Irmgard Freidler: Dem Tsunami getrotzt
Verleger Dr. Theo Breitsohl (l.) führte auf der 13. Familienunternehmer-Konferenz ein Gespräch mit Albgold-Chefin Irmgard Freidler und Sohn André. (Alle Fotos: Photoproductions Hanselmann)

Irmgard Freidler: Dem Tsunami getrotzt

Den Abschluss der Familienunternehmer-Konferenz der News am 12. Juli in Stuttgart bildete ein Gespräch mit Irmgard Freidler, geschäftsführende Gesellschafterin des Nudelherstellers Albgold, ihrem Sohn André und Verleger Dr. Theo Breitsohl. Zur Erinnerung: Albgold-Chef Klaus Freidler war am 18. Juli 2010 bei einer Mountainbike-Tour ums Leben gekommen. Seine Witwe Irmgard musste von einem Tag auf den anderen die Geschäftsführung des Familienunternehmens übernehmen. Im Gespräch sagte sie: „Es war als ob ein Tsunami auf mich zukommen würde. Es ist mir ein Rätsel, wie ich weitermachen konnte. Es war keine aktive Entscheidung. Ich hatte keine Wahl, es ging nicht nur um mein Schicksal, sondern auch um das meiner Söhne und der Mitarbeiter.“

Vertrauen gewinnen

Am Wichtigsten sei es gewesen, das Vertrauen von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zu gewinnen. „Ich war immer in der zweiten Reihe gestanden und alle fragten sich: Wer ist diese Frau“, sagte die Unternehmerin. Sohn André hatte damals gerade sein Studium abgeschlossen und einen Arbeitsvertrag in der Tasche, von dem er zurücktrat. „Mein Bruder Oliver und ich wollten helfen und sind beide ins Unternehmen eingestiegen“, erzählte er. Irmgard Freidler und ihre Söhne teilen die Werte von Klaus Freidler. Seine Philosophie bildete die Basis, auf der sie weitermachten. „Wir wollten weiterhin hochwertige, natürliche Lebensmittel herstellen und den Mitarbeitern einen guten Arbeitsplatz geben. Dabei haben wir von allen Seiten große Unterstützung erfahren“,  erinnerte sich die Unternehmerin. „ Ich habe mich zunächst darauf konzentriert, Bestehendes zu erhalten, Marketing und Vertrieb an meine Söhne abgegeben.“ Es sei für sie sehr wichtig gewesen, dass sie und ihr Mann sich stets über alle Themen ausgetauscht hätten. „Es gab nicht Unbekanntes. Ich hatte alles schon einmal gehört. Nur so war ich in der Lage, das Unternehmen weiterzuführen.“

2012 konnte Albgold einen Wettbewerber übernehmen, der glutenfreie Lebensmittel herstellte. „Es war genau die richtige Ergänzung. Glücklicherweise hat es geklappt“, sagte André Freidler. „Es war meine und meines Bruders Idee. Wir konnten meine Mutter überzeugen.“ Auf die Frage, wer am Ende die Entscheidungen treffe, sagte Irmgard Freidler: „Strategische Entscheidungen werden bei uns offen diskutiert und manchmal wird gestritten.“ Sohn André fügte hinzu: „Wir haben die gleichen Werte, die gleichen Ziele und eine gesunde Streitkultur. Aber es wäre schlimm, wenn am Ende niemand entscheiden würde.“

Zukunft fest im Blick

Hinsichtlich der Zukunft hat die Familie einiges vor. „Wir planen eine hundertprozentige Papierverpackung“, verriet André Freidler. Der Online-Verkauf, der bisher gerade einmal 0,3 Prozent ausmache, solle ausgebaut werden. In den USA habe man die kleine Firma „Aldente pasta“ übernommen. „Wir wollen dort mehr Produktionskompetenz einbringen und das Geschäft ausbauen. 30 Prozent unserer Produkte gehen in den Export. Unser Hauptmarkt ist Nordamerika“, so der junge Unternehmer weiter. „Unser Kerngeschäft ist die Nudelproduktion. Wir stellen über 500 Sorten her. Unsere Märkte sind zu klein für die Großen. Wir betreuen sie gut und sind nah an der Landwirtschaft.“ Darüber hinaus wolle man in Trochtelfingen investieren, nicht um zu vergrößern, aber um zu modernisieren. Mit dem Kundenzentrum, zu dem auch ein Restaurant und ein Kräutergarten gehören, und der Albgold-Trophy – mit inzwischen 1.300 Teilnehmern – wolle man weiter die Marke stärken. Auch hinsichtlich der Nachfolge seien erste Schritte getan: „Ich will mich nicht herausnehmen, aber ich kann eine andere Position einnehmen“, sagte Irmgard Freidler. Die Söhne sehen sich laut André Freidler ganz klar im Unternehmen, aber: „Wir wollen eher am als im Unternehmen arbeiten. Die Themen sind Nachhaltigkeit, Innovationsführerschaft und eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung.“ (-ap)

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