Die Besten aus Baden-Württemberg: Oscar-Gewinner und Weltmarktführer
Veranstalter Dr. Walter Döring mit den Referenten Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg, Phillip Rock, Geschäftsführer der Klafs GmbH & Co. KG und Daniel Schmid, Chief Sustainability Officer bei SAP (v.l.). (Alle Fotos: ADWM)

Die Besten aus Baden-Württemberg: Oscar-Gewinner und Weltmarktführer

Zum zweiten Mal lud Dr. Walter Döring am 4. Mai 2018 mit seiner Akademie Deutscher Weltmarktführer (ADWM) nach Ludwigsburg ein. Rund 150 Familienunternehmer und Führungskräfte trafen sich im Schlosshotel Monrepos zu einem branchenübergreifenden Austausch. Gleich in seiner Begrüßung machte Döring deutlich, dass der Veranstaltungstitel „Die Besten aus Baden-Württemberg“ aus gutem Grund gewählt wurde: Eine neue Studie der ADWM und der Universität St. Gallen, in der der Begriff Weltmarktführer neu definiert werde, habe ergeben, dass es in Deutschland insgesamt 515 Weltmarktführer gebe, von denen 170 aus Baden-Württemberg kämen.

Abkehr vom reaktiven Politikstil

Den Auftakt machte nicht etwa ein Unternehmer, sondern der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec. „Städte packen die Zukunftsthemen direkt an. Ludwigsburg betreibt bereits seit 2004 eine strategische und nachhaltige Stadtentwicklung“, sagte der OB. „Wir handeln vorausschauend. Dafür machen wir uns Expertenwissen zugänglich und nutzen die Bürgerbeteiligung. Aktuell steuern wie 1.600 Projekte mit einem Softwaretool. Die Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern nur mit Hilfe der Digitalisierung werden wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.“ Spec stellt das Netzwerk „Living Lab“ vor, in dem Stadt, Wissenschaft und Unternehmen zusammenarbeiten. Es gehe darum, die verschiedenen Themen miteinander zu vernetzen, um tatsächlich in allen Sektoren wie Bildung, E-Mobility und Bauen vorausschauend handeln zu können. Mit dem Campus West möchten die Stadt und ihre Partner ein „Silicon Valley plus“ schaffen, „eine inspirierende Umgebung“, wie Spec sagte, in der Kunst und Innovation gedeihen können.

Mehr Kunden-Kommunikation

Martin Brandt, Vorstandsvorsitzender des 1957 gegründeten Wohnmobilherstellers Hymer, legte beeindruckende Zahlen vor: Der Umsatz der Gruppe stieg im vergangenen Geschäftsjahr gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Rund 1.000 neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Darüber hinaus habe sich das Unternehmen in den letzten Jahren vom Hersteller zum Vermiet- und Sharingpartner entwickelt und eine „Tour-Plattform“ ins Leben gerufen. „Die Digitalisierung bedeutet für uns eine riesige Chance für mehr Kommunikation mit unseren Kunden. Neben den analogen Clubs sprechen wir unsere Kunden mittlerweile auf den digitalen Kanälen an“, erzählte Brandt. Einziger Wehmutstropfen: „Mit dem Autoführerschein dürfen nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht gesteuert werden. Das behindert die Innovation in unserer Branche, denn unter diesen Vorgaben ist kein Hybrid-Fahrzeug möglich - zu schwer“, bedauert der Hymer-Chef.

Die Kommunikation mit dem Kunden und Multi Channel steht auch für Philip Rock, Geschäftsführer des Saunaherstellers Klafs, neben Technologie und Qualität, an vorderster Stelle. „Die digitale Technik nutzen wir in allen Bereichen, auch im Marketing oder im Vertrieb, wo es einen Beratungschat gibt“, sagte Rock. „Nur so ist ein hoher Individualisierungsgrad zu erreichen.“ Es handle sich um zahlreiche Einzelmaßnahmen, die mit entsprechender Software umgesetzt würden, zum Beispiel das Rendering. „Software und digitale Angebote sind nicht schwierig zu installieren. Viel schwieriger ist es, sie zu leben. Wenn man das nicht kann, muss man es lassen“, warnte Rock

Digitalisierung muss Priorität haben

Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer IAO und Technologiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg, betonte, dass die Digitalisierung Priorität haben müsse. Als Beispiel nannte er die künstliche Intelligenz. „China ist bereits heute absoluter Weltmarktführer in künstlicher Intelligenz. Stehenbleiben oder gemächliche Weiterentwicklung reicht nicht aus. Wir müssen uns schnell entwickeln“, mahnte Bauer. „Die Digitalisierung wird sich überall einnisten. Sie wird Einfluss auf die Geschäftsmodelle in allen Branchen nehmen. Wir müssen die Angst vor Neuem überwinden und raus aus den eigenem Wertschöpfungssystem. Die Unternehmen müssen handeln und nach vorne gehen.“

Von Oscars und Emmys

Mit Oscargewinner Johannes Preuss und Emmy-Gewinner Armin Pohl von Mackevision kam internationaler Glanz auf die Bühne. Preuss, Student an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, hatte für seinen Dokumentarfilm "Galamsey" über das Goldschürfen in Ghana den Studenten-Oscar 2017 erhalten. Er bescheinigte der Filmakademie, ideale Bedingungen für den Erfolg zu schaffen. „Die Publikumszuwendung zählt ebenso wie der künstlerische Aspekt“, sagte er. „Das war für mich immer wichtig. Schließlich möchte ich von dem Beruf leben.“

Pohl hat seine 1994 gegründete Agentur mit 550 Mitarbeitern in diesem Jahr an den Beratungskonzern Accenture Interactive verkauft. Normalerweise arbeitet er für die großen der Autoindustrie und sein Job ist „To create reality“, wie er sagt. Das haben er und seine Mitarbeiter beim Serienhit „Game of Thrones“ so gut gemacht, dass sie einen Emmy für die Visual Effects erhielten. Seine Empfehlung: „Glauben Sie nichts, was Sie im Fernsehen sehen. Auch wenn es mittelalterlich dreckig aussieht, kann es aus dem Computer kommen.“

Freiraum statt Regeln

Erich Harsch, Nachfolger von Götz Werner an der Spitze der Drogeriemarktkette dm, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf den Mitarbeiter als Kunden und startete mit der Frage, was dem Kundennutzen entgegenstehe. Seine Antwort: „Eigennutz auf Seiten des Mitarbeiters und die Chefs, denn häufig geht es um ‚please the boss‘, satt um ‚please the customer‘.“ Bei dm gebe es keine Anweisungen außer denen bezüglich Hygiene und Gesetzen. „Wir handeln hier nach dem Prinzip so wenig wie möglich und so viel wie nötig“, sagte Harsch. „Wir glauben daran, dass die Kollegen Lust auf eigenverantwortliche Initiative haben. Es gibt keine Budgets und auch keine Ziele von den Vorgesetzten. Wir sorgen für Transparenz und Information und setzen auf eine dialogische Kultur. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die Freude an der Arbeit haben, produktiver sind.“

Innovative Trockenfrüchte?

Ralph Beranek von Seeberger vertritt ein 175 Jahre altes Unternehmen, das 2017 von der „Wirtschaftswoche“ als innovativer Mittelständler ausgezeichnet wurde. „Was gibt es bei Trockenfrüchten zu innovieren?“ schmunzelte Beranek und schob nach: „Die Digitalisierung macht es uns möglich, mehr Präsenz zu zeigen, dabei ist uns klar, dass wir Social Media nicht steuern können.“ Ernährung und Gesundheit würden immer wichtiger, das greife die Firma auf, indem sie als Marke mit „Genuss und Natur“ auftrete und zum Beispiel den Snack-Markt vermeide. „Wir versuchen, Altes immer wieder neu zu denken und die Balance zwischen Produkt und digitaler Kommunikation zu finden“, sagte Beranek. „Wir gestalten die Zukunft über Werte und Haltung. Wenn wir unser Geschäft richtig machen, kommen die guten Zahlen von alleine.“

Unwort, Marketing-Gag, Nachhaltigkeit

Klaus Dederichs von Drees & Sommer bezeichnete die Digitalisierung als „Unwort des Jahrhunderts“. Vieles, was unter diesem Label laufe wie BIM (Building Information Modeling) und Industrie 4.0 sei nichts Neues. BIM gebe es schon seit 15 Jahren. Viel gravierender sei, dass 95 Prozent aller IoT-Produkte keine Sicherheit hätten. Das wirke sich auf Smart-Building-Lösungen aus. Damit lag Dederichs auf einer Wellenlänge mit Rainer Hundsdörfer, CEO der Heidelberger Druckmaschinen, der sagte: „Industrie 4.0 ist nichts weiter als ein Marketing-Gag und bedeutet letztlich Automatisierung.“

Um Nachhaltigkeit ging es beim Vortrag von Daniel Schmid, Chief Sustainability Officer bei SAP. Der Purpose, die Sinnstiftung werde für Mitarbeiter und Kunden immer wichtiger, sagte er. Eine sinngetriebene Strategie verbinde Menschen und Technologie, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. „Bei SAP haben wir den Purpose ‚Help the world get better and improve people‘s lifes‘. Wir müssen wegkommen vom reinen Finanzdenken. Die Kunden erwarten heute Nachhaltigkeit und dass sie auch gelebt wird“, sagte Schmid.

Winfried Hermann: „Stau nicht erfunden“

Biathlet, Olympiasieger und Weltmeister Simon Schempp gab seinen Zuhörern eine wichtige Erkenntnis über das Scheitern mit auf den Weg: „Niederlagen müssen sein, damit man sich entwickeln kann.“ Danach trat der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Herrmann ans Mikrofon und betonte, dass er den Stau nicht erfunden habe, bevor er in sein Thema einstieg: „Mobilität und Ökologie gehören zusammen. Mobilität darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.“ Verkehr und Mobilität müssten jetzt neu gedacht werden, denn mit der Technologie von heute sei die Zukunft nur begrenzt zu gewinnen. Er sehe drei große Trends, an denen sich die Zukunft vermutlich ausrichten werde: Digitalisierung, Vernetzung und Dekarbonisierung. „Es geht nicht darum, die Probleme lange zu beschreiben und zu debattieren, sondern darum, sie mutig anzugehen“, empfahl der Minister. Dabei solle die Politik nicht zu weit hineinregieren, aber ein ganzheitliches Konzept müsse mit der Energiewende verbunden sein. Hermann warnte: „Wenn wir beim mechanischen Auto bleiben, werden wir am Ende Kuckucksuhren produzieren. Die Besten zeigten immer Mut, aber wenn wir weiterhin so vorsichtig sind, werden wir vielleicht nicht mehr die Besten sein.“ (Andrea Przyklenk)

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