Studie: Strategien gegen den Fachkräftemangel
Den mit Abstand größten Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung gibt es laut der Studie der Stiftung Familienunternehmen in der Maschinen-, Fahrzeug- oder Elektrotechnik. Foto: Shutterstock

Studie: Strategien gegen den Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel insbesondere in Ausbildungsberufen droht die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft auszubremsen. Das zeigt die bislang umfangreichste und detaillierteste Analyse der Fachkräftesituation, die im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln durchgeführt wurde. Untersucht wurden die Berufsfelder Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik, Informationstechnologie sowie Technische Forschung und Entwicklung.

„Kein vorübergehendes Gewitter“

Regional bis in die Arbeitsagenturbezirke und zudem nach Qualifikationsgrad aufgeschlüsselt analysiert die Studie, wo hierzulande akuter Mangel herrscht. Eine Analyse von 389 Online-Stellenanzeigen hat gezeigt, dass die untersuchten Berufsfelder für große Familienunternehmen beim Personalbedarf eine besondere Relevanz haben. „Der Fachkräftemangel ist kein vorübergehendes Sommergewitter, sondern ein dauerhafter Klimawandel, der den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig schwächen könnte. Deswegen braucht es grundsätzliche und zugleich schnelle Lösungen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, und ergänzt: „Das von der Bundesregierung geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz sollte den Zuzug qualifizierter Fachkräfte insbesondere in den Ausbildungsberufen erleichtern. Für die digitale Transformation braucht es eben nicht nur studierte Programmierer an der Spree, sondern auch Fachkräfte für Mechatronik am Inn, dem Neckar oder der Weser. Auch hier wird der Weg für die vernetzte Industrie bereitet.“

Alarmstufe Rot in der Elektrotechnik

Der mit Abstand größte Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung besteht laut der Studie in der Maschinen-, Fahrzeug- oder Elektrotechnik. In diesen Berufen ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen von 2011 bis 2017 von 51.000 auf 80.000 angestiegen – ein Plus von deutlich mehr als 50 Prozent. Die tatsächliche Nachfrage dürfte sogar eher doppelt so groß sein, so das Forscherteam aus Köln, da Unternehmen nicht alle zu besetzenden Stellen bei den Arbeitsagenturen melden. In der Elektrotechnik herrsche Alarmstufe Rot. Hier sei der Fachkräftemangel bereits flächendeckend. Die Befragungen haben zudem ergeben, dass in den IT-Berufen vor allem Hochschulabsolventen der Fachrichtungen Informatik sowie Softwareentwickler aller Qualifikationsniveaus gesucht sind. Im Bereich der Forschung und Entwicklung wiederum fehlen Fachkräfte in den Ausbildungsberufen Technischer Zeichner, Technischer Produktdesigner sowie Technischer Systemplaner, die eng miteinander verwandt sind.

Handlungsempfehlungen an die Politik

Die Fachkräfteengpässe in den Digitalisierungsberufen sind im Westen und Süden Deutschlands tendenziell stärker ausgeprägt, die Betroffenheit einzelner Regionen ist jedoch je nach Berufsfeld sehr unterschiedlich. Dass sich die Engpässe von alleine lösen, ist nicht zu erwarten. „Aufgrund der demografischen Entwicklung ist vielmehr davon auszugehen, dass sich diese Situation in den nächsten zehn bis 15 Jahren weiter verschärft, insbesondere in Ostdeutschland“, heißt es in der Studie. Die Studienautoren richten sechs Handlungsempfehlungen an die Politik. Dabei geht es um eine Optimierung der Berufsorientierung, die Stärkung der beruflichen Bildung, die Förderung eines lebenslangen Lernens, die Gestaltung einer bedarfsorientierten Zuwanderung sowie die Förderung der Mobilität am Arbeitsmarkt.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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