Lapp-Kabel: Familienunternehmen im Wandel
Die Unternehmerfamilie Lapp von der Gründergeneration bis zu den Enkeln: Andreas, Matthias, Ursula Ida, Alexander und Siegbert Lapp (v.l.).

Lapp-Kabel: Familienunternehmen im Wandel

Die Bilanzpressekonferenz der Lapp-Gruppe brachte das, was alle erwarteten: gute Zahlen. Das Stuttgarter Familienunternehmen konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/2017 (1. Oktober bis 30. September) erstmals in der Firmengeschichte die Umsatzmilliarde knacken. Der weltweite Umsatz erhöhte sich um 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich gar um 29 Prozent auf 55,5 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 9,6 Prozent auf 3.770, rund ein Drittel arbeitet in Deutschland. Und auch der Ausblick auf das laufende Jahr ist laut Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG, sehr gut. Mindestens so spannend wie die Zahlen waren jedoch die Einblicke, die die Vorstände in Innovationen, Projekte und den Generationswechsel im Unternehmen gaben.

Digitalisierung und Veränderung

Wie bei vielen anderen Unternehmen zählt auch bei Lapp die digitale Transformation zu den wichtigsten Zukunftsthemen. Dafür wurde ein eigenes Team gegründet, das sich um alle Aspekte der Digitalisierung im Unternehmen kümmert. In allen Unternehmensbereichen laufen aktuell Projekte, um zum Beispiel mit digitalen Technologien neue Marktchancen zu erschließen, Prozesse zu automatisieren und die IT-Landschaft zu optimieren. Verantwortet wird das Zukunftsthema Digitalisierung wie auch die Weiterentwicklung des E-Business von dem 33-jährigen Alexander Lapp.

Andreas Lapp machte klar, dass sich die gesamte Organisation entwickeln müsse. „Wir wollen die Veränderungsbereitschaft erhöhen und die Veränderung begleiten“, sagte er. „Unser Ziel ist die lernende Organisation.“ Mit der neuen Arbeitswelt in der Europazentrale am Stammsitz wolle man Kommunikation und Kreativität fördern, den Kundenfokus steigern und Aufbruchsstimmung erzeugen. Deshalb sei man auch besonders stolz auf den HR-Award in der Kategorie Arbeiten 4.0, mit dem die U. I. Lapp GmbH ausgezeichnet worden ist, so der Vorstandsvorsitzende weiter. Dem Fachkräftemangel versucht das Familienunternehmen darüber hinaus mit vielfältigen Arbeitszeitmodellen und der Ausbildung eigenen Nachwuchses zu begegnen.

Innovation und ungewöhnliche Projekte

Georg Stawowy, Vorstand für Innovation und  Technik, stellte Neuheiten und Projekte vor und betonte die Wichtigkeit der Lapp-Produkte für die Digitalisierung in der Industrie. „Verbindungslösungen für die industrielle Datenkommunikation sind das Rückgrat der Industrie 4.0, des Industrial Internet oft Things (IIoT). Sie waren und sind ein Schwerpunkt bei den Innovationen der Lapp-Gruppe“, sagte er. Als Beispiel stellte er das „Etherline Torsion Cat. Z“ vor. Die torsionsfähige Hochgeschwindigkeitsleitung für industrielles Ethernet kann Datenraten bis zehn GB im Frequenzband bis 600 Megahertz übertragen. Das ist interessant für Anwendungen in Maschinen und in der Robotik, wo große Datenmengen anfallen, etwa von Sensoren oder hochauflösenden Kameras – eine wichtige Anforderung für Industrie 4.0.

Mit den vorkonfektionierten Energieketten für die Bystronic-Glass-Gruppe im Nordschwarzwald stellte Stawowy ein beeindruckendes Projekt vor. Die Gruppe fertigt Maschinen und Anlagen zur Herstellung zur Isolierglasfertigung. Die Isoliergläser von Bystronic-Anlagen sind zum Beispiel im der Mercedes-Benz-Arena in Berlin verbaut, im Shanghai Tower oder dem Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt.  Mit den Energieketten von Lapp konnte der Produktionsprozess bei Bystronic deutlich beschleunigt werden und die Mitarbeiter können sich auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren, anstatt Zeit mit der Konfektionierung von Energieketten zu verbringen.

Im Dezember 2017 ging im schwäbischen Gaildorf eine bahnbrechende Anlage zur Energiegewinnung in Betrieb: Windräder in Kombination mit Pumpspeichertechnik. Mit dieser so genannten Wasserbatterie habe der Baukonzern Max Bögl Wind „Maßstäbe für die Energiewende gesetzt“. Für die Verkabelung der Anlage sorgte Lapp. Das höchste der vier Windräder ist mit 246,5 Metern auch das höchste der Welt. Durch die große Höhe der Windräder benötigen die Kabel eine ungewöhnlich hohe Traglast.

Gelungener Generationswechsel zum Zweiten

Andreas und Matthias Lapp, seit Juli 2017 Geschäftsführer der U.I. Lapp GmbH, zeichneten gemeinsam das Bild eines Familienunternehmens, das zwar Traditionen bewahrt, aber darüber die Zukunft nicht vergisst. Fasziniert lauschten seine Zuhörer als Andreas Lapp von den Anfängen des 1959 von seinem Vater Oskar und seiner Mutter Ursula Ida gegründeten Unternehmens erzählte: „Mein Vater war mit seinem VW-Käfer unterwegs und versuchte die Leute davon zu überzeugen, ein fertiges Kabel zu kaufen. Meine Mutter machte die Buchhaltung, die Logistik, das Qualitätsmanagement, das, was wir heute als CS bezeichnen, Personal, den Einkauf und zog nebenbei Kinder groß. Mit dem Leiterwagen holte sie die im Ruhrgebiet gefertigten Kabelrollen am Bahnhof in Vaihingen ab.“ Seine Eltern hätten alles richtig gemacht und ein gutes Fundament gelegt, betonte Andreas Lapp, der 1987 mit seinem Bruder Siegbert wegen des Todes seines Vaters die Geschäfte übernehmen musste. „Ich war damals 31, mein Bruder 34 Jahre alt. Wir machten sicherlich nicht alles richtig. Aber die Arbeit war da und musste gemacht werden. Also haben wir einfach mal losgelegt. Unsere Mutter hat uns dabei  immer den Rücken gestärkt.“ Er habe sich immer als Treuhänder für die nächste Generation verstanden, fuhr der Unternehmer fort. „Ich war nie der Meinung, dass das alles mir gehört.“

Der 35-jährige Matthias Lapp sieht das ähnlich wie sein Onkel: „Ich sehe mich als Verwalter, der das Unternehmen einmal an die nächste Generation übergeben wird. Dabei ist es meine Aufgabe, es weiterzuentwickeln, Neues hinzuzufügen und den richtigen Weg in die Zukunft zu finden. Wie Gustav Mahler sagt: ‚Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.‘ Ich bin dankbar, dass ich und mein Bruder Alexander die Möglichkeit haben, zu gestalten, das auch dürfen und dabei Unterstützung finden. Das ist in Familienunternehmen leider keine Selbstverständlichkeit.“ Am Ende hatte Andreas Lapp die Lacher auf seiner Seite, als er auf die Frage, wann er denn den Vorstandsvorsitz der Holding an die jüngere Generation abgeben wolle, augenzwinkernd antwortete: „Man kann die Jungen schon etwas machen lassen, aber nicht alles.“ (-ap)

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