Unternehmer-Gala „Stay the Night“: 40.000 Euro für Sozialunternehmer in Uganda
An der Podiumsdiskussion zum Thema "Soziales fördert Wirtschaft" bei der Unternehmer-Gala "Stay the Night" in Stuttgart nahmen teil: Grace Mukwaya-Lule, S.K.H. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Moderatorin Anja Deters, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eva Maria Haberfellner von der Dieter von Holzbrinck-Stiftung, Unternehmer Stephan M. Hewel und Stiftungsgründer Benjamin Wolf (v.l.). (Alle Fotos: Christoph Kalscheuer)

Unternehmer-Gala „Stay the Night“: 40.000 Euro für Sozialunternehmer in Uganda

Es war ein spannender Abend am 7. November in der Phoenixhalle im Römerkastell in Stuttgart. Eingeladen hatte die Stiftung Stay, 2013 von Benjamin Wolf mit Freunden zusammen gegründet. Das Ziel der Stiftung ist es, neue Methoden für die Entwicklungszusammenarbeit zu entwickeln, Projekte, die in sozialer Hinsicht wirkungsvoll sind, aber vor allem auch dauerhaft, indem sie sich systematisch daran ausrichten, ideell wie finanziell selbsttragend zu sein. Wolf entwickelte mit der Stiftung Stay einen völlig neuen Ansatz: unternehmerische Entwicklungsarbeit.

Dafür konnten Wolf und seine Mitstreiter inzwischen auch viele Unternehmer in Stuttgart gewinnen, unter anderen Stephan M. Hewel, Gründungsmitglied der „Babbelrunde Stuttgart“, einem losen Zusammenschluss von Unternehmern, und geschäftsführender Gesellschafter der Kellergroup in Ditzingen. Auf der zweiten Stuttgarter Unternehmer-Gala „Stay the Night“ unter der Schirmherrschaft von Sabine Christiansen und Timo Hildebrandt wurde vorgestellt, was bisher erreicht worden ist, die „LATEK Stay Alliance Uganda“, ein Dachverband von rund 30 Sozialunternehmen in Uganda. Der Name des Dachverbands bringt es auf den Punkt: „Latek“ bedeutet „Wir sind stark“. Das Ziel ist es nun, den Dachverband auszubauen, dessen finanzielle Mittel die Mitglieder bereits jetzt teilweise selbst erwirtschaften, um langfristig unabhängig zu sein. Unternehmen, die Mitglied dieser Allianz werden wollen, müssen zusätzlich zu einem Konzept in den Bereichen Bildung, Gesundheit und  Wirtschaft nachweisen, dass dabei auch an die Eigenfinanzierung gedacht wurde.

Unternehmer für Unternehmer

Die Stiftung möchte die  funktionierende Idee der Einheimischen, die Entwicklungshilfe in ihrem eigenen Land machen, in andere Länder tragen. Dazu braucht es mehr als unermüdliche Ehrenamtliche und Praktikanten aus verschiedenen Studiengängen. Die Herausforderung in Deutschland liegt darin, Unternehmen und Privatleute für Investitionen in die Sozialunternehmen in Entwicklungsländern zu finden.

2015 starte Stay deshalb in Stuttgart die Kampagne „Unternehmer für Unternehmer – Stuttgart“ Einheimische Sozialunternehmer in Uganda bauen ihr Land von innen auf - Stay und deutsche Unternehmer fördern sie dabei durch Investitionen, die eine soziale Rendite bringen. Mit der Stiftung Stay können deutsche Unternehmen Sozialunternehmen in Entwicklungsländern unterstützen, die den Menschen des Landes, eine Chance für die selbstverantwortliche Absicherung der eigenen Gesundheit, Bildung und des Lebensunterhalts geben.

„In den Augen der 30 Unternehmer aus Uganda sehe ich die gleiche Leidenschaft wie bei den Unternehmern hier“, sagte Wolf auf der Gala. „Auch sie haben das Ziel, etwas Langfristiges und Nachhaltiges zu schaffen. Unsere Unterstützung soll kein One Night Stand bleiben. Stay Alliance ist anders, weil wir den direkten Zugang zu den Machern vor Ort haben. Und Uganda soll nicht das einzige Land bleiben.“ Schirmherr Timo Hildebrandt betonte: „Es ist wie im Fußball. Die Mannschaft muss lernen, alleine zu laufen und niemals aufzugeben.“

„Fahrt mal da runter“

In der Podiumsdiskussion zum Thema „Soziales fördert Wirtschaft“ wurde schnell deutlich, weshalb die klassische Entwicklungshilfe sich schwer tut. „Zwei Drittel des Geldes fließen zurück in den Westen“, sagte Afrika-Experte Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate. „Nicht einmal ein Drittel der Entwicklungshilfegelder kommt bei denen an, die es brauchen.“ Es sei kein Wunder, dass die Elite der jungen Menschen ihre Länder zuerst verließe. „Von den 1,2 Milliarden Menschen in Afrika sind 85 Prozent jünger als 25 Jahre. Die Zukunft des 21. Jahrhunderts hängt davon ab, dass diese jungen Menschen eine Perspektive in ihren eigenen Ländern sehen.“ Grace Mukwaya-Lule, Juristin und Sozialunternehmerin aus Uganda, machte klar, weshalb es sinnvoll ist, Sozialunternehmer vor Ort zu unterstützen: „Wir entwickeln Ideen zur Lösung von Gemeinschaftsproblemen. Jeder von uns kennt die Probleme, die es zu lösen gilt, aus eigener Erfahrung.“

Babbel-Runde-Mitgründer Hewel rief die Unternehmer auf, auf die Unternehmer in Uganda  zuzugehen: „Ohne Know-how-Transfer funktioniert es nicht. Ihr müsst nach Afrika fahren, eigene Erfahrungen machen, mit den Unternehmern vor Ort sprechen, sie an eurem Wissen teilhaben lassen.“ Das war das Stichwort für Georg Albrecht von Karawane-Reisen, der im April 2018 für Stay eine Unternehmer-Reise nach Uganda organisiert. Dabei lernen die Teilnehmer nicht nur verschiedene Unternehmen und Projekte von Stay Allicance kennen, sondern auch die touristischen Attraktionen Ugandas und können sich mit dem deutschen und dem EU-Botschafter austauschen.

Preisverleihung Plus

Nach den verblüffenden Künsten des Fußball-Freestylers Camill Hauser und einer kleinen Herausforderung an Timo Hildebrand ging es zum Höhepunkt der Veranstaltung: Die Preisverleihung „Best Social Business Plan Uganda 2017“  an drei ugandische Sozialunternehmen per Live-Schaltung nach Uganda. Der erste Preis ging an Nawad, ein Unternehmen, das Multiplikatoren für die Landwirtschaft ausbildet mit Schwerpunkt Klimawandel. Der zweite Preisträger, Mydel, bietet Schulungen in ökologischer Landwirtschaft an, sodass in den Dörfern eine Produktion für den Markt aufgebaut werden kann. Der dritte Preis ging an Chain. Das Unternehmen bildet medizinische Helfer aus, die in den Dörfern die erste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen sind.

Zur Freude der Preisträger und der Gäste in der Phoenixhalle, stockte Unternehmer Hewel das Preisgeld auf, sodass sich alle Gewinner über dasselbe Preisgeld in Höhe von rund 1.000 Euro freuen konnten. Insgesamt kamen an diesem Abend rund 40.000 Euro zusammen, die für den Ausbau der bestehenden Sozialunternehmen zu dauerhaft tragfähigen Strukturen im Land und dem Ausbau neuer Netzwerke verwendet werden. Der Rest des Abends gehörte dem Netzwerken – genau das fördert Stay in Uganda: Netzwerken bedeutet den Aufbau und die Pflege von persönlichen Kontakten mit dem Ziel, potenzielle Geschäftspartner, Kunden oder Mitarbeiter kennen zu lernen, Empfehlungen und Erfahrungen auszutauschen oder sich zusammen zu schließen, um mit einer Stimme zu sprechen. (-ap)

www.stay-stiftung.org

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