Hemmnisse für das Unternehmenswachstum beseitigen
Sebastian Rupp ist seit November 2017 Betriebsleiter der Andreas Rupp GmbH.

Hemmnisse für das Unternehmenswachstum beseitigen

Wenn Unternehmen wachsen, können die gewachsenen Strukturen, Räumlichkeiten, Prozesse, Abläufe,  Kommunikationsformen und sogar die Kultur zum Hindernis werden, wenn sie nicht entsprechend mitwachsen und sich verändern. Diese Erfahrung macht gerade Sebastian Rupp, Betriebsleiter und Juniorchef beim Spritzguss-Spezialisten Rupp in Eppingen-Rohrbach. „Die Inbetriebnahme der neuen Logistikhalle 2013 und der Neubau der Produktionshalle, die wir in diesem Jahr einweihen werden, bilden die Grundlage für die Anpassung des Unternehmens an das starke Wachstum der vergangenen Jahre“, sagt er. „Dadurch schaffen wir standardisierte Arbeitsplätze, die Prozesse und Materialhandling auf den neuesten Stand bringen.“ Doch das allein sei nicht ausreichend, wenn die gewachsenen Abläufe bis hin zur Kommunikation untereinander nicht ebenfalls verändert würden.

Wachstum erfordert Standardisierung

Von außen werde wachsende Komplexität ins Unternehmen hineingetragen. Zum einen durch die Produkte und Kundenanforderungen, zum anderen durch veränderte Regularien und Zertifizierungsanforderungen. Standards seien ein gutes Mittel, um damit fertig zu werden. „Die Prozesse sind viel stärker verzahnt als früher. Versäumnisse werden weniger verziehen. Das löst bei den Mitarbeitern Frust aus“, sagt Rupp. „Die Mitarbeiter müssen verstehen lernen, dass sie dem nur begegnen können, indem sie mehr miteinander kommunizieren. Früher war alles überschaubarer und der einzelne konnte einen Fehler meistens selbst ausbügeln. Doch das funktioniert nicht mehr und kostet unter Umständen viel Zeit. Ein wiederkehrendes Thema sind die Maschinenrüstzeiten. Schnelligkeit ist hier von guter Vorbereitung und der Zusammenarbeit im Team abhängig. Durch die steigenden Prozessanforderungen und eine wachsende Zahl von Aufträgen sind die Abläufe von der Planung bis zum Versand durchgetaktet. Manche Mitarbeiter empfinden das als unflexibel.“

Das Unternehmen ist nach den strengen Regeln der Automobilindustrie zertifiziert. Mit der neuen IATF 16949 kommen neue Anforderungen hinzu. „Das Unternehmen wird nicht mehr losgelöst von seinem Umfeld betrachtet, sondern muss gewachsenen Prozessanforderungen ebenso genügen wie Compliance-Anforderungen. Das bedeutet mehr Dokumentation und weitere Zertifizierungen wie eine Umweltzertifizierung“, erklärt der Betriebsleiter. „Das lässt sich nur mit Standards, lückenlosen Nachweisen und Digitalisierung beziehungsweise Automatisierung bewältigen.“ Das Unternehmen habe in allen Prozessen die Voraussetzungen für die durchgängige elektronische Auftragsabwicklung geschaffen, trotzdem müsse man sich im Versand noch immer mit dreifachen Kopien herumschlagen, weil der automatisierte Prozess auf Kundenseite nicht funktioniere. „Das ist den Mitarbeitern dann nur schwer zu vermitteln“, so Rupp.

Hohe Anforderungen an Mitarbeiter

Die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung bringe es mit sich, dass die Mitarbeiter  zunehmend mit Programmierung und Robotik zu tun hätten. „Das bedeutet ständige Weiterqualifizierung, denn nur wenn die Mitarbeiter qualifiziert sind und im Team arbeiten, können Störfälle dauerhaft gelöst und vermieden werden.“ Dabei setzt das Familienunternehmen auf externe Schulung für bestimmte Anlagen und auf die interne Weitergabe von Wissen. Dafür müsse man besonders qualifizierte Mitarbeiter gewinnen. „Es funktioniert jedoch nur, wenn jemand Spaß daran hat, sein Wissen und seine Erfahrung weiterzugeben“, betont der junge Unternehmer. Qualifizierte Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen, sei schwierig, da sich die Firma auf dem Land befinde und viele den Dienstleistungssektor oder die großen Konzerne einem Produktionsbetrieb vorziehen würden. Darüber hinaus müsse so gut wie jeder neue Mitarbeiter zunächst intern qualifiziert werden, bevor er selbstständig arbeiten könne. Auch der Nachwuchs sei dünn gesät. „Wir bilden zwar selbst aus, aber viele junge Menschen stehen technischen Berufen ablehnend gegenüber“, bedauert Rupp.

Hinzu komme, dass die Mitarbeiter, die schon länger in der Firma seien, durch die mit dem Wachstum einhergehenden Veränderungen zum Teil verunsichert seien. „Das macht es notwendig, beständig an einem gemeinsamen Leitbild und der Kultur zu arbeiten“, sagt Rupp. „Dafür braucht man Zeit. Man muss immer wieder Ziele vermitteln. Veränderung darf nichts Halbgares sein. Die Mitarbeiter erwarten zu Recht eine klare Position zu den Fragen Was? Warum? Wie? Besonders die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist wichtig, denn sie vermittelt den Sinn des Ganzen. Sagt dann ein Mitarbeiter: ‚Das Konzept Rupp ist schlüssig‘, ist das eine ganz besondere Auszeichnung und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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