eine weitere entscheidende Voraussetzung für Spitzenleistungen betrachtet er die Unternehmenskultur, die Managern und Mitarbeitern Handlungsspielräume lässt und in der alle Verantwortung übernehmen. Der solide Aufstieg zur Spitze sei immer ein längerer, evolutionärer Prozess, kein plötzlicher, sprunghafter Durchbruch. Der Autor nennt diesen Prozess das „Prinzip des Schwungrads“. In der Regel habe es bei den Take-off-Unternehmen keine Revolutionen oder großartigen Restrukturierungen gegeben, sondern nachdem das Unternehmen langsam in die richtige Richtung in Schwung gebracht worden sei, habe es sich beständig weitergedreht. Der Erfolg sei sozusagen zwangsläufig gewesen. Dahinter steckten kontinuierliche, über längere Zeit dauernde, Veränderungsprozesse. Collins betrachtet diesen Weg des Wachstums als den erfolgversprechendsten, denn es handle sich um Wachstum das Großartigkeit und nicht Größe zum Ziel habe: „Größe kann man vielleicht kaufen, Großartigkeit jedoch nicht. Zwei mittelmäßige Unternehmen ergeben zusammen noch kein Spitzenunternehmen.“

Der Weg zu den Besten von Jim Collins,
Campus-Verlag, ISBN 3593386488, € 24,99

Angstmeldungen zwischen medialer Präsenz und Wirklichkeit

Angstmeldungen zwischen medialer Präsenz und Wirklichkeit

In seinem neuesten Werk „Die Angst der Woche“ widmet sich Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund, den Angstmeldungen deutscher Zeitungen. Mit dem Buch geht Krämer der Frage auf den Grund, warum gerade die Deutschen so empfänglich für Angstmeldungen sind. Schon der Anfang des Buches, in dem Krämer zahlreiche Artikel deutscher Zeitungen auflistet, führt dem Leser vor Augen, mit welcher Konstanz die Medien hierzulande den Konsumenten mit Angstmeldungen bombardieren – im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz, die diese Themen weit weniger aufgreift. Da geht es um aufgebauschte Lebensmittelskandale, Umweltgifte, krebserregende Stoffe oder wild um sich beißende Haie. Bei vielen dieser Nachrichten kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, etwa wenn vor stundenlangem Dauerfönen gewarnt wird. Hingegen sind Nachrichten über Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht – Ursachen, an denen weitaus mehr Menschen sterben – kaum in den deutschen Medien vertreten. Allein die Fülle an Angstmeldungen und deren Informationsgehalt, der oft relativierende Aspekte vermissen lässt, sorgt laut Krämer für eine ängstliche Grundstimmung kurz vor der Panik. „Mit rationalen Argumenten kommt man hier nicht weiter“, sagt der Statistik-Professor. Er attestiert den Deutschen einen mangelhaften Umgang mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten, plädiert für ein vernunftgeleitetes Abwägen, um der nächsten Hysterie zu entgehen.

Die Redaktion meint: Sehr empfehlenswert. Ein sehr unterhaltsames Buch, das dem Leser einen Spiegel vorhält und zum Nachdenken anregt. Krämer versteht es ausgezeichnet, zu zeigen, wie Gefahren wirklich einzuschätzen sind.

Walter Krämer: Die Angst der Woche, Piper Verlag,
ISBN 978-3492054867, EUR 19,99

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