Mit unternehmerischem Mut Zukunft schaffen
230 Unternehmerinnen und Unternehmer besuchten die 13. Familienunternehmer-Konferenz des Familienunternehmermagazins Die News in Stuttgart am 12. Juli 2018. (Alle Fotos: Photoproduction Hanselmann)

Mit unternehmerischem Mut Zukunft schaffen

Die Vorträge von Unternehmerinnen und Unternehmern auf der 13. Familienunternehmer-Konferenz des Dr. Breitsohl Verlags in Stuttgart haben einmal mehr gezeigt, dass vor allem Mut notwendig ist, um Unternehmen in eine ungewisse Zukunft zu führen. Ohne Mut gibt es weder notwendige Veränderungen noch neue Geschäftsmodelle. Beides ist jedoch notwendig, um auch in fünf und zehn Jahren oder sogar in der nächsten Generation noch erfolgreich zu sein.

Was Werte mit Innovation zu tun haben

Das machten Unternehmer-Coach Meike Schneider und Start-up-Experte Johannes Ellenberg schon morgens beim interaktiven Zukunftsbrunch im Café Felix deutlich. Rund 50 Gäste hatten die Gelegenheit wahrgenommen, sich über die Methode „Wertebasierte Innovation (WBI)“ zu informieren. Die beiden Experten gehen davon aus, dass gerade in Zeiten schneller und großer Veränderungen der Unternehmer mit seinen Werten der Anker des Unternehmens ist. Sie empfahlen, sich auf die persönlichen Werte zu besinnen, das mache nicht nur das Unternehmen erfolgreicher, sondern auch den Unternehmer glücklicher und zufriedener. Ellenberg, der seit einigen Jahren junge Gründer begleitet und die Methoden und Tools der Start-up-Szene in die etablierten Unternehmen trägt, sagte: „Ich hatte immer das Gefühl, dass ein Puzzleteil zum ganz großen Erfolg fehlt.  Mit den Werten habe ich es gefunden.“ Schneider und Ellenberg stellten den Weg zum neuen Geschäftsmodell in sieben Schritten vor. Die Brunch-Teilnehmer konnten direkt einsteigen, indem sie sich Gedanken über ihre Werte machten und ihr Geschäftsmodell in eine Business Model Canvas überführten. Die WBI-Methode, so Schneider, setze beim Unternehmer an. Indem er sich auf die persönlichen Werte besinne, könne er Unternehmen und Familie unter einen Hut bringen, Traditionen bewahren und das Unternehmen gleichzeitig in die Zukunft führen.

Unternehmer sind dem Wir verpflichtet

Um 13 Uhr eröffnete Verleger Dr. Theo Breitsohl die Konferenz in der Alten Stuttgarter Reithalle im Hotel Maritim. Er betonte, dass für den Unternehmenserfolg nach wie vor Visionen, Werte und Führungskultur nötig seien. Kooperationen, Netzwerke und Business-Ökosysteme würden die Chance für mehr und bessere Innovationen eröffnen. „Unser Motto ‚Wir statt ich‘ könnte nicht treffender sein“, sagte der Verleger. In ihrem Grußwort machte auch Constance Bräuning-Ast, Landesvorsitzende Württemberg im VdU – Verband deutscher Unternehmerinnen, klar, dass Unternehmer keine egoistischen Einzelkämpfer seien. Sie sagte: „Erfolgreiches unternehmerisches Engagement lebt in und mit der Gemeinschaft und ist der Gesellschaft und den Mitarbeitern verpflichtet.“ Irmgard Freidler bekräftigte als Vertreterin des Wirtschaftsrats der CDU: „Für Familienunternehmer steht immer das Ganze, das Wir an erster Stelle.“ Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, sowohl Unternehmensgründerin als auch designierte Nachfolgerin im Familienunternehmen, sieht ihren Verband zum einen als politische Interessenvertretung, aber auch als Forum zum Austausch. „Wir wollen mit einer Stimme sprechen“, sagte sie.

Der Spirit muss stimmen

Die erste Referentin, Julia Becker, Verlegerin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA und Enkelin des Gründers, nahm das Publikum von Anfang an für sich ein. Sie definierte Familienunternehmen als Gemeinschaften. Die Mediengruppe folge den Werten Respekt, Qualität und Resultat. Durch die Digitalisierung und verändertes Kundenverhalten habe man teilweise harte Entscheidungen, auch Personalentscheidungen, treffen müssen. „Wir mussten Verantwortung für die Zukunft übernehmen“, sagte Becker. „Der Verkauf von Anteilen kam für uns nie in Frage. Das wäre uns vorgekommen als ob wir uns aus der Verantwortung schleichen würden. Man kann der Verpflichtung nicht durch einen Verkauf entkommen.“ Streit zwischen den Eigentümerfamilien wie es ihn eine Zeitlang bei Funke gegeben habe, sei ein Wertevernichter. Er führe zur Blockade notwendiger Entscheidungen und nur die Anwälte verdienten daran.

Becker geißelte die kostenlosen Inhalte der Verlage im Internet als Todsünde. Im Moment könne man zwar noch mit Printprodukten Geld verdienen, aber nicht mehr lange. Man müsse schnell neue Erlösmodelle entwickeln, damit man sich Qualitätsjournalismus weiterhin leisten könne. „Die Big Five graben Erlöse mit dem Schaufelbagger ab ohne Steuern zu zahlen. Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam angehen müssen“, sagte Becker und betonte: „Familiengeführte Verlage sind für die Meinungsvielfalt wichtiger denn je. Wir können in Projekte investieren, die einen langen Atem brauchen. Langfristig heißt nicht langsam.“

Den richtigen Weg in die Zukunft finden

Michael Müller, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Müller – Die lila Logistik AG, und Armin Renz, geschäftsführender Gesellschafter der Erwin Renz Metallwarenfabrik GmbH & Co. KG, machten deutlich, dass man sich nicht auf den Erfolgen der Gegenwart ausruhen darf, wenn man in zehn Jahren noch präsent sein möchte. „Man muss aufpassen, dass man nicht zu spät aufspringt“, warnte Müller. „Morgen ist heute schon gestern.“ Bei der lila Logistik stehe der Mensch im Mittelpunkt. „Menschen machen Geschäfte“, betonte Müller. Deshalb habe man sich letztlich auch für die Farbe  Lila entschieden, die aus rot (Herz) und blau (Verstand) entstehe. Man verbinde die Kraft des Denkens mit der Kraft des Handelns, durchbreche die Trennung von Beratung und Umsetzung.

Als gelungenes Beispiel stellte Müller Mercedes AMG vor. Dort sei es gelungen, die vierfache Menge an Produkten auf der gleichen Fläche mit der gleichen Infrastruktur herzustellen. Dazu seien perfekte Prozesse notwendig. Es gelte immer: „Bevor wir digitalisieren, müssen wir die Prozesse optimieren. Ein schlechter Prozess wird nicht dadurch besser, dass man ihn digitalisiert“, sagte Müller und ergänzte: „Die Produktion ist nur eine kurze Unterbrechung der Supply Chain.“

Für Armin Renz waren die Zunahme der elektronischen Kommunikation und ein jährliches Wachstumim E-Commerce von zehn bis 15 Prozent, Gründe, darüber nachzudenken, was mit den Briefkästen passieren würde, die das Unternehmen seit den 60er-Jahren herstellt. Herausgekommen ist die elektronische Paketkastenanlage „myRenzBox“, die gemeinsam mit einem schwedischen Start-up entwickelt wurde, sowie die Firma „Renz Service“, die sich mit der Entwicklung und der Inbetriebnahme befasst.

Wer die Paketkastenanlage nutzen möchte, muss mit den verschiedenen Paketzustellern einen so genannten Ablagevertrag abschließen und sich auf der Plattform myrenz.com registrieren. Die Bedienung der Paketkastenanlagen erfolgt über einen Touchdisplay. Die Identifizierung der einzelnen Nutzer geschieht via App, über einen elektronischen Schlüsselchip oder die Eingabe einer persönlichen PIN. Empfangen und versendet werden können dank integrierter Logistikprozesse Pakete von DHL, DPD, GLS und Hermes. Aber nicht nur das: Nutzer der Paketanlagen können anderen Zustellern oder Lieferanten mittels eines  Dauercodes oder einer einmaligen PIN ebenfalls die Möglichkeit geben, die Anlage zu nutzen. Auch Unternehmen nutzen die Anlagen für ihre Intralogistik. Ab Januar 2019 stehen Kühlboxen zur Verfügung. Die Lufthansa nutzt eine Anlage als „Pillbox“, in der Flugkleidung für die Crews und Informationen zum Flug bereit liegen. „Die Zusammenarbeit mit dem Start-up war für uns wichtig. Alleine wären wir um einiges langsamer gewesen“, bilanzierte Renz.

Automobile Welt im Umbruch

Dominik Greiner, Leiter Fleet & Business bei Avalon Premium Cars GmbH, vertritt mit Jaguar Landrover nicht nur einen Premium-Hersteller, sondern ist in einem Markt tätig, der wie kaum ein anderer von Veränderung betroffen ist. In Deutschland liege der Anteil an E-Autos bei gerade einmal 3,2 Prozent, von denen 75 Prozent gewerblich genutzt würden, auf Norwegens Straßen würden bereits 30 Prozent Elektroautos fahren, sagte Greiner. Nahezu unbemerkt vom Verbraucher mache auch die Batterietechnologie Fortschritte. 2010 hätten die Entwicklungs- und Herstellungskosten pro Batterie noch bei 900 Euro gelegen, heute seien es nur noch 130 Euro. Die Wiederverwertungsquote liege bei 60 bis 75 Prozent. „Wichtig sind Gewicht, Größe und Reichweite der Batterie und die öffentliche Ladeinfrastruktur, die durch private und gewerbliche ergänzt werden sollte“, sagte Greiner. „Ein weiterer Faktor für oder gegen ein E-Fahrzeug sei die Förderung.“ Immerhin falle zum Beispiel zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer an und auch bei der Dienstwagenbesteuerung gebe es Vorteile. Darüber hinaus zeuge eine E-Flotte von Umweltbewusstsein und sozialer Verantwortung der Unternehmen. „E-Mobilität ist eine Frage der Haltung“, sagte Greiner und bekräftigte: „E-Mobilität ist eine neue Herausforderung für Fuhrparkmanager.“

Aus dem Mangel Vielfalt machen

Mit seinem Vortrag „Fach- und Führungskräftemangel – Hysterie oder Risiko?“ nahm sich Thomas Wagner, Leiter Aus- und Weiterbildung, Akademie Würth – Adolf Würth GmbH & Co. KG, eines  zukunftsentscheidenden Themas für Familienunternehmen an. „Die Gefahr ist schon lange bekannt, aber es wurde nichts getan“, sagte Wagner. „Arbeit oder eine Ausbildung anzunehmen, ist eine freiwillige Entscheidung und es gibt immer mehrere Möglichkeiten. Also muss das Angebot attraktiv sein.“ Wagner empfahl Unternehmern, aus dem Unternehmen eine Marke zu machen. Unternehmen in ländlichen Gebieten müssten die Vorzüge der Region darstellen. Personalverantwortliche, Auszubildende und Mitarbeiter müssten in die Lage versetzt werden, für das Unternehmen zu werben. „Gehen Sie Bildungspartnerschaften ein, gehen Sie an Schulen und Universitäten, formulieren Sie Ziele“, riet Wagner. „Immer noch werden Mitarbeiter nicht ausreichend weitergebildet und ältere Mitarbeiter als Ballast empfunden.“ Junge Menschen müsse man direkt und persönlich ansprechen und begleiten, von der Schulzeit bis zur Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis oder zum berufsbegleitenden Studium. „Entwickeln Sie Fantasie. Es gibt viele Möglichkeiten. Bei Würth erhält jedes Mitarbeiter-Kind, das sich bewirbt, ein Vorstellungsgespräch“, sagte Wagner. „Mitarbeiter gewinnen muss man planen wie Kunden gewinnen. Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dass sich das gesellschaftliche Mindset ändert.“

Nach vier parallel stattfindenden Gesprächskreisen beschloss ein Gespräch mit Irmgard Freidler, geschäftsführende Gesellschafterin des Nudelherstellers Albgold, ihrem Sohn André und Verleger Dr. Theo Breitsohl den Abend. Darüber können Sie hier mehr lesen.

Beim Abendessen waren sich Veranstalter und Gäste einig, dass es ein großartiger Tag gewesen war. „Man erhält nur selten, solche tiefen Einblicke in unternehmerisches Denken und Handeln“, so ein Unternehmer. Ein anderer stimmte zu: „Die offene Atmosphäre hat mich sehr beeindruckt.“ (-ap)

Hier gibt es die Konferenz im Videorückblick und ganz unten eine großer Bildergalerie:

 

Videorückblick 13. Familienunternehmer-Konferenz

Gesprächskreis "Digital Tax - die digitale Revolution in Familienunternehmen" mit EY

Gesprächskreis "Mitarbeiter zu Partnern machen" mit Menold Bezler

Gesprächskreis "Neue Wege für die Finanzierung von Innovation und Wachstum" mit der Knöll Finanzierungberatung

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